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Portraitaufnahme der Chat-Experten
Legende: Prof. Gottfried Rudofsky, PD Dr. Philipp Gerber und Dr. Oliver Tschopp. SRF
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Diabetes «Bringen Verletzungen den Blutzucker aus dem Lot?»

Gottfried Rudofsky, Philipp Gerber und Oliver Tschopp haben Ihre Fragen im «Puls»-Chat beantwortet.

Fachpersonen im «Puls»-Chat

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Prof. Gottfried Rudofsky
Leitender Arzt
Diabetologie, Endokrinologie
Kantonsspital Olten, Link öffnet in einem neuen Fenster

PD Dr. Philipp Gerber
Oberarzt
Klinik für Endokrinologie, Diabetologie und Klinische Ernährung
Universitätsspital Zürich, Link öffnet in einem neuen Fenster

Dr. Oliver Tschopp
Assistenzart
Klinik für Endokrinologie, Diabetologie und Klinische Ernährung
Universitätsspital Zürich, Link öffnet in einem neuen Fenster

Chatprotokoll

Ich benütze das Abbott Freestyle Libre System, hatte aber mit meiner Krankenkasse einen grösseren Kampf, bis sie die Kosten übernahm. Frage: Ist dieses System von Swissmedic bereits anerkannt?

Gottfried Rudofsky: Momentan ist die Firma in Verhandlungen mit dem BAG. Ich hoffe für alle Betroffenen, dass sich bald eine sinnvolle für alle zufriedenstellende Lösung findet. Momentan ist die Erstattungsregelung etwas unfair.

Welchen HBA1C-Wert erachten Sie als "normal"? Meine Werte liegen bei 5,0 bis 5,4.

Gottfried Rudofsky: Das sind normale Werte. Pathologisch wird es ab 5,7 %. Dann sollten Sie zunächst Gewicht reduzieren und sich mehr bewegen. So weit also kein Grund zur Sorge.

Grüezi. Wie ist aktuell das Verhältnis zwischen Typ I und Typ II Diabetikern in der Schweiz und weltweit? Ich habe bisher Zahlen von 10/90 Prozent und 5/95 Prozent gehört. Gibt es da aktuelle und genaue Zahlen?

Gottfried Rudofsky: So genau weiss man das leider nicht, da es kein nationales Register gibt. Wir gehen aber auch von 10/90 Prozent zu "Gunsten" von Typ 2 aus, der also deutlich häufiger ist.

Ab wann und zu welchen Konditionen wird in der Schweiz für Typ-1-Diabetiker die kontinuierliche Blutzuckermessung (CGM) erhältlich sein? Welche Vorteile sehen sie darin & mit welchen Geräten (Insulinpumpen) wäre das kompatibel?

Philipp Gerber: Die kontinuierliche BZ-Messung ist für Patienten mit Typ 1 Diabetes nun schon seit einigen Jahren in der Schweiz erhältlich. Von der Kasse wird das System vergütet, wenn eine nicht genügende Blutzuckereinstellung besteht (HbA1c über 8%), oder schwere Hypoglykämien bzw. eine sehr schwankende Einstellung mit Notwendigkeit von Hospitalisationen vorliegen. Die Verschreibung muss durch den Diabetologen (Facharzt) erfolgen.

Guete Aabe! Das BAYER "Stechsystem" hat viele, viele bunte Nadeln ...im Schachtelangebot. Sind dies nur teure Einweg-Nadeln, oder sind diese sparsame und doch ein paar Mal zu gebrauchen? (natürlich nur von mir selber!) Merci und freundlicher Gruess

Philipp Gerber: Wir empfehlen grundsätzlich nur die einmalige Anwendung. Bei den Nadeln können kleine, nicht sichtbare Abnutzungserscheinungen auftreten schon nach einmaligem Gebrauch, die dann zu Problemen (Mikro-Verletzungen) bei den nächsten Injektionen führen können.

Ich messe den Blutzucker seit fast einem Jahr mit dem Abbott Freestyle Libre Sensor-System und bin im Grossen und Ganzen zufrieden. Ich stelle aber immer wieder markante Differenzen zwischen dem Sensor-Test und dem Bluttest fest. Der Sensorwert liegt durchwegs tiefer als der Blutwert. Allerdings hat sich Abbott bis jetzt sehr kulant gezeigt und bei grossen Messdifferenzen jeweils den Sensor kostenlos ersetzt. Warum ergeben sich diese Messdifferenzen und wie können sie allenfalls reduziert werden

Gottfried Rudofsky: Wichtig ist, dass Sie die Werte nicht nach den Mahlzeiten vergleichen. Mit der herkömmlichen Messung messen Sie den Blutzucker wirklich im Blut, mit dem Libre messen Sie dagegen die Werte im Gewebe, d.h. wenn Sie ein Sandwich essen wird in den kommenden Stunden erst der Zucker im Blut und dann erst im Gewebe ansteigen. Ferner gilt zu berücksichtigen, dass Sie immer eine gewisse Wertevarianz haben, wenn Sie den gleichen Zuckerwert direkt zweimal messen. Das trifft zu, auch wenn Sie das gleiche Messgerät verwenden, also mit dem gleichen Gerät aus dem gleichen Bluttropfen zweimal messen. Und dann gibt es natürlich auch Messfehler. Daher gilt bei unplausiblen Werten: besser noch einmal mit Fingerstupf kontrollieren.

Vor 12 Monaten lautete die Diagnose für meine Frau (Jg. 59) Diabetes. Seither hat sie von 90 kg auf 65 kg abgenommen, seit 3 Monaten stabil. Alle Blutwerte sind ok (Schilddrüsen), auch sonst alles i.O. Kann diese Gewichtsabnahme auf Diabetes zurückgeführt werden? Das ist für unsere Hausärztin und die Ernährungsberaterin nicht erklärbar.

Gottfried Rudofsky: Falls die Gewichtsabnahme ungewollt oder deutlich stärker war als beabsichtigt, dann sollte unbedingt an einen Typ-1-Diabetes gedacht werden. Dieser kann nicht nur im Kindes- und Jugendalter auftreten, sondern in jedem Lebensalter. Das fehlende Insulin würde dann den Gewichtsverlust erklären. Eine Vorstellung beim Spezialisten wäre dann sinnvoll.

ist es auch möglich den Langzeitwert zu erfassen, und wie relevant ist dieser?Danke

Philipp Gerber: Wenn die Frage die ist, ob man mit den Sensoren den Langzeitwert erfassen kann, dann kann folgendes gesagt werden: Direkt kann man den Wert nicht erfassen. Aufgrund der Sensordaten kann man ihn aber sehr gut und genau schätzen. Der Langzeitwert bzw. der durchschnittliche Blutzuckerwert ist sehr relevant für die Einschätzung der langfristigen Prognose bzw. des Risiko, einmal Spätkomplikationen zu erleiden.

