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Der Wildpflanzen-Komponist Dani Pelagatti
Aus Biodiversität vom 22.09.2020.
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Paradies Naturgarten Der Wildpflanzen-Komponist Dani Pelagatti

Dani Pelagatti hat sich ein Garten-Reich aus Wildpflanzen geschaffen. Meisterhaft zaubert er mit Hilfe seines Partners eine betörende Welt aus Duft und Farben. Jedes Jahr wieder aufs Neue. Viel Arbeit, aber auch viel Freude.

Wer durch das Gartentor geht, betritt eine andere Welt. Eine Welt der Farben und Formen, Blüten und Blumen. Und eine Welt der Tiere, Insekten allem voran: unzählige Wildbienen und Wespen jeglicher Kulör. Und natürlich auch Mücken. Ein Schlaraffenland für Vögel.

Distelfink
Legende: Auch der Distelfink besucht Dani Pelagattis Garten. SRF

Es ist das Reich von Dani Pelagatti und Sander Kunz. Die beiden wohnen erst seit vier Jahren hier, in Agasul, einem Zürcher Oberländer Weiler mit ein paar wenigen Bauernhäusern. Das Haus gehörte einst Danis Biologie-Lehrer. Schon in jungen Jahren ging Dani hier ein und aus. Der Biologielehrer hatte damals schon einen Naturgarten angelegt. Dani träumte immer von so einem eigenen Garten. Aber er hätte es sich nie träumen lassen, dass er mal diesen Traumgarten übernehmen darf.

«Nicht am Ewiggleichen festhalten»

Rund 900 verschiedene Pflanzenarten gedeihen hier. Bei weitem nicht alles einheimische. Das ist Dani Pelagatti wichtig. Er mag es, wenn Dinge sich verändern. Ein lebendiger Garten ist im steten Wandel. Und dazu gehören auch Brüche. «Alles ist in Bewegung, nichts bleibt ewig gleich. Man kann und darf nicht am Ewiggleichen festhalten», so der 48-Jährige.

Eine Lieblingspflanze gibt es nicht. Aber Disteln haben es ihm angetan. In Agasul ragen Esels- und Nickende Disteln gegen den Himmel, umrahmt von Karden, begleitet vom kaukasischen Riesenschuppenkopf mit wunderbar gelben Blüten. Und dann plötzlich entdeckt man Taglilien! Wieder so ein Bruch. Traditionelle Zierpflanzen dürfen hier durchaus auch gedeihen. Sogar der verpönte invasive Neophyt, das Einjährige Berufkraut mischelt mit. «Solange es nicht überhandnimmt», erklärt Pelagatti.

Schon als Kind will er wissen, was aus dem Rüebli wird, wenn man es stehen lässt. Welches Getier es anzieht und weshalb gerade dieses. Trotzdem lernt der Jüngling damals nicht Gärtner. Entscheidet sich nicht für Biologie. Sondern studiert Wissenschaftliche Illustration und Alte Musik. Kürzlich hat er eine Briefmarke für die Schweizer Post gestaltet. Das Sujet: natürlich Blumen.

Das genaue Hinschauen, die Fähigkeit zu komponieren und zu gestalten, das sieht man den rund 1'500 Quadratmetern an. Dani und sein Partner kultivieren die vielen Pflanzen sorgfältig – und geniessen dann wiederum, wenn sich die Natur verselbständigt. Zu der Komposition gehört eine Wand voller Nisthilfen für Insekten. Hohle Stängel, Ziegel, Totholz und eine Sandböschung bieten Nistplätze für die rund 60 Wildbienen-Arten, die hier leben.

Über 600 Wildbienen-Arten gibt es schweizweit, und Dani entdeckt immer wieder neue bei sich. Oft kann er stundenlang davorstehen und einfach gucken. Er freut sich gerade riesig: Eine Spei-Spinne! «Die habe ich hier draussen noch nie gesehen».

