«Ich hätte nicht gedacht, dass ich mit 40 noch spielen würde», sagte Edin Dzeko in einem Sky-Interview über seine «never ending story» auf dem Fussball-Rasen. Sein Erfolgsrezept klingt einfach: «Ich höre auf meinen Körper und trainiere intensiv vor und nach dem Training. Denn ich bin ja nicht mehr der Jüngste und muss auf meine Beine und meinen Körper achten. Genau das tue ich.»
Der Lohn: Im stolzen Fussballer-Alter erlebt Dzeko noch einmal ein besonderes Highlight. Und natürlich wünscht sich der Routinier bei der zweiten WM-Teilnahme mit Bosnien-Herzegowina nach 2014 dieses Mal ein Happy End. Die WM-Premiere vor zwölf Jahren in Brasilien endete nach schon in der Vorrunde.
«Ein Weiterkommen ist möglich. Aber dafür müssen wir auf dem Platz alles geben. Und wir müssen auf dem Boden bleiben und von Spiel zu Spiel schauen», mahnte Dzeko. Los geht's am Freitag (21:00 Uhr, live SRF zwei) in Toronto gegen Kanada. Ob Dzeko dann in der Startelf steht, wird sich wohl erst kurzfristig entscheiden. Eine im März erlittene Schulterverletzung bremste ihn in der Vorbereitung arg aus. Die letzten WM-Tests gegen Nordmazedonien (0:0) und Panama (1:1) verpasste er.
Mitspracherecht bei Aufstellung
Der bosnische Captain, der in bisher 148 Länderspielen 73 Tore erzielt hat, ist für sein Team aber nicht nur auf dem Feld wertvoll, sondern auch abseits davon. «Wenn er da ist, egal in welcher Verfassung, ist das Gold wert. Manchmal kann er mit ein paar Worten sehr viel bewegen. Die Jungs hören ihm zu. Das ist wichtig». So beschrieb Nationaltrainer Sergej Barbarez unlängst die Führungsrolle von Dzeko.
Der Star, der in seiner langen Laufbahn unter anderem für Manchester City, AS Rom und Inter Mailand stürmte, hat daher auch ein Mitspracherecht, wenn es um die Aufstellung geht. «Es hängt davon ab, wie er sich fühlt und wie unsere Gespräche laufen. Ich bin da sehr offen, weil er so wichtig ist. Ich gebe ihm Freiraum, selbst mitzuentscheiden, was er will und wie lange es geht», erklärte Barbarez.
Wechsel zu Schalke als Glücksfall
Dass Dzeko in diesem Sommer noch einmal die Hoffnungen einer ganzen Fussball-Nation trägt, hatte sich im Winter nicht abgezeichnet. Bei der Fiorentina spielte er nach elf torlosen Auftritten nur noch eine Nebenrolle, seine Karriere schien auszulaufen. Doch dann kam der Wechsel zu Schalke 04.
In Gelsenkirchen blühte der Torjäger, der von den Fans wie ein Messias gefeiert wurde, noch einmal richtig auf. «Ich hätte keine bessere Entscheidung treffen können, ganz ehrlich», sagte Dzeko im Rückblick. «Alles, was passierte, war besser als erwartet.» Sein Verbleib bei den «Königsblauen» nach dem Bundesliga-Aufstieg, zu dem er sechs Tore beitrug, ist allerdings noch offen.
Vorerst will der Oldie mit seinen Teamkollegen auch beim Turnier in Übersee für Furore sorgen. «Ich bin nicht mehr der Jüngste, aber ich kann noch ein bisschen was beitragen», sagte Dzeko und versprach: «Wir sind hier, um gute Ergebnisse zu erzielen und nicht, um Party oder Urlaub zu machen.»