Guten Abend. Punkto Zuckergehalt sind meine Blutwerte normal. Nach jedem Eessen habe ich ein starken Bedarf nach Süssikeiten. Meine Frau meint, ich riskiere dadurch zuckerkrank zu werden. Stimmt das? Mein Alter 82, Bodymassindex 26, mässig sport treibend. Danke für die Antwort.- FO

Gottfried Rudofsky: So lange Ihr Gewicht nicht zu stark ansteigt und Sie weiter aktiv bleiben, besteht da wenig Grund zur Sorge! Ein BMI von 26 ist völlig in Ordnung. Ich wünsche Ihnen viel Spass beim moderaten geniessen. :-)

Es gibt viele abweichende Angaben, welcher Blutzuckerwert "normal sei" : Zwischen 4 - 8 mmol/l bis 5 - 11 mmol/l. Wie soll ich als Typ II-Diabetiker mein Gerät einstellen, um einen Normal-Wert zu erhalten?

Gottfried Rudofsky: Das ist eine gute Frage! Ein bisschen hängt das davon ab, welchen Wert Sie als "normal" haben wollen. Nüchtern wäre das unter 5-7 mmol/L und nach dem Essen unter 11 mmol/L. Bei meinen Patienten stelle ich in den Geräten als Normbereich 5-10 mmol/l ein. Dies betrifft dann sowohl die Nüchternwerte als auch die Werte nach dem Essen. Ich hoffe, das hilft Ihnen weiter.

Wie erkenne ich ,dass ich an Diabetes leide.

Philipp Gerber: In nur wenigen Fällen macht sich der Diabetes effektiv durch Symptome bemerkbar (grosse Müdigkeit, Durst, häufiges Wasserlösen, Gewichtsverlust). Daher sind sogenannte Screening-Untersuchungen mittels Messung im Blut von grosser Wichtigkeit für die Diabetes-Diagnose. Die Diagnose kann durch den Arzt durch eine direkte Messung des Blutzuckers (am besten im nüchternen Zustand, d.h. früh morgens ohne vorherige Mahlzeit) oder durch Messung des sogenannten Langzeitwertes (HbA1c) gestellt werden.

Bei einer Gesichtsnerv-Lähmung stellte man in der Notfallstation des Spitals einen hohen Blutzuckerwert fest. Trotzdem ich alle 2 - 3 Monate beim Hausarzt in Kontrolle bin, wurde nie ein zu hoher Zuckerwert festgestellt. Zuerst musste ich Insulin spritzenjetzt nehme ich noch täglich am Morgen 1000 mg und am Abend 500 mg Metfin. Was ist eigentlich Norm?

Gottfried Rudofsky: Es kann gut sein, dass dies eine Stresshyperglykämie war. Interessant wäre der Langzeit-Zucker (HbA1c) zu Beginn der Behandlung. Ist dieser grösser als 6,5 % gelegen, hatten Sie einen Diabetes. Blutzucker-Werte unter 7.0 mmol/l am Morgen und Werte unter Tag unter 11.1 mmol/L OHNE Medikation schliessen einen Diabetes aus.

Guten Abend. Mein Vater (65) muss sich jeden Tag dreimal Insulin spritzen. Was passiert, wenn er dies (weil er alleinstehend ist) nicht regelmässig macht? Kommen Gleichgewichtsprobleme und Bewegungsmangel von der Diabetes? Er trinkt leider täglich und ziemlich viel Alkohol (Weisswein, Schnaps).

Philipp Gerber: Wenn die Diabetestherapie nicht regelmässig durchgeführt wird, drohen sowohl akute Folgen (starke Überzuckerung mit Akutsymptomen wie Müdigkeit, häufiges Wasserlösen, Gewichtsverlust) als auch Langzeitfolgen (Spätschäden an Nieren, Augen, Nerven und Gefässen). Eine regelmässige Therapie ist daher sehr wichtig. Gleichgewichtsprobleme kommen nicht zwingend vom Diabetes; allerdings können gewisse diabetesbedingte Gefühlsstörungen v.a. der Füsse durchaus Gleichgewichtsprobleme verstärken.

ich benütze auf Empfehlung von Dr. Lehmann den Freestyle Libre sensor. Leider bezahlt meine Krankenkasse (Concordia) diese Auslagen nicht. können Sie mir eine kasse empfehlen, die das übernimmt?

Gottfried Rudofsky: Wir hoffen, dass sich diese unerträgliche ungleiche Kostenerstattung im Laufe des Jahres endlich ein Ende hat und alle Patienten mit Diabetes gleich behandelt werden können. Es scheint, dass eine Entscheidung vom BAG im Sommer zu erwarten ist. Bitte haben Sie Verständnis, dass wir hier öffentlich keine Kassenempfehlung abgeben können. Ich bin mir aber sicher, dass Ihnen Ihr Diabetologe einen guten Tipp geben kann, falls es bis Herbst keine offizielle Lösung gibt. Die Wechselsaison steht ja erst noch an.

Ich bin 80 Jahre alt und habe Diabetes 2. Welcher Blutzuckerwert kann als normal betrachtet werden?

Philipp Gerber: Ein Blutzuckerwert von weniger als 5.6mmol/l ist normal - bei Patienten mit Diabetes ist es aber nicht das Ziel, Normwerte zu erreichen. Gute Werte unter Therapie sind etwa Nüchternwerte (vor den Mahlzeiten) zwischen 5 und 7 mmol/l.

Ich bin seit 3 Jahren Diabetiker. Ich nehme morgens und abends je 850mg Metformin und mein Langzeitwert liegt zwischen 5 und 6 Prozent. Den Hausarzt sehe ich zwei Mal pro Jahr: Zu Anfang des Jahres wird der Langzeitwert gemessen und im Sommer der Nüchtern-Blutzucker ( letztes Mal übrigens 5,8). Ist das bei meinen Werten Betreuung genug oder sollte ich den Hausarzt wechseln? Bin sehr verunsichert, wenn ich im Internet lese, dass man alle 3 Monate zur Kontrolle gehen sollte.

