Wenn das Herz aus dem Takt gerät

Harmlose Stolperer oder bedenkliche Rhythmusstörung? Die Unterscheidung ist für Betroffene nicht einfach und bereitet häufig Sorgen.

Experten im Live-Chat: PD Dr. Michael Kühne und Prof. Stefan Osswald Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: PD Dr. Michael Kühne und Prof. Stefan Osswald SRF

Gerät das Herz aus dem Takt, wird in der Schweiz häufig ein Herzschrittmacher implantiert – jährlich fast 5000 Mal. Aktuell leben hierzulande rund 30'000 Menschen mit einem solchen Gerät, merken im Alltag nichts davon und können von einer ganz normalen Lebenserwartung ausgehen.

Bei Problemen mit dem Herzrhythmus sind auch medikamentöse Behandlungen möglich, und häufig ist auch ganz normal, was aussergewöhnlich erscheint: Vereinzelte Stolperer oder Aussetzer gehören zur normalen Herzfunktion. Wann wird es aber tatsächlich bedenklich? Was hat es mit den Fachbegriffen auf sich, die bei einem ärztlichen Untersuch genannt werden? Und kann man mit einem Herzschrittmacher überhaupt noch sterben? PD Dr. Michael Kühne und Prof. Stefan Osswald haben diese und andere Fragen im «Puls»-Chat behandelt. Fünf Antworten finden Sie hier.

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    Experten am Telefon

    Dr. Jean-Luc Crevoisier, Dr. Thomas Cron und Prof. Christian Sticherling

    SRF

    Am «Puls»-Expertentelefon gaben Auskunft: Dr. Jean-Luc Crevoisier, Dr. Thomas Cron und Prof. Christian Sticherling

    Frage von B. A., Seedorf: Ich war gerade eine Woche in Wanderferien auf Mallorca. Nach einer anstrengenden Wanderung fühlte ich mich dann in der Ruhephase gar nicht mehr wohl. Ich hatte einen niedrigen Puls (ca. 60, was bei mir normal ist), aber zwischendurch setzte ein Schlag aus und das war ein sehr unangenehmes Gefühl. Nun macht mir das nach Ihrer Sendung doch Sorgen...
    Antwort von Prof. Stefan Osswald: Nach einer Wanderung dürfte eher Dehydratation als eine Rh-Störung das Problem sein. Wenn sich diese Symptome nicht wiederholen und nicht bei anderen Gelegenheiten auftreten, dann sind keine weiteren Abklärungen notwendig.
  • Frage von S. H., Würenlingen: Mein Vater hat einen Herzschrittmacher. Ich frage mich inzwischen: Wie stirbt man eigentlich mit einem Schrittmacher noch?
    Antwort von PD Dr. Michael Kühne: Mit einem Herzschrittmacher kann man genauso sterben wie alle anderen Menschen. Wenn das Herz aufhört zu pumpen, passiert dies auch bei Patienten mit Herzschrittmachern.
  • Frage von A. S., Vinzel: Ich habe seit 2011 einen Herzschrittmacher. Ich habe gehört, dass neben MRI und Kontrollschleusen am Flughafen auch Induktionsherde einen Einfluss auf diesen Schrittmacher haben. Stimmt das?
    Antwort von Prof. Stefan Osswald: Theoretisch können Schrittmacher dadurch temporär beeinflusst werden, jedoch nicht in einer Art, die den Patienten gefährdet. Der SM stimuliert während der Zeit des Magnetfeld-Einflusses einfach mit einer fixen Herzfrequenz, stellt aber danach wieder in den normalen Modus um.
  • Frage von W. T., Oetwil: Können heute bereits die Batterien von Herzschrittmachern extern aufgeladen werden, damit nicht der komplette Herzschrittmacher ausgewechselt werden muss? (keine Implantation, Kostenersparnis!)
    Antwort von Prof. Stefan Osswald: Nein, das macht auch keinen Sinn, da die Technologie nach mehr als zehn Jahren Laufzeit jeweils veraltet ist.
  • Frage von S. S., Binz: Guten Abend. Ich bin 27 Jahre alt und habe immer wieder das Gefühl, dass ich einen unregelmässigen Herzschlag habe. Es kommt ab und zu vor, fühlt sich an wie mehrere Schläge ein bisschen versetzt. Ein bisschen wie ein Gefühl auf der Achterbahn. Müsste ich dies untersuchen lassen oder abwarten?
    Antwort von PD Dr. Michael Kühne: Ihre Symptome sind typisch für sogenannte Extrasystolen. Das ist eine ungefährliche Herzrhythmusstörung, die sehr häufig ist. Wenn Sie mal mehr und häufiger Extrasystolen haben, könnte man ein EKG machen und die Diagnose stellen.
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Herzschrittmacher

17 min, aus Puls vom 22.4.2013

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