Eine Schluckabklärung schafft Klarheit

Schluckstörungen sind für fast die Hälfte der Senioren ein Thema. Dr. Jörg Bohlender und Dr. Kristina Castiglioni haben im «Puls»-Chat aber auch zahlreiche Fragen jüngerer Personen beantwortet.

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Bildlegende: Dr. Jörg Bohlender und Dr. Kristina Castiglioni haben Ihre Fragen im «Puls»-Chat beantwortet SRF

Gesunde Menschen schlucken 2000 Mal pro Tag. Ein komplexer, störungsanfälliger Vorgang. Damit Schlucken möglich ist, müssen 50 Muskelgruppen und mehrere Hirn- und Rückenmarksnerven miteinander funktionieren.Werden die Muskeln im Alter schwächer oder löst das zentrale Nervensystem – aufgrund einer Erkrankung – den Schluckreflex nicht richtig aus, ist der Schluckvorgang gestört.

Vor Schluckstörungen sind aber auch jüngere Menschen nicht gefeit. Und häufig ist man sich der tatsächlichen Dimension nicht bewusst respektive nimmt gar nicht wahr, dass sich hinter lästigen Alltagsbeschwerden eine behandelbare Schluckstörung verbirgt. Dr. Jörg Bohlender und Dr. Kristina Castiglioni haben im «Puls»-Chat zahlreiche Fragen zum Thema beantwortet. Fünf davon finden Sie hier, alle weiteren im oben verlinkten PDF.

  • Frage von C. L., 5616 Meisterschwanden: Was ist der Unterschied zwischen Schluckbeschwerden und Kloss im Hals? Ich leide unter einem Kloss im Hals der vor allen tagsüber störend ist. Das Gefühl, einen Speiseresten im Hals zu haben. Was kann ich tun?
    Antwort von Dr. Jörg Bohlender: Ein Klossgefühl wird auch als Globusgefühl verstanden. Ein Globusgefühl ist eigentlich keine Schluckstörung, sondern eher ein Missempfinden im Hals, das v.a. beim «Leerschlucken» besteht. Wird etwas getrunken, verschwindet dieser subjektiv störende Eindruck. Das Gefühl von Speisereste sollte trotzdem näher angeschaut werden, um ganz sicher zu tun. Es empfielt sich eine Fibroendoskopische Untersuchung durchzuführen
  • Frage von M. M., Zollikofen: Ich verschlucke mich oft nach dem Einschlafen massiv, ist das bereits eine Schluckstörung?
    Antwort von Dr. Kristina Castiglioni: Das sind relativ atypische Zeichen einer Schluckstörung, da wir nachts im Schlaf deutlich weniger schlucken als am Tag. Wenn sie am Tag absolut beschwerdefrei sind, kann dies eher z.B. durch Magensäurebeschwerden ausgelöst werden.
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    Experten am Telefon

    Claudia Erne, Susanne Rellstab und Ursula Vith

    Am «Puls»-Expertentelefon gaben Auskunft: Die Logopädinnen Claudia Erne, Susanne Rellstab und Ursula Vith.

    Frage von M. L., St. Gallen: Vor einigen Jahren habe ich mich im Flugzeug an einem trockenen Rotwein verschluckt. Danach hatte ich grösste Panik davor, am Schlucken zu ersticken. Ich habe das nach und nach in den Griff bekommen, jedoch habe ich immer noch Schluckbeschwerden, wenn ich in Situationen esse, in denen ich angespannt bin oder mich nicht wohl fühle. Könnten Schluckbeschwerden auch psychischer Natur sein und falls ja, wie kann ich dies wieder loswerden? Seit Jahren kann ich keinen Bissen mehr (u.a.) im Flugzeug essen.
    Antwort von Dr. Jörg Bohlender: Ihre Frage ist berechtigt. Es gibt auch psychsiche Ursachen von Schluckstörungen. In einer logopädischen Therapie von wenigen Stunden kann meist sehr schnell geholfen werden.
  • Frage von M. F., Klosters Dorf: Seit vielen Jahren habe ich ab und zu in unregelmässigen Abständen beim Essen einen heftigen Schmerz im Hals / Speiseröhre und ich kann nicht weiter essen und kaum mehr sprechen (Erstickungsgefühl). Heute weiss ich, dass dieser Zustand irgendwann vorübergeht. Manchmal hilft es unter Nachhilfe zu Erbrechen, was aber keine sofortige Erleichterung bringt. Oft sehr schmerzhaft und sehr unangenehm, wenn weitere Personen am Tisch sind, besonders auswärts.
    Antwort von Dr. Kristina Castiglioni: Ich empfehle Ihnen eine Schluckabklärung. Wahrscheinlich braucht es sogar weiterführende Abklärung im Bereich der Gastroenterologie. Es könnte sein, dass sie in unregelmässigen Abstanden beispielsweise schmerzhafte Speiseröhrenkrämpfe oder eine eosinophile Speiseröhrenentzündung haben.
  • Frage von K. D., Bolligen: Meine Tochter erstickt beinahe ein- bis zweimal im Jahr, weil ein Bissen im Hals stecken bleibt. Kennt jemand dieses Problem und wie es therapiert werden kann? Es handelt sich dabei um Spaghetti, Khakifrucht, Kopfwehtablette... spielt also nicht so eine Rolle, was es ist. Sie spürt, wenn es ein Problem wird und muss schnell entscheiden ob sie den Bissen hinaufwürgen soll oder darauf warten, dass es dann plötzlich langsam, langsam weiter runter geht. Während dem Warten bekommt sie dann keine Luft!
    Antwort von Dr. Kristina Castiglioni: Generell empfehle ich Ihnen in dieser Situation dringend eine Abklärung bei einem Phoniater oder einem ORL-Arzt. Diese Situationen können teilweise bereits durch gewisse Verhaltensmassnahmen etwas entschärft werden.
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Schluckbeschwerden – Verbreitet und nicht ganz harmlos

15 min, aus Puls vom 9.9.2013

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