Gottfried Rudofsky: Ich glaube, dass Sie sich hier keine Sorgen machen müssen. Ihr Diabetes ist glänzend eingestellt und m.E.n. reicht die Kontrolle so aus. Wenn Sie es jetzt noch schaffen, das Gewicht jährlich um 2-3 kg zu senken, dann können Sie Ihren Diabetes sogar heilen! Also: auf gehts!

Guten Abend. Welcher Wert ist für die Diagnosestellung für Diabetes II wesentlicher, das C-Peptid oder der Homa-Index?

Gottfried Rudofsky: Für die Diagnosestellung eines Diabetes ist der HbA1c-Wert entscheidend (> 6.5%). Das C-Peptid und der HOMA-Index können helfen in fraglichen Fällen zwischen Typ 1 und Typ 2 zu unterscheiden.

Guten Abend. Welcher Wert ist für die Diagnosestellung für Diabetes II wesentlicher, das C-Peptid oder der Homa-Index?

Gottfried Rudofsky: Für die Diagnosestellung eines Diabetes ist der HbA1c-Wert entscheidend (> 6.5%). Das C-Peptid und der HOMA-Index können helfen in fraglichen Fällen zwischen Typ 1 und Typ 2 zu unterscheiden.

Guten Abend. Ich oft Heisshunger auf Süsses. Nach der Einnahme von reichlich Süssigkeiten habe ich nicht etwa ein "Zucker-Hoch", sondern werde extrem müde, und wenn ich z.B. auf dem Sofa liege kommt es dann oft vor dass ich für 20 bis 60 Minuten in einen recht tiefen Schlaf falle gegen den ich mich kaum wehren kann. Als Laie denke ich dass dies keine Diabetes-Typischen Symptome sind, aber es wird wohl einen Zusammenhang mit dem Zucker haben. Was könnte das sein? Danke für die Inputs.

Gottfried Rudofsky: Puh...darauf eine gute Antwort zu geben ist schwierig. Eventuell macht eine Ernährungsanalyse Sinn. Vielleicht nehmen Sie über den Tag zu wenig Energie zu sich.

Ab welchem Wert muss ich mich behandeln lassen. Ich messe bei mir zwischen 5.6 - 7.2 mmol Morgens nüchtern meist 6.2Besten Dank

Philipp Gerber: Diese Werte tönen nicht schlecht. - Zu Bestimmung der Therapieindikation sollte allerdings beim Arzt der Langzeitblutzucker (HbA1c) gemessen werden. Ob und wann eine Therapie begonnen werden muss, wird dann mit dem Arzt im Gespräch besprochen - es gelten hier nicht für alle Patienten dieselben Werte. Wichtig sind auch etwa Alter oder Zusatzerkrankungen, um zu bestimmen, wann eine (medikamentöse) Therapie begonnen werden sollte.

Ich merke meine Unterzuckerungen nicht, schaffe es aber nicht im Alltag, inmer wieder zu testen (oder denke nicht daran, wenn ich arbeite odr während längerer Fahrt mit dem Auto). Was soll ich dann für einen Sensor nehmen?

Gottfried Rudofsky: Erst einmal würde ich Ihnen ein Hypoglykämiewahrnehmungstraining empfehlen, denn Ihre Situation ist gefährlich! Als zweiten Schritt würde ich einen Sensor von DEXCOM oder Medtronic empfehlen, denn diese hornen bei zu tiefen Werten und warnen Sie rechtzeitig. Falls Sie eine Pumpe tragen, wäre das System von Medtronic eventuell zu bevorzugen, da hier die Pumpe vom Sensor abgeschaltet werden kann.

Ich verwende einen Accu-Chek Mobile. Da speichere ich die Messungen ab - entweder vor oder nach Mahlzeit. ABER, wieviele Stunden gelten als Vor und wieviele Stunden als NACH....z.B. wenn ich um 17.00 oder 18.00 Uhr Nachtessen nehme und dann irgendwann zwischen 00.00 bis 02.00 vor der Bettruhe nochmals messe. WAS ist das für ein Wert? ...Typ 2-Diabetes. Die Werte verändern ja den Durchschnittswert. DANKE

Oliver Tschopp: Guten Abend und Danke für Ihre Frage. Der Blutzucker kann bis zu 2-3 Stunden nach dem Essen noch erhöht sein. Beträgt der Abstand wie bei Ihnen 5-6 Stunden, kann dieser Wert als "vor" der Mahlzeit betrachtet werden

Mein Sohn (10 Monate) trinkt seit ca. 1 Monat täglich 1.5 Liter Wasser. Ich finde dies für sein alter etwas viel. Habe gelesen, dass als weiteres der "Aceton-Atem" eintreten würde. Müsste er diesen inzwischen bereits haben? Würden sie es beim Kinderarzt abklären? Ist Diabetes in diesem Alter überhaupt schon möglich?

Gottfried Rudofsky: Ein Diabetes Typ 1 ist auch in diesem jungen Alter schon möglich. Eine Messung des Blutzuckers würde hier helfen. Ein Aceton-Atem tritt erst später auf. Ich würde eine Blutzuckermessung beim Kinderarzt empfehlen.

Guten Abend. Kann ich ein späterer Diabetes entwickeln wenn ich lebenslang viel Süssigkeiten esse? Danke

Gottfried Rudofsky: Im Prinzip kommt es auf Ihr Gewicht und Ihre Gene an. Sollten Sie ein gutes Körpergewicht haben und es in der Familie keinen Diabetes geben, ist das Risiko einen Diabetes zu entwickeln gering.

Meine Tochter hat Diabetes I und spritzt Lantus und Apidra. Sie ist sehr gut eingestellt und achtet auf eine ausgewogene Ernährung und ist sehr sportlich. Trotzdem kämpft sie mit ihrem Gewicht. Kann Insulin zur Gewichtszunahme führen.

Philipp Gerber: Auch wenn Insulin ein "anaboles" Hormon ist, das dazu führt, dass Zucker als Fett angelagert wird, erfolgt nicht automatisch eine Gewichtszunahme. Durch bewusste Reduktion von Kohlenhydraten und vermehrte Bewegung kann auch bei Patienten mit Typ 1 Diabetes mellitus gut eine Gewichtsreduktion erreicht werden.

Ab welchem Alter und wie oft sollte mann seinen Blutzucker überprüfen lassen? Bis jetzt bin ich (noch) kein Diabetiker.

