Bettnässen

Bei Kleinen noch hingenommen, wird Bettnässen mit zunehmendem Alter schnell zum Tabuthema. Meist erledigt sich das Problem im späteren Kindesalter von selbst - falls nicht, wissen die Experten Prof. Christoph Rudin und PD Dr. Giacomo Simonetti Rat.

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Bildlegende: Prof. Christoph Rudin und PD Dr. Giacomo Simonetti SRF

Ins Bett machen gehört zum Trockenwerden dazu. Doch was, wenn Sieben-, Zehn- oder 18-Jährige nachts immer noch einnässen? Eltern reagieren verunsichert, der Nachwuchs traut sich nicht mehr aufs Skilager und drückt sich vorm Übernachten bei Freunden - ganz zu schweigen von der ersten Freundin oder dem ersten Freund. In den meisten Fällen steckt nicht wie gemeinhin angenommen eine psychische Störung dahinter, sondern einfach eine Entwicklungsstörung, die sich oft von selbst verwächst. Bis es soweit ist, können Hilfsmittel wie Weckapparate das Kind schulen, seine volle Blase auch im Schlaf wahrzunehmen. Tabletten mit dem Hormon ADH drosseln die nächtliche Wasseransammlung in der Blase.

Doch ab wann sollten Eltern dem Bettnässen mehr Aufmerksamkeit schenken als einfach nur die Bettwäsche zu wechseln? Prof. Christoph Rudin und PD Dr. Giacomo Simonetti haben im Chat Fragen zum Thema beantwortet - fünf davon finden Sie hier.

  • C. R., Rüti: Wie gross ist die Chance, dass mein Kind ein Bettnässer wird, wenn ich selber dieses Problem hatte?
    PD Dr. Giacomo Simonetti: Statistisch gesehen liegt sie bei etwa 25 Prozent.
  • F. K., Gretzenbach: Mein Sohn, vier Jahre alt, möchte gerne ohne Windeln schlafen. Leider klappt dies nicht, da er einen sehr tiefen Schlaf hat und ihn nichts aufwecken kann (weder Licht, noch wickeln, etc.). Durch den Tag trinkt er sehr viel (ca. 2.5 Liter). Für medizinische Schritte ist es noch zu früh, oder? Was könnten wir heute schon pro-aktiv unternehmen, damit er für die Toilette abends wach wird?
    Prof. Christoph Rudin: In diesem Alter sind mindestens noch 20 Prozent der Kinder nicht trocken. In diesem Alter würde ich in diese Richtung noch nichts unternehmen.
  • B. M., Zollikon: Unser Sohn ist nächstens fünf Jahre alt. Er trägt in der Nacht Höschenwindeln, die am Morgen immer nass sind. Tagsüber sind die Unterhöschen auch oft feucht, manchmal macht er sogar eine grössere Menge Urin in die Hosen, dies vor allem, wenn er ins Spiel vertieft ist. Vor einem Jahr circa, also mit knapp vier Jahren, war er über längere Zeit absolut trocken tagsüber, so dass wir sogar angefangen haben, die Windeln in der Nacht wegzulassen. Seit ca. Mai hat er diesen «Rückfall».
    PD Dr. Giacomo Simonetti: In den meisten Fällen ist eine zu kleine hyperaktive Blase verantwortlich. Manchmal aber auch eine überdehnte zu grosse Blase mit Überlaufinkontinenz. Geben Sie immer viel zu trinken (nicht wenig!) und schicken Sie ihn regelmässig zum Wasserlösen. Er soll auch üben, sich immer genügend Zeit zu nehmen, um die Blase vollständig zu entleeren.
  • C. L., Triengen: Unser knapp neunjähriger Sohn uriniert noch jede Nacht ins Bett. Die Klingelhose haben wir ausprobiert, er schläft aber so tief, dass er vom Klingeln nicht erwacht. Er ist den Tag über trocken, spürt aber auch dann relativ spät, wenn er aufs WC muss. Wäre es gut, wenn wir das Ganze bei einem Urologen abklären liessen?
    Prof. Christoph Rudin: Es ist normal, dass Ihr Sohn primär nicht erwacht, wenn die Klingelhose losgeht. Da sind die Eltern gefragt - diese müssen das Kind ganz wach bekommen und dafür sorgen, dass das Kind dann auf die Toilette geht, und dort die Blase noch fertig leert, falls sie noch nicht leer ist. Der Weckapparat ist eine Form der Konditionierung - man muss also genau die Abfolge des nächtlichen Toilettengangs simulieren. Wenn er auch tagsüber Probleme mit dem Wasserlösen hat, dann müssen die zuerst behoben sein, bevor man die Nacht angeht. Sicher sollte man ein paar Untersuchungen machen, um sicher zu sein, dass kein zusätzliches Problem vorhanden ist - ein Nieren-Ultraschall und eine Messung der Kalzium-Ausscheidung in einer Urinportion würde ich Ihnen empfehlen. Ausserdem muss sicher auch eine Urininfektion ausgeschlossen sein. Wichtig sind auch eine ausreichende Trinkmenge (ca. 1.5 Liter pro Tag) und ein Toilettentraining mit zweistündlichem Toilettengang.
  • N. M., Luzern: Mein Mann nässt seit 37 Jahren ins Bett. Organisch sind keine Probleme vorhanden. Er möchte jedoch keine Windeln oder Einlagen tragen. Welche Möglichkeiten gibt es sonst noch? Sind Hormone eine Alternative?
    Prof. Christoph Rudin: Im Erwachsenenalter sind Hormone sicher eine Option, um in der Nacht trocken zu sein. Vielleicht könnten auch Physiotherapie und die Biofeedbackmethode in deren Rahmen hilfreich sein.
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Strategien gegen das Bettnässen

17 min, aus Puls vom 19.11.2012

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