Heine und Kagel: In der Matratzengruft

Mauricio Kagel konnte In der Matratzengruft nach Texten von Heinrich Heine nicht mehr zu Ende komponieren. Im letzten Satz mit dem Beginn Mich ruft der Tod bricht die Partitur ab.

«Die Idee zu diesem Werk», schreibt Kagel, «entstand unmittelbar nach der Lektüre des Nachworts zu dem Gedichtband Romanzero, der 1851 erschien. Bis zu seinem Tod fünf Jahre später blieb Heine in einer Dachkammer in seinem Sterbebett wie angebunden liegen. Und doch dichtete er weiter und schmiedete in dieser letzten Lebensperiode zahlreiche Verse, die vielleicht zu seinen grossartigsten gehören. In meinem Stück kristallisierten sich allmählich zwei thematische Stränge heraus. Der eine wurde durch die zunehmende Zerbrechlichkeit des todgeweihten Heines gebildet, der im Bewusstsein seines physischen Zustands der definitiven Regungslosigkeit – wie ein sich langsam leerender Luftballon – sein Leben beenden wird. Die nicht nachlassende Glut des Poeten, weiter zu dichten, bildet die zweite Ebene, ein Liebeswerben um den präzisen Ausdruck und die eindeutige Bedeutung sich reimender Worte. Beide Stränge treiben den chronisch Sterbenden ohne Widerruf weiter.»

Mauricio Kagel: In der Matratzengruft - Versuch einer Beschreibung nach Worten von Heinrich Heine, für Solotenor und Instrumentalensemble
Jean Barraqué: Concerto pour six formations instrumentales et deux instruments

Michael Pflumm, Tenor
Ernesto Molinari, Klarinette
Brian Archinal, Vibraphon
Collegium Novum Zürich

Konzert vom 29.01.18, Tonhalle Maag, Zürich

Das Konzert steht bis 30 Tage nach Sendetermin zum Nachhören zur Verfügung:
- Als einstündige, kommentierte Sendung.
- Als ganzes Konzert, ohne Kommentar.

Redaktion: Florian Hauser