Zum Inhalt springen

Header

Video
Die Dunkle Biene
Aus Biodiversität vom 23.09.2020.
abspielen
Inhalt

Honigbienen Dunkle Biene: Wildtier oder Nutztier?

Unsere einheimische Honigbiene droht zu verschwinden. Sie unter Schutz zu stellen, ist nicht einfach. Ein Grund: Die Diskussion, ob die Biene ein Nutztier ist.

Wer Imker werden will, der kann sich seine Bienen aus mindestens drei Unterarten und einer Zuchtrasse auswählen. Nebst Honigertrag, Krankheitsresistenz und Stechlust ist da auch das Kriterium der Herkunft zu bedenken.

Natürlich gut angepasst

Nördlich der Alpen war ursprünglich nur die Dunkle Biene heimisch. Südlich der Alpen erstreckte sich in Richtung Balkan der Lebensraum der Carnica-Biene, im Tessin und in Italien lebte die Ligustica-Biene.

Eine dunkel gefärbte Bienenkönigin wird umringt von gelblich gefärbten Arbeiter-Bienen
Legende: Eine Dunkle Königin umringt von ihren Töchtern Diese Königin (blau markiert) wurde in Zürich begattet, und zwar offensichtlich nicht nur von Dunklen Bienenmännchen. Denn viele ihrer Töchter haben einen gelben Hintern, der auf einen Buckfast- oder Ligustica-Einschlag hinweist. SRF

Jede Unterart hatte sich an die Bedingungen ihrer jeweiligen Lebensräume angepasst. Während die Dunkle Biene mit dem wechselhaften atlantischen Wetter zurechtkommen musste, konnte sich die Ligustica auf ein milderes Klima verlassen.

Der Mensch will mehr Honig

Als man ab 1900 begann, das Paarungsverhalten der Honigbienen besser zu verstehen, nahmen gezielte Zuchtanstrengungen – um etwa Honigertrag oder Gesundheit zu verbessern – Fahrt auf. Doch einfach ist die Zucht nicht. Bienenköniginnen paaren sich in der Natur nur hoch in der Luft und die Bienenmännchen wandern auf der Suche nach Königinnen kilometerweit umher.

Ein Bergtal mit Wald und Bach
Legende: Das Krauchtal im Kanton Glarus Hier können sich die Dunklen Bienen fortpflanzen, ohne dass sie in Gefahr laufen, sich mit anderen Bienen zu vermischen. SRF

Zur Zucht muss man die Königinnen und die Männchen deshalb in Gebiete bringen, wo keine unerwünschten Bienen hinkommen. Etwa in abgelegene Bergtäler.

Schleichende Verdrängung

Imker in Nordeuropa importierten immer mehr Bienen; vor allem züchterisch verbesserte Carnica-Bienen und die in England entwickelte Zuchtrasse der Buckfast-Bienen.

Jenen Imkern, die nicht auf Zuchtbienen umstellten, entglitten die Dunklen Bienen zusehends. Ihre Völker verpaarten sich mit den gebietsfremden Bienen, verloren ihre typischen dunklen Hintern und ihre Anpassung an die lokal vorherrschenden Bedingungen.

Glarus prescht vor

Heute gibt es nur noch in wenige, versprengte Restpopulationen der Dunklen Bienen. Ein Rückzugsort für die Dunklen Bienen ist der Kanton Glarus: Er stellte 1977 die Dunkle Biene faktisch unter Schutz, als die Landsgemeinde beschloss, dass man im ganzen Glarnerland nur Dunkle Bienen halten darf. Bis heute bringen Imker und Imkerinnen, die die Dunkle Biene erhalten oder züchterisch verbessern wollen, ihre Bienenköniginnen zur Begattung in den Kanton Glarus.

Video
Die Imkerin Olivia Romanelli
Aus Biodiversität vom 23.09.2020.
abspielen

Gefahr der Inzucht

Doch gut geht es der Dunklen Biene nicht. Je weniger Dunkle Bienen es gibt, desto grösser wird die Inzuchtgefahr. Der Verein Mellifera.ch, der sich dem Erhalt und der Nutzung der Dunklen Biene verschrieben hat, fordert deshalb, die einheimischen Honigbienen unter Schutz zu stellen. Das Ziel: Die verbliebene genetische Vielfalt erhalten. Effektiv bedeutet das: Mehr Gebiete, die – wie der Kanton Glarus – den Import fremder Bienen verbieten.

Die Frage aller Fragen

Der Bund könnte die Errichtung von Schutzgebieten anstossen. Nur, wer ist verantwortlich? Betrachtet man Dunkle Bienen als Nutztier, weil sie wie Kühe vom Menschen gezüchtet werden, dann ist erstens das Bundesamt für Landwirtschaft für sie zuständig und die Biene zweitens ein Fall für Pro Specie Rara.

Betrachtet man sie als Wildtier – als letzte Überlebende einer einst auch wild lebenden Honigbiene – dann ist das Bundesamt für Umwelt zuständig. Doch darf man ein wildes Tier für Honigproduktion nutzen? Heftige Diskussionen sind vorprogrammiert. Je länger diese dauern, desto mehr könnte sich die Situation der Dunklen Biene verschlechtern.

Macht mit bei «Mission B»

Macht mit bei «Mission B»

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

4 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Wir haben Ihren Kommentar erhalten und werden ihn nach Prüfung freischalten.

Einen Kommentar schreiben

verfügbar sind noch 500 Zeichen

Mit dem Absenden dieses Kommentars stimme ich der Netiquette von srf.ch zu.

Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.

  • Kommentar von Joe Ackermann  (Friedensrichter)
    Die verschiedenen Kommentare hier zeigen nur, dass die Leute keine Ahnung haben von Entomologie. Eine normale Vermischung von Unterarten (alle Honigbienen sind aus der Gattung Apis melifera ist normal, dabei verweise ich auf Darwin und nicht auf Eugenik welche bereits vor 70 Jahren schon zu Problemen geführt hat. Da bereits ein grosser Teil der Bienenhalter in der Schweiz andere Unterarten hält ist eine Ausbreitung dieser stechwütigen Bienen glücklicherweise nicht mehr möglich.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen Antworten anwählen um auf den Kommentar zu antworten
  • Kommentar von Fabian Trüb  (elfabiator)
    Der Import von ortsfremden Bienenassen ist vergleichbar mit Gentech-Freisetzungsversuchen. Es wird Ortsfremdes Genmaterial eingebracht in einem System, in dem eine kontrollierte Verbreitung dieser Gene nicht möglich ist. Die Bienen paaren sich irgendwo in der Luft, ausserhalb unserer Kontrolle. Imker, welche ortsfremde Bienen importieren, zerstören mit dieser Aktion Erbgut aller Bienen im Umkreis, nicht das ihrer importierten Bienen! Ich verstehe nicht, was es hier zu diskutieren gibt.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen Antworten anwählen um auf den Kommentar zu antworten
  • Kommentar von Fritz Jordi  (A.m.m.)
    Mit der Weinbergschnecke gibt es ein einheimisches geschütztes Wildtier, welches gleichzeitig als Nutztier gehalten und gegessen werden darf. Durch das freie Ausfliegen der Honigbienen ist die Frage der Trennung von Wild- und Nutztieren jedoch zugegebenermassen viel komplizierter. Bei den Schnecken reicht ein (Elektro-)Zaun, um die Mastschnecken daran zu hindern, sich mit den wild lebenden Verwandten zu paaren.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen Antworten anwählen um auf den Kommentar zu antworten