Goethe am Gotthard

Dreimal reiste Johann Wolfgang von Goethe während seiner Schweizer Reisen auf den Gotthard. Überquert in Richtung Süden hat er ihn aber nie. Jedes Mal machte er auf der Passhöhe kehrt. Seine gesammelten Eindrücke flossen in verschiedene seiner Werke ein.

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«Hier ward sogleich alle Fruchtbarkeit vermisst»

1:05 min, vom 14.7.2016

1775 macht sich der 25-jährige Goethe das erste Mal auf die Schweiz zu entdecken. Zusammen mit seinem Freund Passavant reist er auf den Gotthard. Die beiden jungen Herren scheinen sich wohl zu fühlen, sie springen «von Klippe zu Klippe» und von «Platte zu Platte». Bei Amsteg baden sie im «Schneewasser» der Reuss.

Skizze von Goethe: Scheideblick nach Italien Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: «Scheideblick nach Italien» Skizziert von Goethe im Juni 1775. Johann Wolfgang von Goethe

Seine Erlebnisse dokumentiert Goethe in seinem Tagebuch und dies nicht nur mit Worten. Auf vielen Seiten finden sich Skizzen und Zeichnungen. Der Dichter, der bereits seinen Erstlingsroman «Die Leiden des jungen Werther» publiziert hatte, träumte damals noch von einer Karriere als Maler.

Das wohl bekannteste Gemälde Goethes ist der «Scheideblick nach Italien», den Blick ins gelobte Land im Süden. Goethe reist zurück in den Norden, nach Hause zu seiner Verlobten Lili.

Vier Jahre später ist er Minister am Hof in Weimar und begleitet den erst 22-jährigen Herzog Carl August auf dessen Bildungsreise in die Alpen. Die Adligen übernachten bei den Kapuzinern auf dem Hospiz. Wieder machen sie auf dem Pass kehrt. Erst 1786 reist Goethe nach Italien, wählt hierfür aber die Route via den Brenner.

«  Kennst du den Berg und seinen Wolkensteg?
Das Maultier sucht im Nebel seinen Weg;
In Höhlen wohnt der Drachen alte Brut;
Es stürzt der Fels und über ihn die Flut.
Kennst du ihn wohl? Dahin!
Dahin geht unser Weg!
O Vater, lass uns ziehn! »

Johann Wolfgang von Goethe
(Wilhelm Meisters Lehrjahre)

Metallplakette mit Goethes Skizze vom «Scheideblick nach Italien» auf dem Gotthardpass Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Der Ort der Skizze heute: Goethes «Scheideblick nach Italien» auf dem Gotthardpass. SRF

1797 steht Goethe ein letztes Mal auf dem Gotthardpass. Er schreibt kein Tagebuch mehr, stattdessen aber Briefe an seinen engen Freund Friedrich von Schiller. Auf der Rückreise berichtet er diesem von der Volkssage des Tell, von der er am Vierwaldstättersee hört.

Ob Schiller nur dank Goethe von dieser Geschichte wusste? Tatsache ist, dass Schiller 1804 sein Drama «Wilhelm Tell» veröffentlicht.

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