Die Titelträume von Marokko, das Märchen von Kap Verde und noch viele weitere Ausrufezeichen: Die Teams aus dem afrikanischen Kontinentalverband trumpfen bei der WM auf, neun der zehn Vertreter haben es in die K.-o.-Phase geschafft. Diese Quote erreichte Afrika noch nie – und beim Turnier in den USA, Kanada und Mexiko auch kein anderer Kontinent.
| Kontinentalverband | WM-Teilnehmer | Teams in K.o.-Phase |
|---|---|---|
| Asien (AFC) | 9 | 2 |
| Afrika (CAF) | 10 | 9 |
| Nord-/Mittelamerika & Karibik (CONCACAF) | 6 | 3 |
| Südamerika (CONMEBOL) | 6 | 5 |
| Ozeanien (OFC) | 1 | |
| Europa (UEFA) | 16 | 13 |
Die Gründe sind vielfältig, reichen von taktischer Weiterentwicklung bis zu mentalen Aspekten wie den Glauben an die eigene Stärke. «Ist dies das Turnier der afrikanischen Teams? Wir werden es herausfinden», sagte Stürmer-Ikone Zlatan Ibrahimovic nach dem völlig überraschenden Weiterkommen von Kap Verde.
Marokko als grösster Trumpf
Während für den französischen Welt- und Europameister Thierry Henry Kap Verde bisher «die Geschichte der WM» ist, sind die Träume in Marokko noch ein wenig grösser. Der Afrikameister traut sich den Titel zu, nachdem 2022 schon der Halbfinal erreicht wurde. «Wir haben alle Zutaten, um die beste Nation zu sein. Ich glaube daran, die Spieler glauben daran», sagte Trainer Mohamed Ouahbi. Marokko sei durch den Erfolg in Katar vor vier Jahren in einer anderen Dimension.
Heisst: Man glaubt an sich, was der entscheidende Punkt ist. «Ich denke, es ist eine Frage des Glaubens. Zuvor haben afrikanische Teams nicht so recht an sich geglaubt, wenn sie zu einer WM gefahren sind. Schliesslich haben sie gegen die grossen europäischen und südamerikanischen Länder gespielt», sagte Südafrikas Trainer Hugo Broos. «Das hat sich ein wenig gewandelt. Der Glaube wächst. Es ist zu früh zu denken, dass wir morgen einen afrikanischen Weltmeister haben werden. Aber es kann passieren.»
Erfreuliche Entwicklung
Für Ghanas Stürmer Brandon Thomas-Asante ist diese WM auch eine gewisse Genugtuung: «Lange Zeit wurde angezweifelt, ob afrikanische Mannschaften etwas Grosses erreichen können bei grossen Turnieren.» Aber ist ein Weltmeister aus Afrika ein realistisches Szenario? «Für mich ist es nur eine Frage der Zeit», sagte Kongos Trainer Sébastien Desabre.
Der Franzose arbeitet mit Unterbrechungen seit 15 Jahren in Afrika und kann die Entwicklungen der vergangenen Jahre auch aus europäischer Perspektive einschätzen. «Die Strukturen werden besser, die Trainer werden besser, die Spieler werden besser.»
Nächste Generation klopft an
Die Stars des Kontinents sind längst weltweit populär. Ägyptens Mohamed Salah, Sadio Mané aus dem Senegal oder der Marokkaner Achraf Hakimi. Und die nächste Generation mit Yan Diomande (Elfenbeinküste), Ismael Saibari oder Ayyoub Bouaddi (beide Marokko) ist schon bei dieser WM dabei und sammelt Erfahrungen.
Neben Marokko und Kap Verde stehen aus dem grossen Kontinentalverband CAF Ägypten, Algerien, Ghana, die Elfenbeinküste, Senegal, Ägypten und Südafrika in den Sechzehntelfinals. Einzig Tunesien scheiterte.