«O du stille Zeit»

Das besinnliche Lied «O du stille Zeit» ist verknüpft mit einem dunklen Kapitel der europäischen Geschichte. Der Komponist Cesar Bresgen engagierte sich in der Hitler-Jugend und war gemäss eigenen Aussagen ein eifriger Nationalsozialist.

Zwei Kerzen vor einer Laterne in einem Wald.
Bildlegende: «O du stille Zeit». Colourbox

Cesar Bresgen kommt 1913 als Sohn eines Künstler-Ehepaars in Florenz auf die Welt. Seine Kindheit verbringt er in Zell am See, München, Prag und Salzburg. In jungen Jahren lernt er Kirchenorgel spielen. 1930 führt ihn sein Weg an die Musikhochschule München, wo er Orgel, Klavier, Dirigieren und Komponieren studiert.

Dann gerät Cesar Bresgen in die unseligen Fänge des Dritten Reichs. Als 21-Jähriger schliesst er sich der Hitler-Jugend an und steigt mit den Jahren zum Obergefolgschafts-Führer auf. Als Mitglied des Nationalsozialistischen Lehrerbunds gründet er ein Kammerorchester.

War Cesar Bresgens Hitler-Verehrung aufrichtig oder Mittel zum Zweck für seine Leidenschaft Musik? Eine Frage, die sich 70 Jahre später nur schwer beantworten lässt. Volksmusikredaktor Dani Häusler könnte sich auch vorstellen, dass ein Lied wie «O du stille Zeit» dem Komponisten eine Flucht in eine bessere, «innere» Welt ermöglichte.

In der Aufnahme von 1957 aus der «Sammlung Dür» singt die Mädchenschule Schaffhausen unter der Leitung von Gerhard Fischer das Lied «O du stille Zeit».

Moderation: Martin Wittwer, Redaktion: Dani Häusler