Aus dem Paradies vertrieben

Er habe «anwaltschaftlichen» Journalismus betrieben, erzählt Henrik Rhyn im «Sinerzyt». Er berichtete 1985 fürs Radio von der bevorstehenden Zwangsräumung illegal erstellter Häuser an der Sense. Seine offenkundige Sympathie für die Hausbesitzer brachte ihm den Vorwurf der Konzessions-Verletzung ein.

In seiner Reportage habe er in 13 Punkten die Radiokonzession des Bundes verletzt, lautete der Vorwurf. Doch Henrik Rhyn hat in jedem Punkt Recht behalten, die anklagenden Behörden blieben im Unrecht.

Die Vorgeschichte zur Räumung der Sensenau

Schon in den 1920er Jahren fingen Arbeiter damit an, sich sonntags an der Sense zum Picknick zu treffen. Irgendwann hat einer dort die Nacht verbracht. Ein anderer ist auf die Idee gekommen, ein Zelt aufzustellen, später folgte ein Wohnwagen. Dann wurden nach und nach kleine Bauten errichtet. Per Handschlag wurde mit dem Gemeindeschreiber das Recht vereinbart, an der Sense auf diese Weise hausen zu dürfen.

Vertreibung aus dem Paradies

Dann trat ein neues Raumplanungs-Gesetz in Kraft. Rund 50 Besitzer mussten auf den 1. Juli 1985 ihre illegal erbauten Häuser räumen. Einige kamen dem Befehl nicht nach, so dass die Feuerwehr Überstorf zur Zwangsräumung schritt.

Über die Sache ist mittlerweile Gras gewachsen und die damaligen Behörden-Funktionäre sind längst im Ruhestand. Für Henrik Rhyn bleibt es ein unschönes Kapitel. Man habe sich 1985 zwar klar ans Gesetz gehalten, dabei aber die Menschen unmenschlich behandelt, die aufgrund irgendwelcher Paragraphen ihr Paradies aufgeben mussten. Ein Paradies, das sie sich in jahrelanger Arbeit, unter viel Schweiss und mit viel Herzblut, Stein um Stein errichtet haben.

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Autor/in: schb, Moderation: Pia Kaeser, Redaktion: Henrik Rhyn