Advent in Rom 1950

Eine Busseperiode, gefolgt von jubelnder Freude, klassischer Weihnachtsmarkt und kunstvolle Krippendarstellungen: Das gehörte 1950 in Rom zur Adventszeit. Darüber berichtet hat Italien-Korrespondent Eric Mettler fürs «Echo der Zeit».

«Presepio» auf dem Piazza die Spagna in Rom. Eine Vielfalt verschiedenster Krippendarstellungen ist dieser Tage überall in Italien zu sehen.
Bildlegende: «Presepio» auf dem Piazza die Spagna in Rom. Eine Vielfalt verschiedenster Krippendarstellungen ist dieser Tage überall in Italien zu sehen. Wikimedia

Eric Mettlers Bericht beginnt mit der Busseperiode, die in der römischen Liturgie die Adventszeit einläutet. «In den unzähligen Kirchen der ewigen Stadt schweigen an den ersten Adventssonntagen die Orgeln. Es werden keine Hochzeiten abgehalten. Die Farbe der schmückenden Behänge ist violett. Die Prediger der verschiedenen Orden erinnern an die feierlich ernsten Worte der Propheten und Johannes des Täufers, welche die Geburt des Herrn voraussagten.»

Auf der Piazza Navona, für Eric Mettler der schönste Platz in Rom, begann Mitte Dezember der klassische Weihnachtsmarkt. Christbäume wurden dort nur nebenbei verkauft, denn: «Was eine echte römische Familie ist, versammelt sich am Heiligen Abend nicht um ein nordischen Tännchen, sondern um das Presepio, die Krippe. Krippenfiguren sind die Hauptartikel des Weihnachtsmarkts: Hirten, die Weisen aus dem Morgenland, Ochs und Eselein, Ställe, romantische Hintergründe, Sterne von Bethlehem, Engel. Wochenlang kreist die Fantasie der Kinder ums Presepio, möge es im eigenen Heim primitiv und bescheiden oder luxuriös geraten.»

Neapolitanisches Presepio aus dem 18. Jahrhundert

Eine besonders grossartige Krippendarstellung hat Eric Mettler 1950 in der Kirche der Heiligen Kosmas und Damanius entdeckt: «Unter einer altrömischen Kuppel sieht man, magisch beleuchtet, ein neapolitanisches Presepio aus dem 18. Jahrhundert. Hunderte von kunstvoll aus Terracotta gefertigten und aufs sorgfältigste in der Pracht der Zeit gekleidete Figuren wallen aus einer malerisch zerklüfteten Landschaft voller Burgen, Villen und Städtchen dem Stall von Bethlehem entgegen, in dessen Umgebung, in köstlicher Vielfalt, der Tross der Heiligen Drei Könige lagert. Auch Bauernhäuser, Wirtschaften, Kaufläden sind zu sehen, ein ganzer Querschnitt durch das Leben, wie es dem frommen Künstler vor der Werkstatt vorbei pulste.»