Gottfried Rudofsky: Das kann man so nicht sagen. Wenn Ihr Gewicht normal ist, es in der Familie keinen Diabetes gibt und Sie keine Diabetes-typischen Symptome aufweisen, dann braucht gar keine Diagnostik erfolgen. Sollten Sie Risikofaktoren aufweisen (Gewicht, Familie), dann wäre eine gelegentliche HbA1c-Messung sinnvoll.

Meine Mutter hat Diabetes. Da ich übergewichtig bin, messe ich regelmässig mit ihrem Gerät (aber einer persönlichen Stechhilfe) meinen Nüchternwert. Er liegt morgens nüchtern so zwischen 5.6 und 6.2 (Prädiabetes), abends jedoch so um 4.8. Mein HbA1c-Wert liegt bei 5.2 bis 5.4. Wie gross ist die Wahrscheinlichkeit, dass ich schon Diabetes habe?

Oliver Tschopp: Guten Abend und Danke für Ihre Frage. Ihr HbA1c (Langzeitwert) liegt in einem gutem Bereich. Die kapilläre Blutzuckermessung ist jedoch nicht immer ganz genau und sollte nicht zur Diagnosestellungstellung benutz werden. Besser ist eine Bestimmung im venösen Blut.

Grüezi, gibt es eine Möglichkeit sich als Testperson für neue Geräte anzumelden? Ich habe Diabetes Typ 1, 27 Jahre alt und noch ziemliche Schwankungen.

Philipp Gerber: Aktuelle Studien für ganz neuartige Geräte sind mir persönlich zur Zeit keine bekannt. Patienten mit Typ 1 Diabetes und schwankender Blutzuckereinstellung kann allerdings mit den aktuell verfügbaren Geräten meist sehr gut geholfen werden.

Guten Abend. Wenn jemand ein tiefer Kreatinspiegel hat, ist das ein Anzeichen auf Diabetes 1 und sollte abgeklärt werden?

Gottfried Rudofsky: Der Kreatininspiegel hängt mehr von der Muskelmasse ab und ist kein Marker für einen Diabetes.

Grüezi, meine Kollegin hat erzählt, dass ich die Blutzuckerwerte meiner Tochter in der Schule bei mir im Büro sehen kann. Wie funktioniert das?

Philipp Gerber: Bei Geräten, die das anbieten, funktioniert es meistens durch einen Upload der Werte in eine Cloud, was dann durch den Patienten für bestimmte Angehörige freigegeben werden kann. Der behandelnde Diabetologe kann hier die zur Verfügung stehenden Systeme zeigen.

guten abend mein hbac ist zw. 6 und 7 alle drei monate. ich spritze am morgen 26 einheiten lantus. und nehme eine januvia tablette ein. ein sog essens-insulin nehme spritze ich nicht. bin ich gut eingestellt? dank und gruss

Oliver Tschopp: Guten Abend und Danke für Ihre Frage. Ihr HbA1c liegt mit 6-7% in einem guten bis sehr guten Bereich . Falls Sie nicht an Unterzuckerungen leiden, erscheint die Einstellung als gut.

Gemäss meiner Ärztin erfülle ich als Diabetiker alle Vorgaben um in den Genuss von Krankenkassenleistungen für den Diabetes Sensor zu erhalten. Leider verweigert mir die CSS die Übernahme der Sensor-Kosten, weil angeblich die FreeStyle libre Sensoren nicht auf der MIGAL-Liste aufgeführt sei. Wie kann ich mich dagegen wehren? Andere Krankenkassen bezahlen diesen Sensor aber. Zudem sind die Kosten der Kontrolle tiefer als mit der herkömmlichen Stech-Methode!

Gottfried Rudofsky: Das ist leider wahr und eine unmögliche Situation. Nach den letzten Informationen erwarten wir eine Aussage vom BAG im laufe des Sommers. Ich hoffe, dass es dann für alle Patienten mit Diabetes unabhängig von der Versicherung eine einheitliche, faire Regelung gibt. So lange bliebe nur, dass Sie das System selbst bezahlen. Auch stürmen hilft bei der KK leider nicht.

Ich habe einen Langzeit-Zuckerwert von 6.8 - 7 und nehme morgens und abends 1 Tablette Janumet 50mg/500mg. Ab welchem Langzeit-Zuckerwert muss mit Insulin Spritzen begonnen werden? Danke

Philipp Gerber: Der Beginn mit Insulin bzw. generell die Therapiesteigerung wird individuell festgelegt, da der Langzeit-Zielwert nicht bei allen Patienten gleich ist sondern durch den Arzt aufgrund verschiedener Zusatzfaktoren (Alter, andere Erkrankungen etc.) festgelegt wird. Für die meisten Patienten ist ein Langzeitwert wie bei Ihnen vorliegend absolut genügend.

Das in Puls gezeigte günstige FreeStyle Libre Gerät wird teilweise von der Krankenkasse z.B CSS nicht bezahlt da es nicht auf der Liste von Swissmedic ist. Die viel teureren aber nicht so zuverlässigen Geräte werden aber übernommen.

Gottfried Rudofsky: Sie haben recht, auch wenn die Entscheidung der KK unlogisch klingt. Ich habe auch für meine Patienten mehrfach bei der CSS und Concordia gestürmt aber ohne Erfolg! Es wird Zeit, dass es endlich eine allgemeinverbindliche Lösung für unsere Patienten gibt.

Ich nehme 2 mal nach dem essen ein Tablette Janumet50/1000 mg und habe vor dem essen einen Blutwert von 6.5 bis 8 . Ist das normal oder kann ich die Dosis reduzieren Mit freundlichen Grüssen F.Halter

Philipp Gerber: Der Effekt der bestehenden Therapie (bzw. ob diese reduziert oder gesteigert werden sollte) wird vor allem durch den Langzeitwert (HbA1c) bestimmt. Dieser sollte sich im individuellen Zielbereich befinden, welcher durch den Arzt festgelegt wird.

Bitte sagen Sie mir wie hoch der Blutzucker sein soll. Ist ein Blutzucker mit 6.8 bereits eine Diabetes?. Vielen Dank.

Philipp Gerber: Wenn der Wert nüchtern gemessen worden ist (d.h. am frühen Morgen, ohne vorherige Mahlzeit) handelt es sich um einen erhöhten Wert (nicht normal, d.h. nicht <5.6mmol/l), der aber knapp noch nicht im Bereich des Diabetes liegt (das wären Werte über 7.0mmol/l).

