Es mag stimmen, dass vor der Saison andere Teams öfters als Favoriten auf den Gewinn des Stanley Cups genannt wurden. Aus heiterem Himmel kommt der Triumph von Carolina, der zweite in der Franchise-Geschichte nach 2006, aber gewiss nicht. Die Hurricanes klopften seit einigen Jahren an die Meister-Tür, auf ging sie jedoch lange nicht.
Wie als Spieler, so als Trainer
Als Rod Brind'Amour 2018 als Headcoach an der Bande das Kommando übernahm, gehörte Carolina noch nicht zu den Topteams der NHL. In seiner ersten Saison führte der Kanadier die «Canes» erstmals seit zehn Jahren in die Playoffs. Seither fand die «Post Season» immer mit Carolina statt, über den Halbfinal hinaus reichte es den Hurricanes aber bis in die aktuelle Saison nicht.
Im Stanley-Cup-Final benötigten Brind'Amour und seine Schützlinge dafür nur einen einzigen Anlauf, um zu reüssieren. Damit avancierte der 55-Jährige zur siebten Person, welche mit dem gleichen Team sowohl als Spieler als auch als Trainer die begehrteste Trophäe im Klub-Eishockey in die Höhe stemmen konnte. Vor 20 Jahren hatte Brind'Amour Carolina als Captain zum Premierentitel geführt.
Goalie-Wechsel zeigt Wirkung
Besonders ein Entscheid des Trainers auf dem Weg zum zweiten Stanley-Cup-Triumph der Franchise aus Raleigh erforderte viel Mut. In Spiel 3 der Final-Serie gegen die Golden Knights ersetzte Brind'Amour beim Stand von 0:4 für das letzte Drittel Stammgoalie Frederik Andersen durch Brandon Bussi. Zwar war das 1:2 in der Best-of-Seven-Serie auch mit dieser Massnahme nicht mehr abzuwenden. Der Wechsel auf der Goalie-Position sollte sich aber dennoch auszahlen.
Mit Bussi zwischen den Pfosten schaffte Carolina in Spiel 4 das Rebreak zum 2:2 und holte in der Folge auch den dritten und vierten Sieg mit dem «Rookie» im Tor. Dies, nachdem Bussi vor seiner Einwechslung im dritten Final-Spiel zwei Monate lang keine einzige Partie bestritten hatte.
Vom No-Name-Goalie zum Stanley-Cup-Champion
Ohnehin ist die Geschichte rund um Goalie Bussi verblüffend. Während vielen Jahren kam der US-Amerikaner in der Organisation der Boston Bruins nur in der zweitklassigen AHL zum Zug. Im vergangenen Sommer wurde Bussi vom damals amtierenden Stanley-Cup-Champion Florida Panthers verpflichtet – als dritter Goalie hinter Sergej Bobrowski und Daniil Tarasow.
Verletzungssorgen zu Beginn der Saison zwangen Carolina, sich auf dem Goalie-Markt umzusehen. Weil Florida Bussi in die AHL abschieben wollte, ergab sich für die Hurricanes die Möglichkeit, ihn zu verpflichten. Am 14. Oktober 2025 feierte Bussi im Alter von 27 Jahren sein NHL-Debüt. Dies sollte aber nur der erste Teil seines ganz persönlichen Hockey-Märchens sein. Das letzte Kapitel schrieb Bussi in der Nacht auf Montag, als er Carolina mit einem Shutout zum Stanley-Cup-Titel verhalf.