Probleme mit der Bandscheibe

Wie wird mit einem Bandscheibenvorfall am besten umgegangen? Wann ist eine Operation wirklich nötig? PD Dr. Oliver Hausmann und Prof. Andreas Raabe haben Ihre Fragen im «Puls»-Chat beantwortet.

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Die Wirbelsäule ist ein Wunder der natürlichen Ingenieurskunst: Ihre Stabilität ermöglicht uns den aufrechten Gang und das Tragen beträchtlicher Lasten, sie dient uns aber auch als Stossdämpfer und macht mit ihrem flexiblen Aufbau ein hohes Mass an Beweglichkeit möglich. Der Preis für diese Vielseitigkeit ist ein gewisser Verschleiss, der ab dem 20. Lebensjahr eintritt und zu Knochenverdickungen, Bandlockerungen und der Degeneration von Bandscheiben führt. Fehlbelastungen oder falsche Körperhaltungen beim Heben beschleunigen den Verschleiss noch.

Bei den meisten Menschen ergeben sich im Laufe der Jahre Veränderungen an der Wirbelsäule und den Bandscheiben, die sich aber nicht weiter bemerkbar machen. Tun sie dies doch, kann die Beeinträchtigung im Alltag extrem sein.

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    Experten am Telefon

    PD Dr. Jürgen Beck, Dr. Ralph Binggeli, Dr. Heiko Richter

    Am «Puls»-Expertentelefon gaben Auskunft: PD Dr. Jürgen Beck, Dr. Ralph Binggeli, Dr. Heiko Richter

    Frage von H. C., Pfäffikon: Hat der Hexenschuss etwas mit einem Bandscheibenvorfall zu tun?
    Antwort von PD Dr. Oliver Hausmann: Ein Hexenschuss ist in der Regel eine muskuläre Überlastung. Sie kann durch einen Bandscheibenvorfall ausgelöst werden. Letzterer bewirkt aber auch Schmerzen, die ins Bein ausstrahlen.
  • Frage von S. O., St. Moritz: Warum werden bei Bandscheibenvorfällen in der HWS operativ die ganzen Bandscheiben entfernt und nicht nur das ausgetretene Material?
    Antwort von Prof. Andreas Raabe: Der Bandscheibenvorfall liegt an der Halswirbelsäule hinter der Bandscheibe und VOR dem Rückenmark. Man kann - im Gegensatz zur Lendenwirbelsäule - nicht von hinten operieren, weil das Rückenmark den Weg versperrt. Das wäre sehr gefährlich. An der Lendenwirbelsäule gibt es kein Rückenmark, das reicht nur bis L1, deshalb kann man von hinten operieren und nur den Vorfall entfernen.
  • Frage von S. P., Schlatt: Beim Bandscheibenvorfall tritt gallertartige Masse aus, die auf die Nerven drückt. Baut sich die Masse selbst wieder ab? Falls nein, wieso kann der Schmerz dann auch ohne OP verschwinden? Und, kann aus diesem nun beschädigten Bandscheiben-Kern später wieder Masse austreten?
    Antwort von PD Dr. Oliver Hausmann: Der Kern ist gallertig und stark wasserhaltig. Letzteres wird resorbiert, das Stück wird kleiner. Allerdings kann eine lokale Entzündung ausgelöst werden, welche dann auch wieder Schmerzen auslösen kann. Ein zweiter Vorfall ist durchaus möglich.
  • Frage von F. F., Luzern: Wann raten Sie zur Implantation einer künstlichen Bandscheibe?
    Antwort von Prof. Andreas Raabe: Nur in sehr speziellen Situationen, wenn die Wirbelsäule nur wenig abgenutzt ist. Die Prothesen sind nicht immer besser.
  • Frage von R. E., Uetendorf: Was passiert bei der Physiotherapie nach einem Bandscheibenvorfall im Rücken? Werden die ausgetretenen Teile wieder an ihren Ort befördert oder «aufgelöst»?
    Antwort von PD Dr. Oliver Hausmann: Die Physiotherapie kann wie keine andere Therapie das Fragment zurückbefördern. Das Bandscheibenstück kann sich allerdings langsam auflösen (Resorption des freien Wassers). Die Physio baut die tiefe Bauch- und Rückenmuskulatur auf.
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Bandscheibenvorfall - Zu viele Patienten landen im OP

18 min, aus Puls vom 21.1.2013

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