Guten Abend. Meine 17 jährige Tochter ist schon 2 mal zusammengeflogen und war für kurze Zeit bewusstlos, es stellte sich dann heraus, dass sie eine Unterzuckerung hatte. Ist das gefährlich oder kommt das vom wenigen trinken, (sie trinkt nicht viel Wasser..) oder hat das auch mit Diabetes zu tun? Lg

Gottfried Rudofsky: Das hat vermutlich weniger mit einem Diabetes zu tun. Am wahrscheinlichsten handelt es sich vermutlich um eine vegetative Hypoglykämie (Unterzuckerung). Hiergegen wäre eine Ernährungsanalyse und -beratung sinnvoll. Differentialdiagnosen sollten aber endokrinologisch abgeklär werden.

Mein Vater hat einen HbA1c von rund 7. Der Arzt will ihm aber noch mehr Metformin empfehlen. Ist aber 7.0 nicht noch für einen "Alterszucker" in Ordnung unter der bisherigen Medikation?

Oliver Tschopp: Guten Abend und Danke für Ihre Frage. Das HbA1c wird heute für jeden Patienten individuell festgelegt. Das Alter, Diabetesdauer und Begleiterkrankungen beieinflussen die Zielvorgabe. Ein HbA1c von ca. 7% erscheint aber bereits als gut.

Ich steche mich jeden Morgen vor dem Frühstück und nehme am Abend beim Nachtessen und beim Morgenessen eine Tablette GALVUMET (50mg/850mg) von NOVARTIS. Meine durchschnittlicher Blutwert ist vor dem Frühstück 6.92 mmol/L. Würden Sie eine Tablette reduzieren beim Rudern oder Marschieren?

Oliver Tschopp: Guten Abend und Danke für Ihre Fragen. Körperliche Aktivität kann zu tieferen Blutzuckerwerten und Unterzuckerungen führen und sollten vermieden werden. Falls bei Ihnen während oder nach dem Rudern Unterzuckerungen auftreten, sollten Sie nach Rücksprache mit Ihrem behandelnden Arzt an Tagen mit vermehrter Aktivität die Therapie anpassen/reduzieren oder vermehrt Kohlehydrate einnehmen.

in der laufenden Sendung wird vom normalen Blutzucker gesprochen, jetzt was ist normaler blutz

Philipp Gerber: Ein normaler Blutzucker ist ein Wert <5.6mmol/l, gemessen am frühen Morgen nüchtern. Dies ist aber nicht der Zielwert eines Patienten mit Diabetes. Ein guter Nüchternzielwert für Patienten mit Diabetes liegt etwa bei 5-7mmol/l.

1. Ist bei Verwendung einer Insulin-Pumpe die Einnahme von zB: Metfin und Glimepirid weiterhin erforderlich. Wegen Nierenschädigungen wird in Oesterreich dringend von Metfin abgeraten. Gibt es "modernere" Präparate auf dem Markt ? Die Krankenkasse bezahlt die Bayer-Sensoren (Contur next) wenn ich diese in Deutschland in der Drogerie kaufe, die fast 50% billiger sind nicht, weil es der "Gesetzgeber" so verlangt. Ein Sensor ist ja kein Medikament. Meldet der Diabetologe schlechte Werte dem Strasse

Gottfried Rudofsky: Also Metfin macht nicht die Niere schlecht, sondern bei schlechter Niere wird es nicht adäquat ausgeschieden, daher ist es auch in der Schweiz ab einer gewissen Einschränkung der Nierenfunktion nicht angezeigt. Eine Insulinpumpe wäre zu diesem Zeitpunkt der Krankheit in der Regel nicht indiziert und in den letzten Jahren sind zahlreiche neue Medikamente auf den Markt gekommen, die eingesetzt werden können.

Was ist der "normale" Zuckerwert und ab wann sollte gspritzt werden? besten Dank Wur

Philipp Gerber: Ein normaler Blutzucker liegt <5.6mmol/l (nüchtern am Morgen). Zielwerte für Patienten mit Diabetes liegen aber höher, Werte zwischen 5 und 7mmol/l vor den Mahlzeiten sind sehr gute Werte. - Ob Injektionen (mit Insulin oder anderen Antidiabetika) erforderlich sind, legt der Arzt aufgrund verschiedener Faktoren fest, unter anderem hängt dies vom Langzeitwert ab, aber auch von Alter, Zusatzerkrankungen etc.

guten Abend, meine Frage: ich habe bei meiner Ärztin einen Blutzucker von 7.9. Muss ich schon insulin Spritzen oder Tabletten nehmen? Meine Aerztin mein nein. Bitte geben Sie mir eine Antwort. Besten Dank.

Oliver Tschopp: Guten Abend und Danke für Ihre Frage. Ob eine Therapie mit Tabletten (oder Insulin) notwendig ist, kann nicht auf Grund eines einzelnen Blutzuckerwertes entschieden werden. Wichtig ist auch das HbA1c, welches die Blutzuckereinstellung im Verlauf der letzten 2-3 Monate anzeigt. Ist das HbA1c im Zielbereich, können konservative Massnahmen unter Umständen genügend sein.

Seit 57 Jahren bin ich Typ 1 Diabetikerin und kene einige Messysteme. Nun messe ich mit dem Frestyle Libre. Für mich war.das ein immenses Geschenk!! Warum die KK nicht voll übenehmen will, ist so schade, und unverständlich. Mit mehrmaligem Betteln bekomme ich nun im Jahr max. 1000.- gutgeschrieben. Ich Hofe sehr,dass sich da noch etwas tut. Danke

Gottfried Rudofsky: Dem können wir nur uneingeschränkt zustimmen! Man würde den Entscheidungsträgern gerne einmal einen Diabetes wünschen, so dass Sie wissen, welch eine Erleichterung das für die Betroffenen darstellt. Ich drücke unseren Patienten die Daumen, dass sich endlich und bald eine für alle Patienten gültige Regelung finden lässt.

Ich (73/männl.) habe seit Jahren ein metabol. Syndrom (u.a. > durchschn. HbA 1C-Wert = 6.6). Wegen Muskel-/Gelenkschmerzen nehme ich seit kurzem Spiricort und deshalb (erstmals) auch Glucophage (500mg > morg./abends = je eine Tabl.). Was denken Sie, kann ich - sobald Spiricort wieder abgesetzt werden kann - auch Glucophage wieder absetzen? Gruss W.

