Nein, in San Diego ist das WM-Feuer noch nicht so richtig ausgebrochen. Die Weltmeisterschaft ist in der Stadt, in der die Nati ihr WM-Camp aufgeschlagen hat, nicht allgegenwärtig. Es sind kaum WM-Banner zu sehen, in den Sportbars läuft abends zwar auch Fussball – doch mehr interessiert die Amerikaner Baseball. Die San Diego Padres sind hier der Renner.
Das ändert sich erst, wenn Mexiko – die Grenze ist nur wenige Kilometer entfernt – und vor allem die USA spielen. Im grössten Public Viewing der Stadt an der Strandpromenade beim Belmont Park versammeln sich Hunderte Fans und fiebern bei Essen und Trinken mit den US-Boys mit.
Laut, laut, laut
Die Stimmung am Freitag ist schon bei der Nationalhymne ausgelassen, sie bleibt es wegen des 2:0-Sieges während mehr als 90 Minuten. (Sehr) laut bejubelt werden nicht nur die Tore, auch nach Tricks und gelungenen Tacklings geht die Menge mit. Die Fans sind nach der vorzeitigen Qualifikation für die K.o.-Phase schon früh im Turnier gehypt.
Doch auch in den Medien wird schon auffallend früh die Frage aufgeworfen: «Can the USA make it?» Gemeint ist damit, ob der Co-Gastgeber Weltmeister werden kann. Bezeichnend für die allgemeine Wetterlage im Land ist auch der TV-Sender Fox, der sämtliche WM-Spiele überträgt.
Lalas lobt – und muss gehen
Schon nach der 1. Halbzeit in der Partie gegen Paraguay hatte Alexi Lalas, 1994 noch Gegenspieler von Georges Bregy & Co., das Team über den grünen Klee gelobt und von der besten Halbzeit eines Teams in der Gruppenphase in der WM-Geschichte gesprochen. Der streitbare Experte, der in den USA nicht viele Sympathien geniesst, wurde mittlerweile – wohl wegen Meinungsverschiedenheiten mit seinen Kollegen Thierry Henry und Zlatan Ibrahimovic – aus dem WM-Studio verbannt.
Doch selbst der Schwede hält es schon früh im Turnier mit den USA. Auf die Frage der Moderatorin, ob die US-Boys die WM gewinnen könnten, antwortete er am Freitag mit einem Wort: «Ja!»
Perfekt gestartet
Gegensteuer gab nach dem Erfolg gegen Australien Coach Mauricio Pochettino. Der Argentinier liess sich nicht aus der Reserve locken und blieb cool: «Wir müssen daran glauben, dass wir gewinnen können. Aber gleichzeitig müssen wir jeden Tag hart arbeiten. Es ist immer einfacher, wenn man gewinnt. Für mich hat sich nach den beiden Siegen nichts geändert», waren noch die knackigsten Aussagen Pochettinos.
Trotzdem bleibt festzuhalten: Die USA sind wie Mexiko (jeweils vorzeitig Gruppensieger) und Kanada (vor dem Duell mit der Schweiz auf Rang 1) ideal in die Heim-WM gestartet. Nach dem bedeutungslosen Spiel gegen die Türkei wartet im Sechzehntelfinal ein Gruppendritter und danach womöglich Belgien oder Ägypten. Zumindest in den Augen der US-Fans keine unüberwindbaren Gegner.