Kaiserschnitt oder Spontangeburt?

Jedes dritte Kind in der Schweiz kommt heute per Kaiserschnitt zur Welt. Oft aus medizinischen Gründen, häufig aber auch als bewusste Wahl der werdenden Mutter.

Hebamme Caroline Eith und Dr. Jutta Harder Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Caroline Eith und Dr. Jutta Harder SRF

Der Kaiserschnitt hat sich in der Schweiz als alltägliche Art der Entbindung etabliert: Ein Drittel aller Geburten erfolgt mittlerweile auf diese Weise, und längst nicht alle dieser Eingriffe sind medizinisch notwendig. Ein Trend, den Hebammen und Facharztgesellschaften kritisch beurteilen.

Was spricht gegen die planbare Geburt am Wunschtermin? Steht eine Entbindung via Kaiserschnitt einer späteren Spontangeburt im Wege? Gibt es Faktoren, die klar für die eine oder andere Art der Entbindung sprechen? Hebamme Caroline Eith und Gynäkologin Dr. Jutta Harder haben diese und andere Fragen im «Puls»-Chat behandelt. Fünf Antworten finden Sie hier.

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    Expertinnen am Telefon

    Dr. Barbara Bass, Claudia Heer, Dr. Christina Schlatter und Dr. Gabriella Stocker

    SRF

    Am «Puls»-Expertentelefon gaben Auskunft: Dr. Barbara Bass, Claudia Heer, Dr. Christina Schlatter und Dr. Gabriella Stocker

    Frage von H. P., St.Ursen: Ich habe Angst, schwanger zu werden, wegen der Schmerzen der Geburt. Was kann ich machen?
    Antwort von Caroline Eith: Angst vor der Geburt zu haben ist «normal». Es gibt viele Beratungsstellen, an die Sie sich wenden können. Sprechen Sie mit Ihrer Frauenärztin oder melden Sie sich bei einer Hebammenpraxis.
  • Frage von F. F., Sursee: Wie zuverlässig ist die MRI-Messung des Beckens, um festzustellen, ob das Becken für eine Spontangeburt zu eng ist? Meine erste Tochter war 3,6 kg schwer und es gab einen Geburtsstillstand nach Einleiten in der SSW 41/3. Das Becken wurde mit MRI als zu eng beurteilt. Hebamme und Frauenärztin sind sich nun aber nicht ganz einig.
    Antwort von Dr. Jutta Harder: Das MRI ist nur ein Anhaltspunkt. Manchmal kann auch bei eher engerem Becken eine Spontangeburt möglich sein, je nach jetzt geschätztem Kindsgewicht und nach Einstellung des Kindes im Becken. Sie haben keine Nachteile (ausser den Wehen), wenn Sie es spontan probieren. Falls es eben wieder nicht geht, kann man immer auf den Geburtsmodus «Kaiserschnitt» umschwenken.
  • Frage von S. R., Arlesheim: Wenn sich eine Frau für einen Kaiserschnitt entscheidet, obwohl keine medizinische Indikation gegeben ist, wird dieser Eingriff auch dann von der Grundversicherung (KK) übernommen?
    Antwort von Caroline Eith: Ja. Der Kaiserschnitt wird in jedem Fall von der Krankenkasse übernommen.
  • Frage von Y. A., Bern: Wie hoch ist das Risiko bei einer normalen Geburt (Riss der Narbe) 20 Monate nach einem Kaiserschnitt?
    Antwort von Dr. Jutta Harder: Trotz allem sehr gering! Maximal ein bis zwei Prozent; wichtig ist, dass Sie nach Wehenbeginn oder Blasensprung bald ins Spital gehen, um gut überwacht zu sein. 60 bis 80 Prozent der Patientinnen können nach Kaiserschnitt das zweite Mal normal gebären.
  • Frage von M. D., Rickenbach: Besteht auch nach nur einem ersten (sekundären) Kaiserschnitt die Gefahr eines Risses bei einem erneuten Versuch einer Spontangeburt? Ist bei einem zweiten Versuch einer Spontangeburt auch wieder mit Wehenkrämpfen (à 30 Minuten) zu rechnen, wenn man dies beim ersten Mal hatte?
    Antwort von Caroline Eith: Das ist die «Gefahr» bei einer Spontangeburt nach Kaiserschnitt. Die Herztöne Ihres Kindes und die Wehentätigkeit werden während der Geburt kontinuierlich überwacht, um genau diese Gefahr vorauszusehen. Eine Spontangeburt ohne Wehen geht nicht und brauchen wir alle (Mutter, Kind, Hebamme, Ärzteteam), damit Ihr Kind auf die Welt kommen kann. Unterdessen haben wir aber auch die Möglichkeit einer Teilnarkose oder anderer schmerzlindernder Mittel (komplementärmedizinisch und/oder schulmedizinisch). Dies auch nach einem Kaiserschnitt.

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