«Ab und zu töte ich auch mal eine nervende Mücke»

Dani Pelagatti staunt, immer noch: Wie finden diese Insekten seinen Garten? Woher kommen sie alle? Was für Wege sie wohl alle zurückgelegt haben…. Dani kennt alle Insekten und Pflanzen, die seinen Garten bevölkern. Er kennt ihre wissenschaftlichen Namen und ihre Vorlieben. Er zeigt auf ein grosses Stück Holz, das von mehreren Gängen durchbohrt ist: «Das war die Schwarzblaue Holzbiene (lat Xylocopa violacea).» Auch hier: Es gibt kein Lieblings-Insekt für Pelagatti. Er lässt alle leben, also fast: «Wenn mich eine Mücke im Haus umschwirrt oder eine Bremse sticht, dann kann ich auch mal zuschlagen!»

Dani Pelagatti und Sander Kunz strahlen eine Zufriedenheit aus: «In so einem Paradies kann man nicht anders als glücklich sein», strahlt Dani. Die Arbeit im Garten macht für sie total Sinn. Die Biodiversität, die Artenvielfalt zu fördern ist beglückend.

Dani Pelagatti
Legende: «In so einem Garten kann man gar nicht anders, als glücklich sein», sagt Dani Pelagatti und strahlt. SRF

Sein grosses Wissen teilt Pelagatti auch gern mit andern, auf Facebook und Instagram (gartenwildnis_agasul) bedanken sich unzählige über das mitgeteilte Wissen. Es kommt aber auch vor, dass ein Bauer aus dem Dorf um Rat bittet. Wie man denn eine Hecke richtig pflege zum Beispiel.

«Es ist eine stete Gratwanderung»

Das Ganze ist wild, aber nicht Urwald. Eine Art gezähmte Wildnis. «Meine Art zu gärtnern ist eine stete Gratwanderung. Ein Spiel mit dem Zufall, ein Pendeln zwischen Fachwissen und Kontrollverlust», sagt Pelagatti und schmunzelt. Vollendet wird dieses Paradies wohl nie sein. Noch gibt es eine lange Liste von Pflanzen, die Dani gerne hätte. Platz hat es. Noch.

Naturgarten-Herbsttipps von Dani Pelagatti:

  1. Unordnung zulassen! Nicht alles muss vor dem Winter abgeschnitten werden. Dürre Stängel und Samenstände sind optisch reizvoll, verleihen dem Garten in Herbst und Winter Struktur und bieten vielen Tieren Nahrung, Unterschlupf und Brutstätte.
  2. Schnittgut, das doch bereits im Herbst anfällt, zu Haufen schichten. Hier finden viele Kleintiere Unterschlupf und Winterquartier.
  3. Solange im Herbst der Boden noch Sommerwärme gespeichert hat, ist ideale Pflanzzeit für Stauden. Nun ist also die richtige Zeit zur Anlage neuer Beete oder Ergänzung bestehender Pflanzungen.
  4. Die Kaltkeimer unter den Pflanzen nicht vergessen! Sie sollten am besten bereits im Herbst ausgesät werden, damit sie dann nach dem Winter keimen können. Dazu gehören viele Doldenblütler, z.B. Wald-Engelwurz, Süssdolde, Haarstrang- und Laserkrautarten, aber auch Akeleien, Schlüsselblumen, Christrosen und manch andere Gattung.
  5. Viele winterharte Einjährige, z.B. Klatschmohn, Kornblume, Ackersenf, Venusspiegel, Breitsame etc., kann man auch bereits im September aussäen. Sie keimen schnell und überwintern als Blattrosette. Im Frühjahr haben sie einen Vegetationsvorsprung gegenüber erst dann ausgesäten Artgenossen. Mit einer Herbst- und Frühlingsaussaat kann man die Blütezeit dieser kurzlebigen Arten auf einfache Weise verlängern.

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