Philipp Gerber: Wenn aktuell hohe Werte vor allem durch die Therapie mit Spiricort bedingt sind, bestehen gute Chancen, dass die Diabetes-Therapie nach der Spiricort-Therapie wieder reduziert oder sogar abgesetzt werden kann.

Ich möchte noch beifügen bin 60 Jahre alt, 177 gross und 74,5 Kg. schwer.

Gottfried Rudofsky: Da Sie schlank sind, wäre es angebracht auch an einen Insulinmangel/ein Insulinsekretionsproblem zu denken, v.a. wenn sich der HbA1c unter Tabletten nicht wirklich verbessert.

Bin Typ 2 Diab. Hatte einen schlimmen Sturz mit dem Velo, Kreuzbänder gerissen, Halzwirbel gestaucht, Schürfungen usw. Also viele Entzündungen am Körper. Seither habe ich Probleme den Blutzucker normal zu halten. Ich bringe den Zucker nur schwer nach unten. Kann das von den Verletzungen her kommen (Entzündungen)?

Philipp Gerber: Effektiv wird der Blutzucker durch akute Erkrankungszustände bzw. Entzündungen negativ beeinflusst. Allerdings sollte er sich im Rahmen der Genesung von der akuten Erkrankung wieder verbessern. Tut er das nicht, sind wohl noch andere Gründe verantwortlich für die Verschlechterung und ggf. muss die Therapie längerfristig angepasst werden.

guten abend, ich habe diabetes typ II. da ich beruflich oft unterwegs bin, habe ich vor einem jahr von insulin zu victoza gewechselt. morgens nehme ich ein metfin 850. leider schaffe ich es immer noch nicht, unter die erstrebenswerten werte - d.h. unter 7 zu kommen (laut hausarzt) letzter langzeitzucker 7,6 - dies trotz bewusstem essen und regelmässigem sport. ich bin 54 jahre alt und habe im letzten jahr 28kg abgenommen - was können sie mir raten?

Oliver Tschopp: Guten Abend und Danke für Ihre Frage. Victoza hat bezüglich Gewicht einen grossen Vorteil gegenüber einer Insulin-Therapie. Metfin ist allenfalls mit 1x850mg eher unterdosiert. Falls die Verträglichkeit von Metfin gut ist und keine Kontraindikation besteht, könnte dies nach Rücksprache mit Ihrem Hausarzt allenfalls noch gesteigert werden. Die Dosis von Victoza haben Sie leider nicht angegeben.

Warum gewichtet man die Ernährung so wenig bei Diabetes. Es wäre das Allerwichtrigste

Gottfried Rudofsky: Da können wir Ihnen uneingeschränkt zustimmen und berücksichtigen dies auch in unserer Therapie. Beim Diabetologen besteht immer die Möglichkeit auch eine professionelle Ernährungstherapie zu erhalten. Dies kann auch eine Steigerung der Medikamente unnötig machen. Danke für den wichtigen Kommentar.

Guten Abend. Ich war ein halbes Jahr von meinem FreeStyle Libre Sensor begeistert. Mein HbA1c konnte ich auf 5,6 % einstellen. Dann entwickelte ich ganz langsam eine Allergie, versuchte verschiedene Klebstoffunterlagen, was aber auch nicht funktionierte. Eines Tages hatte ich einen Ausschlag am ganzen Körper. Jetzt ist wieder alles gut, aber ich vermisse meinen Sensor. Haben Sie eine Idee, was ich noch machen kann, damit ich Ihn wieder tragen kann? Vielen Dank und beste Grüsse

Gottfried Rudofsky: Ich würde eine Allergie-Testung beim Dermatologen empfehlen. dann muss man analysieren, welchen Klebstoff Sie vertragen und so dann das richtige Pflaster wählen. Ich drücke Ihnen die Daumen!

Guten Abend. Vor 2 Jahren wurde ich notfallmässig mit einer Blutzuckerentgleisung ins Spital eingewiesen. Messwert 41.7 %. Ich verbrachte 2 Wochen im Spital, musste 4 x täglich messen und 3 x Xulthophy spritzen, Menge je nach Messwert. Nach dem Spitalaufenthalt musste ich zu hause die Behandlung unter Hausarzt Kontrolle weiterführen. Seit längerer Zeit spritze ich nicht mehr und mein Hb A1c Wert ist stabil bei 5.3%. Frage: Wie viel ist der Normalwert ? Bin ich Diabetiker ?

Philipp Gerber: Wenn seit Monaten der HbA1c Wert um 5.3% ist ohne Therapie, hat sich der Diabetes offensichtlich zurückgebildet (normales HbA1c <5.7%). Dies sollte durch Blutzuckermessungen bestätigt werden (selten kann der Langzeitwert auch nicht korrekt sein). Zudem sollte auch in Zukunft der Wert gelegentlich gemessen werden, um zu erfassen, falls er wieder ansteigen würde.

Ist bei Verwendung einer Insulin-Pumpe die Einnahme von zB: Metfin und Glimepirid weiterhin erforderlich.

Gottfried Rudofsky: Metfin würde ich weiter nehmen, da es den Insulinbedarf begrenzt. Glimepirid ist dann aber überflüssig und kann weggelassen werden.

Noch eine Zusatzfrage zu C-Peptid und Homa-Index. Wenn das C-Peptid nüchtern in der Norm war, aber der Homa-Index grenzwertig ist (2.4, Ref. kleiner als 1.0) was ist da zu tun? Glucose nüchtern war 5.1.

Gottfried Rudofsky: Für mich klingt das, als wären Sie gesund. Wichtiger wäre der HbA1c-Wert. Ist dieser < 6.5% liegt wohl kein Diabetes vor.

Vermute in der Nacht Hypos zu haben, die ich nicht merke. Da ich Abends oft einen absolut guten Blutzucker habe zwischen 5 und 7mml/L und morgens dann über 10 - trotzdem ich nichts mehr esse oder höchstens etwas Kleines Eiweisshaltiges. Gibt es ein Sensorgerät das mich vor Unterzuckerungen warnt?

Philipp Gerber: Ja, es gibt verschiedene Sensorgeräte, welche vor Unterzuckerungen warnen können. Im Rahmen einer diabetologischen Beratung können Ihnen solche vorgestellt werden. Initial kann ein solcher Sensor auch durchaus einmal punktuell, nur für ein paar wenige Tage, getragen werden, um die Frage zu klären, ob nächtliche Hypoglykämien vorliegen.

hier noch der anhang zu meinem erstan mail: die dosierung des victoza liegt bei 0,48 - leider vertrage ich das metfin schlecht... muss mich oft mit magenproblemen herumschlagen. die dosierung auf 2x850g metfin wurde aus diesem grund wieder abgesetzt. besten dank,

Gottfried Rudofsky: Sie könnten einen Wechsel auf Glucophage probieren, da dieses oftmals besser vertragen wird.

