Nichts riechen nach einer Erkältung ist normal

Ist der Geruchssinn weg, muss er nicht dauerhaft verloren sein. Meist lässt sich die Ursache gut erkennen und behandeln – manchmal aber auch nicht. Friedrich Hergen und Dr. Michael Soyka haben im «Puls»-Chat Fragen rund um das Thema beantwortet.

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Bildlegende: Die HNO-Ärzte Friedrich Hergen und Dr. Michael Soyka haben Ihre Fragen im «Puls»-Chat beantwortet SRF

Drei bis fünf Prozent der Bevölkerung riechen nichts – keine Wohlgerüche, keinen Gestank. In 70 Prozent der Fälle ist dies auf eine heilbare Ursache zurückzuführen, für die restlichen 30 Prozent ist der Verlust dauerhaft und meist mit einem ebenso bleibenden Verlust des Geschmackssinns verbunden.

Wie finde ich heraus, ob eine Riechstörung vorübergehender oder bleibender Natur ist? Lässt sich der Geruchssinn auch ohne ärztliche Hilfe trainieren? Diese und viele weitere Fragen zum Thema haben die HNO-Ärzte Friedrich Hergen und Dr. Michael Soyka im «Puls»-Chat beantwortet.

  • Frage von R. W., Hochdorf: Ich habe seit drei Wochen eine Sinusitis. Aktuell ist die Schwellung in der Nase stark retour gegangen. Es schmerzt aber noch immer beim Klopfen. Der Geruchsinn ist stark eingeschränkt, beim Sprechen hört man eine näselnde Sprache. Wie lange dauert es bis man wieder riechen kann?
    Antwort von Dr. Michael Soyka: Bei seit drei Wochen bestehender Sinusitis, welche am abheilen ist, sind die behinderte Nasenatmung und der eingeschränkte Geruchsinn normal. In der Regel vergeht die Symptomatik, sobald die Entzündung der Nasenschleimhäute zurückgeht. Hierbei helfen Nasenspülungen und auch lokal angewendete Kortisonsprays. Die Dauer der Beschwerden kann nicht genau vorausgesagt werden, die Prognose selbst ist aber sicher günstig.
  • Frage von G. V., Wangen SZ: Für ein Riechtraining, kann ich da mit irgendwelchen Gerüchen arbeiten, oder muss ein Spezialist die «richtigen» Gerüche bestimmen?
    Antwort von Friedrich Hergen: Generell kann man auch sich selber Gerüche zusammenstellen, zum Beispiel Rose, Zitrus etc. Badeöle kann man nehmen. Das ist sicherlich besser als nichts. Die Ursachensuche bei einer Riechstörung ersetzt dies aber nicht.
  • Frage von M. W., Würenlos: Wir haben einen 17 Monaten alten Sohn. Er hatte im letzten Winter sieben Mittelohrentzündungen, und jetzt fängt er wieder mit Schnupfen an. Wir spülen ihm ein bis zwei Mal pro Tag die Nase mit einer Salzlösung. Könnten diese Spülungen für seine Geruchssinne schädlich sein?
    Antwort von Friedrich Hergen: Salzspülung sind bei richtigem Gebrauch nicht schädlich. Sie verbessern eher die Riechleistung.
  • Frage von E. H., Zürich: Seit ca. drei Jahren rieche und schmecke ich nichts mehr. Diesen Sommer liess ich mich vom Hals-Nasen-Ohren-Spezialisten im Unispital Zürich untersuchen. Man kann mir nicht helfen. Zum ersten Mal höre ich von dieser Riechtraining-Therapie. Gibt es die nur in Basel?
    Antwort von Dr. Michael Soyka: Das Riechtraining wird aktuell in Basel, Bern und Genf angeboten.
  • Frage von B. K., Solothurn: Ich hatte vor ca. 15 Jahren jeweils so einen komischen Geschmack in der Nase. Anfangs dachte ich, ich rieche ständig Brot. Abklärungen beim HNO hatten nichts ergeben. Mittlerweile rieche ich sehr schlecht, kann z.B. nicht sagen, was gekocht wird, erkenne Parfüms oder ähnliches auch nicht. Starke Gerüche von Kaffee z.B. rieche ich, wenn ich wirklich versuche zu riechen, aber im normalen Umfeld eigentlich nicht. Empfehlen Sie eine erneute Abklärung beim HNO und eventuell ein Riechtraining?
    Antwort von Dr. Michael Soyka: Ich denke, eine erneute Untersuchung nach so vielen Jahren ist sinnvoll. Gelegentlich sind am Anfang einer Erkrankung noch keine fassbaren Befunde erhebbar, welche jedoch im Verlauf der Zeit dann doch auffällig werden. Zum Beispiel können Nasenpolypen auch einmal an Grösse zunehmen. In manchen Fällen hilft auch eine Bildgebung mittels MRI/CT.
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Nicht mehr riechen – ein grosser Verlust an Lebensqualität

14 min, aus Puls vom 16.9.2013

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