Die Enttäuschung stand Gian-Luca Privitelli ins Gesicht geschrieben, als er sich nach dem Schlusspfiff in Zagreb vor die Kamera stellte. «Ich finde keine Worte dafür», war das Erste, was der Trainer des FC Thun sagte, als er das Spiel resümieren sollte.
Gegen das favorisierte Dinamo Zagreb hielt Thun nicht nur mit – die Berner Oberländer lagen nach dem 1:1 im Hinspiel im Rückspiel mit 2:0 in Führung. Alles deutete auf das nächste Thuner Märchen hin. So lange, bis eine rote Karte rund 15 Minuten vor dem Ende der regulären Spielzeit gegen Captain Marco Bürki für die Wende sorgte.
Fairplay mit Füssen getreten?
Als «maximal unfair» betitelte Privitelli die Situation im Nachgang. Nachdem die Thuner den Ball wegen eines verletzten Mitspielers ins Out gespielt hatten, gaben die Kroaten ihn zuerst an Bürki zurück – aus Fairplay.
Bei uns daheim gibt er da wahrscheinlich nicht Rot.
«Sie geben uns den Ball, pressen dann aber sofort wieder. Das ist nicht die ‹Gentlemen's Art›», sagte Privitelli, der aber auch einräumte, dass man es auch nicht gut gespielt habe. Bürki hätte wohl die Gelegenheit gehabt, Torhüter Niklas Steffen anzuspielen oder den Ball wegzudreschen.
Privitelli fand, dass sich Schiedsrichter Radoslav Gidzhenov auch von der Atmosphäre in Zagreb habe beeinflussen lassen: «Aus dieser Situation dann Rot zu geben, wenn Justin noch so nahe ist, finde ich schon sehr mutig. Bei uns daheim gibt er da wahrscheinlich nicht Rot.»
Nach dem Platzverweis erwacht das Publikum
Der von Privitelli angesprochene Justin Roth nahm die Situation ähnlich wahr. Zwar betont er, dass alles sehr schnell ging, aber: «Sie kamen zuerst mit Fairplay, Marco hatte den Ball indes noch gar nicht, als sie schon wieder pressen.»
Wahrscheinlich sei Bürki dann der letzte Mann gewesen. Bis zu dieser roten Karte habe er das Gefühl gehabt, Thun hätte alles im Griff. «Sie hatten keine gefährlichen Chancen bis zu diesem Zeitpunkt.»
Mit der roten Karte erwachte das Publikum in Zagreb, es sorgte für Emotionen und ein Feuer, das sich auf die Spieler übertrug. Etwas, was die Thuner zuvor noch unterbinden konnten.
Dass irgendwann das Tor kommt, ja. Aber dass wir zwei Tore fressen, das ist schade.
«Dass wir den Ausgleich so schnell kassierten, ist schade», so Roth. Man müsse sich auch «an der eigenen Nase nehmen», man habe sich mit einem Mann weniger zu stark hinten reindrücken lassen.
«Dass irgendwann das Tor kommt, ja. Aber dass wir zwei Tore fressen, das ist schade.» Denn in der Zeit nach dem 2:2 habe man gesehen, dass Thun auch mit einem Mann weniger verteidigen könne.
Keine Sterne – dafür winkt Europa League
Trotz der Niederlage konnte Privitelli dem Spiel auch Positives abgewinnen. Das Team habe richtig gut gekämpft, der Staff eine super Arbeit geleistet. «Ich bin stolz darauf, wie alle füreinander gegangen sind und verteidigt haben.»
Und schliesslich winkt ja auch noch ein Trostpflaster, wie Roth bemerkte: «Erst hiess es nach den Sternen greifen, das geht jetzt leider nicht mehr. Aber nun kommt die Europa League.»