Ich leide seit rund 30 Jahren an Bluthochdruck und seit 4 Jahren an Diabetes. Ich nehme Janumed und Lantus am Abend /ca. 14-18). Werte ca. 7.5- ca. 9.0/3 Monatswerte.Ich habe "kribeln" in den Füssen, Arzt spricht von Polyneuropathie. Ich mache Akupuntur, sie gibt mir homopatische Mittel Thioctacid. Bisher aber keine wesentliche Besserung

Gottfried Rudofsky: Hierfür wäre eine orientierende neurologische Testung sinnvoll. Der Diabetes sollte gut eingestellt werden und manchmal hilft auch ein Vitamin B-Präparat (versuchsweise für 3-6 Monate), dann können sich die Symptome bessern.

Wieso wird dem Punkt Glykämischer Index extrem wenig Beachtung geschenkt. Das ist doch ein Wert, der unbedingt in die Diabetes Behandlung einfliessen muss. Schafft einen Glyklämie Code!!!

Philipp Gerber: Für eine gute Diabetesbehandlung sind verschiedene Faktoren wichtig - absolut einverstanden, dass dem Glykämischen Index, neben anderem, auch Beachtung geschenkt werden sollte.

wenn ja der Zucker stabil ist verstehe ich nicht warum ich die grossen Kategorien aufgrund der Diabetes nicht mehr bekommen soll. Da ich noch nie unterzuckert war und die Werte sehr konstant sind. Ich hatte Angestellte Chauffeure die mit Diabetes Ihrem Beruf nachkommen dürfen.

Gottfried Rudofsky: Diabetes ist per se kein Ausschlusskriterium für die Tätigkeit als Chauffeur, wichtiger wäre die Medikation. Mit einer Insulintherapie ist eine Personenbeförderung meist nicht mehr möglich.

ich benutze zur Zeit den FreeStyle Libre wo ich gut finde nur habe ich ein haut Problem vom Klebstoff nun habe ich gesehen das es die Variante gibt für unter die haut wo kann ich mich darüber informieren??

Philipp Gerber: Diese neuen Sensoren, welche unter die Haut gesetzt werden, stehen in der Schweiz vor der Einführung und werden in Zukunft sicherlich durch grössere diabetologische Zentren angeboten werden. An solchen, aber auch bei Diabetologen in der Praxis, können Sie sich in den nächsten Monaten über den Stand der Dinge informieren.

Warum ist Glibesivar in einigen Kantonen nicht zugelassen für Autofahrer. Ich bin gut eingestellt, habe noch sehr selten eine Unterzuckerung gehabt, nun verschreibt mir ein neuer Arzt eine andere Tablette, weil Glibesivar zu Unterzuckerung führe.

Gottfried Rudofsky: Das Medikament enthält Glibenclamid, einen eher älteren Sulfonylharnstoff, der vermehrt zu Unterzuckerungen führt. Sie können damit Autofahren, müssen dann aber regelhaft den Blutzucker VOR Fahrtantritt messen.

Muss der Langzeitzucker auch nüchtern gemessen werden beim Arzt?

Oliver Tschopp: Guten Abend und Danke für Ihre Frage. Der Langzeitzucker (HbA1c) ist ein Mass für die Einstellung während den letzten 2-3 Monaten. Das HbA1c muss also nicht im nüchternen Zustand gemessen werden.

Sind Lebensmittel mit einem tiefen Glyx-Wert bei Diabetes (nur mit Tabletten, 2 x Janumet 500 mg) problemlos oder müssen noch weitere Faktoren berücksichtigt werden? DANKE

Gottfried Rudofsky: Diese Lebensmittel sollten günstiger sein, da es nicht zu starken Blutzucker-Anstiegen kommt.

Je weniger Kohlenhydrate ich nehme, testo höher steigt der Zuckerspiegel: Warum?

Philipp Gerber: Für eine solche Beobachtung gibt es verschiedene Gründe. Beim Typ 2 Diabetes mellitus etwa wird der Blutzucker aufgrund der vorliegenden Insulinresistenz nicht nur durch die Zufuhr der Kohlenhydrate beeinflusst, sondern auch entscheidend durch die körpereigene Produktion von Zucker (in der Leber).

Als Typ1-Diabetiker mit einem instabilen Blutzucker interessiere ich mich für die kontinuierliche BZ-Messung. Freestyle Libre ist kompakt und ist bereits geeicht, warnt aber nicht vor Unter-/Überzuckerung; gibt es einen Vergleich zwischen Medtronic Enlite und Dexcom G5? V.a. Grössen-Dimension, Trag-Dauer, Handy-Anbindung und Zuverlässigkeit? Wem raten Sie welches CGM-System? Oder lohnt sich das Warten auf neue Systeme?

Gottfried Rudofsky: Eine Vergleichsstudie gibt es nicht. Ich würde mir beide Geräte von der Diabetesberatung vorstellen lassen und mich dann für das entscheiden, bei dem Sie sich wohler fühlen. Im Verlauf können Sie dann ja auf ein neueres System wechseln, wenn es dann mal auf dem Markt ist. Meist wartet man länger als man denkt bis die Systeme auf dem Markt sind und die Diabetesprobleme haben Sie ja bereits schon jetzt.

Kann der Blutzuckerspiegel mit ca. 1 Std. schnellem Gehen nach dem Frühstück für den ganzen Tag begünstigt werden oder unterstützen nur Aktivitäten jeweils nach einer Mahlzeit den Blutzuckerspiegel? (ich hatte vor ca. 4 Wochen bereits zum 2 mal grenzwertige Blutzuckerergebnisse und werde anfangs Juni nochmals meine Werte überprüfen lassen)

Philipp Gerber: Körperliche Aktivität kann den Blutzucker durchaus über eine längere Zeit positiv beeinflussen, beim Typ 2 Diabetes mellitus etwa durch eine Verbesserung der Insulinsensitivität des Körpers.

