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#SRFglobal Syrien: Informationen aus einem Krieg der Desinformationen

Noch nie wurde ein Krieg so stark in sozialen Medien abgehandelt wie der Bürgerkrieg in Syrien. «Citizen Journalism» hat dabei ein Vakuum aufgefüllt, das durch die weitgehende Absenz unabhängiger Berichterstatter vor Ort entstanden ist. Da ist jede Info immer nur so gut wie ihr Absender.

Legende: Video Panzer gegen Citizen Journalist abspielen. Laufzeit 0:24 Minuten.
Aus SRFglobal vom 29.01.2016.

Umso wichtiger sind in dieser Lage Informanten, die man einordnen kann. «Identifiable humans», die erreichbar sind, im direkten persönlichen Gespäch, via Skype, Telefon oder wie auch immer. Auch wenn dies oft äusserst schwierig ist, schon aus technischen Gründen.

Wie etwa Abu Abdullah: es rauscht und knackst in der Leitung, teilweise können wir Abu Abdallah kaum verstehen. Doch es ist der einzige Weg, neueste Informationen direkt aus Aleppo zu erhalten. Abu Abdallah ist Kommandant einer gemässigt islamistischen Rebellen-Einheit in Aleppo. «Die Angriffe kommen täglich. An allen Fronten. Die Angreifer sind schiitische Milizen und Iraner, unterstützt von der russischen Luftwaffe. Bislang konnten sie uns Gott sei Dank nicht viel anhaben.»

Die Informationen aus parteiunabhängigen Quellen zeichnen ein etwas anderes Bild. Zumindest im Umland von Aleppo haben regierungstreue Gruppen deutliche Geländegewinne erzielt. Und eine gewichtige Rebellen-Gruppierung hat sich dieser Tage aus Aleppo zurückgezogen, um sich ausserhalb «neu zu positionieren», wie ihr Sprecher es nennt. Unter anderem «weil wir seit über einem halben Jahr keine einzige Patrone mehr erhalten haben.» Er hätte auch sagen können: weil es aussichtslos ist.

Militärische Situation um Aleppo
Legende: Umkämpftes Aleppo Syrische Armee und Pro-Assad-Milizen haben seit Oktober 2015 erhebliche Geländegewinne gemacht. SRF

Dabei ist gerade diese Gruppierung, die Nour al-Din al-Zenki-Bewegung, die einzige gewichtige Rebellen-Gruppe in Aleppo, die gemäss Institute for the Study of War, Link öffnet in einem neuen Fenster weder jihadistische Ideologie erkennen lässt noch mit dem syrischen al-Qaida-Ableger Jabhat al-Nusra zusammenarbeitet. Früher hatte die Nour al-Din al-Zenki-Bewegung noch Waffen von der amerikanischen CIA erhalten. Doch offenbar haben die Amerikaner diese Unterstützung eingestellt.

Wir werden uns nicht aus Aleppo vertreiben lassen.
Autor: Abu AbdallahRebellen-Kommandant in Aleppo

Die al-Nusra-Front selbst hat am Tag vor dem Abzug der Nour al-Din-Kämpfer in Aleppo eine eindrückliche Machtdemonstration abgehalten. Mit 200 Fahrzeugen paradierten ihre Kämpfer durch die Stadt. Waffen und Munition sind laut Abu Abdallah kein Problem. «Wir haben genug von allem», sagt er. Heisst: Der Nachschub für die Jihadisten, vorwiegend aus den Golfstaaten, funktioniert weiterhin zuverlässig, während der gewichtigsten Gruppierung ohne Verknüpfung zu den Jihadisten die Munition ausgeht.

Jetzt holen wir uns Aleppo zurück!
Autor: Assad-Lager

«Keine Frage, wir werden uns nicht aus Aleppo vertreiben lassen», sagt Abu Abdallah. Auf der Gegenseite tönt es völlig anders. Mit wem auch immer man auf der Assad-Seite spricht, die Aussage ist klar: «Jetzt holen wir uns Aleppo zurück.» Für die UNO-Syrien-Gespräche in Genf, die dieser Tage beginnen sollten, verheissen diese Alles-oder-Nichts-Positionen beider Seiten nichts Gutes. Auch Abu Abdallah erwartet nichts von möglichen Verhandlungen. «Genf bedeutet nichts für uns. Genf repräsentiert niemanden von uns. In Genf verhandeln nur Verräter.»

Tweet mit brennenden Tanklastwagen
Legende: Twitter-Krieg im Syrien-Krieg @SyrianperNews - ein Assad-loyaler Twitter-Account. Twitter

«Jane's Defense Weekly», ein britisches Militär-Fachjournal, bezifferte die Zahl der Gruppen, Milizen und Banden im syrischen Bürgerkrieg schon Ende 2013 auf mehr als 1000. Etwa ebenso viele «Wahrheiten» über diesen Krieg gibt es in den sozialen Medien.

4 Kommentare

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  • Kommentar von Cherubina Müller, 4055 Basel
    Betreffend der Nour al-Din al-Zenki-Bewegung vetraue ich nicht der Einschätzung des Institute for the Study of War ( Oppositionquelle ), sondern schaue mir ganz einfach die Allianzen dieser Bewegung an und weiss dann sofort wie diese einzuordnen ist; Quelle Wiki:" In December 2014, Nour al-Din al-Zenki joined the Levant Front, a broad coalition of Islamist rebel groups operating in Aleppo." Was die levantinische Front denn genau für Ziele und Mitglieder hat ist kein Geheimnis.
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  • Kommentar von Martin Ulrich, Zug
    Diplomat Puschkow bezeichnete Obama als Lügner und die Beweise für das Giftgas seien gefälscht. Schon mit gesundem Menschenverstand muss man am unplausiblen "Nutzen" von Giftgas gegen das eigene Volk zweifeln. Trotzdem wird Assad ostentativ von der Weltgemeinschaft ausgeschlossen, indem sich Hillary Clinton & Co weigern, mit ihm an einen Tisch zu sitzen. Die USA schaffen sich immer wieder Bösewichter. Sogar demokratisch den gewählten Mossadegh stürzten sie, Sukarno, ArbenzGuzman etc. etc.
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  • Kommentar von Bruno Vogt, Zürich
    In Syrien und der Ukraine ist es den grossen Nachrichtenagenturen nicht mehr gelungen das Feindbild Assad auf der einen und die Rebellen als die guten auf der anderen Seite zu positionieren. Dank Sozialen Medien, Bloggs und unabhängigen Quellen vor Ort, wird es für den Mainstream immer schwerer den so genannten 'narrative' zu kontrollieren. Das heisst welche Meldungen veröffentlicht werden und welche nicht und wie stark Meldungen gewichtet werden. Der Informationskrieg geht in die nächste Runde.
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