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Stinkender Alltag Toiletten suchte man 1517 vergebens

Hygiene war im Mittelalter noch ein Fremdwort – speziell auf dem stillen Örtchen.

Legende: Video Stinkender Alltag im Mittelalter abspielen. Laufzeit 00:51 Minuten.
Aus Im Schatten der Burg – Leben vor 500 Jahren vom 22.07.2017.

Das «dunkle» Mittelalter mag in vielerlei Hinsicht weniger schlimm gewesen sein, als man es sich heute vorstellt. Für Menschen mit empfindlicher Nase war es aber definitiv eine düstere Zeit: Der Gestank in den Städten und Dörfern muss unbeschreiblich gewesen sein.

Die Römer hatten's besser

Toiletten im heutigen Sinn kannte man nicht – respektive nicht mehr. Zur Römerzeit erleichterte man sich noch in Privatklos oder öffentlichen Bedürfnisanstalten mit Wasserspülung. Im Mittelalter war von diesen hygienischen Errungenschaften nichts mehr übrig: Wer sich erleichtern musste, tat dies im nächsten Busch, hinter dem Haus oder in einen Nachttopf, der bei nächster Gelegenheit aus dem Fenster gekippt wurde.

An Burg- und Schlossmauern prangten Aborterker: Frischluft-Plumpsklos hoch über dem Burggraben, in dem die Fäkalien nach kurzem freiem Flug schliesslich verrotteten. Und beim Adel war es gar bis ins 18. Jahrhundert gang und gäbe, sich mitten im Zimmer zu erleichtern – auf dass der Haufen von den Bediensteten entfernt werde.

Aus Kot wird wieder Dünger

Während die menschlichen Exkremente im städtischen Raum vor allem lästiger Abfall waren, wussten die Bauern das Angenehme mit dem Nützlichen zu verbinden: Erleichterung verschaffte man sich auf dem Miststock oder im Stall, später auf einem Plumpsklo über dem Schweinestall. Aus Kot wird Dünger, der Kreis schliesst sich.

Weshalb bleibt der Familie Dietschi der Gang auf den Miststock oder in den Wald erspart? Weil der für das «Schweiz aktuell»-Sommerprojekt im Schatten der Burg erbaute Bauernhof in der seit 1942 bestehenden Juraschutzzone, Link öffnet in einem neuen Fenster liegt. Und mit deren Bestimmungen lassen sich Freilufttoiletten egal welcher Art nicht vereinbaren.

Hand deutet an den Aborterker eines alten Gemädes
Legende: Aus den Aborterkern flogen die Fäkalien direkt in den Burggraben. gemeinfrei

Schon 1596 mit Wasserspülung

Zeitgenössische Beschreibung von Haringtons Erfindung.
Legende: gemeinfrei

Das «Water Closet» wurde 1596 vom englischen Dichter John Harington im Auftrag von Königin Elisabeth I. entwickelt. Obwohl er ein funktionierendes Exemplar in seinem Landsitz einbauen liess, wurde das WC nicht ernst genommen und geriet in Vergessenheit – bis es 1775 als schottische Erfindung patentiert wurde.

4 Kommentare

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  • Kommentar von James Klausner (Harder11)
    Ich schaue Ihre Sendung "Im Schatten der Burg" nicht, aber 1517 sind wir eigentlich nicht mehr im Mittelalter...
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    1. Antwort von Ende des Mittelalters
      In der Sendung sprechen wir vom Ende des Mittelalters, denn der Anfang des 16. Jahrhunderts ist eine Zeit des Übergangs: zwischen Spätmittelalter und Früher Neuzeit. Einige Historiker, die das Ende des Mittelalters an einem Ereignis festmachen, wählen hierfür die Reformation (1517...), andere die Entdeckung der neuen Welt (1492...). ^ff/sp
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  • Kommentar von Bör Schi (Bör Schi)
    Alles, was mit den oben aufgeführten Dingen in Berührung kam, musste verbrannt oder gründlich ausgewaschen werden, sowohl Stoffe als auch Gefässe z.B. Tonkrüge. Die Liste liesse sich noch verlängern. Und das in einer Zeit, wo es weder Mikroskope och Desinfektionsmittel gab. Die Kirchen des Mittelalters haben das Lesen der Bibel verboten. Somit gingen diese wertvollen Hygienegesetze verloren.
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  • Kommentar von Bör Schi (Bör Schi)
    Wer die Bibel kennt, weiss, dass in den Büchern 3. - 5. Mose eine grosse Zahl von Hygienegesetzen aufgelistet sind: Leichen berühren verboten, Händewaschen, Fernhalten von Blut, Fäkalien, Erbrochenes usw., Quarantäne fernab der übrigen Bewohner, man nahm eine Schaufel mit, wenn man mal musste und vergrub die Hinterlassenschaft, ausserdem musste man sie mit einem Stöckchen kennzeichnen.
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