Ich bin 71 Jahre alt, 170 cm gross und 84 kg schwer. Meine Blutzuckerwerte nüchtern schwanken seit bald 2 Jahren zwischen 6 und 8 (im Durchschnitt 7). Das glykiertes Hämoglobin liegt zwischen 5,9 und 6,1. Beschwerden spüre ich keine. Darf ich weiterhin keine Medikamente einnehmen oder sollte ich besser einen Spezialist aufsuchen?

Philipp Gerber: Bei diesem HbA1c Wert von 5.9-6.1% kann in der Regel auf eine medikamentöse Therapie verzichtet werden.

Ich hätte eine etwas eher allgemeinere Frage: Wie beurteilen sie das ganze Gerede über den so genannten Prädiabetes? Im Internet hört und liest man viel über diese "gefährlichen" Werte, die dazu führen sollen, dass man mit "grosser" Wahrscheinlichkeit in einem kurzen Zeitraum einen handfesten Diabetes bekommen sollte.

Gottfried Rudofsky: Im Prinzip ist Diabetes eine Definitionsfrage. Ab gewissen Grenzwerten bezeichnet man dann die Stoffwechselentgleisung als Diabetes. Daher verwundert es nicht, dass der Prädiabetes schnell auch mal zu Diabetes werden kann, denn meist nimmt man im Lauf des Lebens zu und die Kapazität der Bauchspeicheldrüse nimmt im Lauf des Lebens ab. Der Prädiabetes ist definitiv eine Domäne des Lebensstils, also mehr Bewegung und eine moderate Gewichtsreduktion von 2-3 kg pro Jahr wäre sicher geeignet den Stoffwechsel zu normalisieren. Ich hoffe, das klärt Ihre Frage.

bei mir wurde erst kürzlich Typ2 festgestellt. Nun muss ich Jardiance 10mg Tabletten morgens nehmen. Essensumstellung nach Liste Arzt. Im Juli zur erneuten Kontrolle. Wieso muss ich momentan nicht regelmässig Messungen vornehmen? Nicht dass ich das unbedingt wollte....

Philipp Gerber: Bei vielen Formen bzw. Therapien des Typ 2 Diabetes mellitus muss der Blutzucker nicht regelmässig gemessen werden. Wichtig ist dann aber, dass der Langzeitwert bestimmt werden, was Ihr Arzt wohl im Juli machen wird.

Guten Abend. Zirka alle drei Monate, kontrolliere ich beim Arzt den Blutzucker.Die Werte sind 8.2 und der Langzeitzucker 6.2. Der Arzt meint eine Behandlung brauche es noch nicht. Was meinen Sie dazu. Danke

Gottfried Rudofsky: das sehe ich genau so. Der Langzeitzucker ist sehr gut. Mit einer Lebensstilmodifikation und eine Gewichtsreduktion von 2-3 kg pro Jahr schaffen Sie es den Diabetes lange ohne Medikamente im Griff zu behalten.

Guten Abend, ich leide seit 3 Jahren an Diabetes Typ1. Leider nehme ich ständig an Gewicht zu wenn ich normal esse. Ist das wegen dem Insulin? Normalerweise sind doch Diabetiker Typ 1 meistens schlank. Bringt Metabolic Balance etwas gegen Gewichtszunahme? Ist diese Diät sinnvoll bei Diabetes?

Philipp Gerber: Trotz der Insulintherapie ist es möglich, wieder an Gewicht zu verlieren. Hierzu empfiehlt sich eine Reduktion der Kalorien, inklusive Reduktion der Kohlenhydrate (mit gleichzeitiger Reduktion des Insulins zu den Mahlzeiten). Am besten lässt sich dies zusammen mit einer Ernährungsberatung, welche oft mit Typ 1 Diabetes Patienten arbeitet, bewerkstelligen.

Guten Abend, Nach der Blasenspiegelung meinte die Ärztin ob ich meinen Diabetes im Griff hätte. Ich war geschockt, dass dies nicht vor Operationen und bei normalen Kontrollen erkannt worden ist. Ich habe jetzt 10 kg abgenommen, von 65 auf 55 kg (168 cm) und habe jetzt einen Wert 6.4. bin ohne Metformin, Habe aber am linken Bein ständiges Kribbeln, was raten Sie mir, was sollte ich tun?

Gottfried Rudofsky: Guten Abend und Gratulation zu Ihrer Gewichtsabnahme. Ein Langzeitwert von 6.4% entspricht einer sehr guten Einstellung. Die Beinbeschwerden können ein Hinweis für eine Polyneuropathie sein. Eine Untersuchung/Fusskontrolle bei Ihrem Hausarzt kann Aufschluss geben, ob dies zutrifft oder ob eine andere Ursache gesucht werden muss.

Guten AbendEin Klient aus unsere Betreutenwohngruppe mit Diabetes Typ 2 ist mit Jardiance Met 5/850 eine Tbl. Morgen eine Tbl. Mittag und Am Abend 6 E tresiba Flex Touch gut eingestellt.Es besteht von Angehörigen der Wunsch, dass er an einem Ferienlager teilnehmen kann. Dazu müsste er anstelle der 6 Einheiten tresiba Flex Touch 100mg/E/U/ml am Abend ein orales Medikament mit möglichst gleicher Wirkung bekommen. Könnten sie mir ein geeignetes Medikament empfehlen? Besten Dank und Gruss

Philipp Gerber: Es stellt sich die Frage, weshalb diese offenbar gute und wirksame Therapie nur wegen des Ferienlagers umgestellt werden sollte. Wegen der Injektionen? Wenn immer möglich würde ich versuchen, das Ferienlager mit der bestehenden Therapie zu verwirklichen. Mit Jardiance Met besteht bereits eine gute orale Therapie, und es fragt sich, ob die Wirkung des Insulins (auch wenn nur wenig Einheiten) durch eine weitere Tablette gut ersetzt werden kann.

Anschlussfrage: habe ich entsprechend nicht die Gefahr einer Unterzuckerung? Wo kann ich mich am besten weiter darüber schlau machen? Gibt es ein verständliches Buch zum lesen?

Gottfried Rudofsky: Mit Metformin kann man ebenfalls nicht unterzuckern. Die Diabetesgesellschaften in jedem Kanton können eine gute Beratung durchführen. Auch gäbe es die Möglichkeit eine entsprechende Diabetesberatung wahrzunehmen.

Chat-Admin: Der Chat ist beendet. Vielen Dank für Ihr Interesse! Weitere Informationen finden Sie hier: http://www.srf.ch/sendungen/puls/diabetestherapie-im-umbruch

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