Nach dem 1:1 im abschliessenden Testspiel vor der WM gegen Australien sorgten weniger das Resultat als die Äusserungen von Captain Granit Xhaka für Schlagzeilen. Es habe in der letzten Woche Sachen gegeben, die nicht gut gewesen seien, meinte der Captain im SRF-Interview kryptisch, ohne ins Detail zu gehen.
«Mit dieser Leistung wird es definitiv schwer. Wir dürfen uns nicht zu sicher fühlen, es gibt keine schlechten Teams an der WM. Das war sicher ein Weckruf, wir müssen aufwachen. Wir müssen die Zügel anziehen, sonst fahren wir nach drei Spielen heim», führte der 33-Jährige weiter aus und nahm sich und sein Team damit in die Pflicht.
Gleichzeitig zeigte sich Xhaka optimistisch, dass man die Dinge bis zum WM-Startspiel gegen Katar am kommenden Samstag in San Francisco in Ordnung bringen könne.
Ein Déjà-vu
Wer Xhakas Worte hörte, der sah sich schon fast in den Herbst 2023 versetzt. Damals hatte der Leithammel der Nati seinen Unmut über sportliche Leistungen in der EM-Qualifikation, Trainings- und Rahmenbedingungen ausserhalb des Platzes geäussert – und seine Teamkollegen sowie die Verbandsoberen gleichermassen aufgeschreckt.
Xhaka räumte damals zwar später ein, dass der Zeitpunkt der Kritik «vielleicht nicht ideal gewesen war», sagte aber gleichzeitig: «Wenn es sein muss, mache ich das noch einmal.» Die Folge waren grosse Schlagzeilen in den Medien. Auf dem Platz zitterte sich die Nati in den nächsten Spielen jedoch zur Qualifikation für die EURO 2024. Und einige Monate später begeisterte sie mit tollem Fussball an der EM die Massen – und scheiterte erst im Viertelfinal unglücklich an England.
Xhaka weiss, was er tut
Heuer ist die Zeit für eine Kurskorrektur kürzer, gleichzeitig schien die Nati vor der WM-Gruppenphase von aussen betrachtet jedoch eigentlich im Fahrplan. Xhaka, der über so viel internationale Erfahrung wie kein anderer Schweizer Fussballer verfügt, dürfte jedoch wissen, wie er seinen Teamkollegen einen möglichen Schlendrian austreiben kann. Wenn's sein muss, eben mit öffentlicher Kritik.