Guardiola und die «letzte Patrone»

Nach dem 0:1 bei Atletico Madrid droht Pep Guardiola mit Bayern München einmal mehr den CL-Titel zu verpassen. Der scheidende Startrainer macht aber klar: «Ich bin noch nicht tot!».

Video «Was Pep Guardiola und Manuel Neuer vor dem CL-Rückspiel sagen» abspielen

Was Guardiola und Neuer vor dem Rückspiel sagen

3:17 min, vom 3.5.2016
Zusatzinhalt überspringen

TV-Hinweis

Verfolgen Sie das Rückspiel zwischen Bayern München und Atletico Madrid am Dienstag ab 20:00 Uhr auf SRF zwei und hier im Ticker.

Nach 3 Jahren wird Guardiola Bayern München in Richtung Manchester City verlassen. Der Katalane hatte im Juli 2013 als grosser Hoffnungsträger und mit dem Ruf eines grossen Fussball-Genies den Rekordmeister übernommen un diesen mit seinem Perfektionismus in der Folge in vielen Bereichen umgekrämpelt.

Mit seiner Philosophie vom schönen Spiel und Ballbesitzfussball hatte er Erfolg: der 3. Meistertitel dürfte nächstes Wochenende Tatsache sein, im Pokal könnte er am 21. Mai mit einem Sieg gegen Dortmund zum 2. Mal triumphieren.

Triumphaler Abschied oder «Triple-Triple-Verlierer»?

Was Guardiola aber fehlt, um in München einen wirklich bleibenden Eindruck zu hinterlassen, ist der Titel in der Champions League. Zweimal scheiterte er mit seinem Team im Halbfinal, am Dienstag könnte gegen Atletico Madrid nach dem 0:1 im Hinspiel erneut in der Runde der letzten 4 Endstation sein.

Trotz aller nationalen Erfolge wird das Abschneiden in der «Königsklasse» darüber entscheiden, ob seine Mission an der Säbener Strasse erfüllt oder gescheitert ist. Bezeichnungen wie «Triple-Triple-Verlierer» machen in den deutschen Medien bereits die Runde. Erschwerend kommt für Guardiola hinzu, dass sein Vorgänger Jupp Heynckes eben genau dieses Kunststück geschafft hatte.

«  Ich bin noch nicht tot, my friends! Ich habe noch ein Bullet. »

Pep Guardiola

Pep Guardiola gibt Thomas Müller Anweisungen. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Sorgte für Gesprächsstoff Guardiola wechselt Müller in Madrid erst in der 70. Minute ein. Imago

Gelingt Guardiola gegen Atletico die Wende und schliesslich der Titelgewinn, werden die Fans den nicht eben zugänglichen Spanier mit schönen Erinnerungen ziehen lassen. Ansonsten bleibt ein fader Nachgeschmack einer Beziehung, in der es nie richtig gefunkt hat und die durch teilweise schwer nachvollziehbare taktische sowie personelle Massnahmen (Thomas Müller sass gegen Atletico 70 Minuten nur auf der Bank) weiter strapaziert wurde.

Obwohl Guardiola die kritischen Stimmen nicht kalt lassen, hat er stets betont, dass Titel für ihn nicht entscheidend sind. Vielmehr gehe es ihm um seine Spielidee. Dennoch sehnt natürlich auch er sich nach einem triumphalen Triple-Abgang. Dass er noch daran glaubt, machte er nach dem 0:1 in Madrid klar: «Ich bin noch nicht tot, my friends! Nach diesem Spiel - everybody killed me. Aber ich bin noch nicht tot. Nachher, okay, dann you can kill me. Aber ich habe noch ein Bullet.»