Als Riyad Mahrez Algerien tief in der Nachspielzeit mit 3:2 in Führung schoss, wähnte man sich in Österreich im Tal der Tränen. Die fast sicher geglaubte erste Qualifikation für eine WM-K.o.-Phase nach 72 Jahren (1978 und 1982 qualifizierten sich die Österreicher jeweils für eine weitere Gruppenphase) rückte in weite Ferne. Doch zu einem Angriff kam die Elf von Ralf Rangnick noch – und auch zum Ausgleich. Joker Sasa Kalajdzic, eben erst eingewechselt, glich eine Minute nach Ablauf der Nachspielzeit zum 3:3 aus und sorgte für Ekstase bei den Österreichern.
Ausgerechnet Kalajdzic sei an dieser Stelle angefügt: Der Stürmer vom Linzer ASK hat eine lange Leidenszeit hinter sich mit zwei Kreuzbandrissen in zwei Jahren. Zwar war Kalajdzic immer wieder zu Einsätzen im Nationalteam gekommen, eine tragende Rolle spielte er aber schon länger nicht mehr. Genau 5 Jahre und 2 Tage musste er auf ein Länderspieltor warten. Zuletzt hatte er im Achtelfinal an der EM 2021 (1:2 n.V. vs. Italien) getroffen.
«Ich habe im Moment keine Worte, sage ich ganz ehrlich. Ich glaube, so etwas habe ich so noch nie erlebt», meinte ein erleichterter Rangnick. Mittelfeldspieler Marcel Sabitzer fand im ZDF für die Leistung seines Teams nicht nur positive Worte: «Ich weiss gar nicht, was ich sagen soll. Das war ein Auf und Ab. Wir gehen zweimal in Führung, das musst Du nach Hause bringen. Es war teilweise unseriös.»
Für Österreich war schon mit der Qualifikation für die Weltmeisterschaft eine lange Leidenszeit zu Ende gegangen: Zum ersten Mal seit 1998 war wieder eine ÖFB-Elf an einer Endrunde dabei. Seither nahm man immerhin an 3 EM-Endrunden teil – das Warten auf eine WM-Teilnahme aber hielt an.
3. bei letztem Vorstoss in die K.o.-Phase
Wie eingangs erwähnt qualifizierten sich die Österreicher 1978 und 1982 für die Zwischenrunde, schieden dort aber jeweils aus. Ein K.o.-Spiel durfte Österreich an beiden Endrunden nicht bestreiten. Zur Einordnung: Für die 2. Finalrunde 1978 qualifizierten sich 8 Teams, für die Sechzehntelfinals heuer deren 32.
Die letzten, «echten» K.o.-Spiele absolvierte Österreich an der WM 1954 in der Schweiz. Im Viertelfinal kegelten die Österreicher in der «Hitzeschlacht von Lausanne» die Gastgeberin mit 7:5 aus dem Turnier. Nach einer deutlichen Halbfinal-Niederlage gegen den nachmaligen Weltmeister Deutschland (1:6) gewannen die Österreicher das Spiel um Platz 3 gegen Uruguay mit 3:1.
Schweres Los im Sechzehntelfinal
Bis zu einem allfälligen Spiel um Platz 3 ist der Weg für Österreich aber lang und schwer: Im Sechzehntelfinal wartet Mitfavorit Spanien auf die Mannschaft von Rangnick. Ein österreichisches Weiterkommen wäre mindestens eine grosse Überraschung, danach würde es auf dem Papier nur unwesentlich leichter: Portugal oder Kroatien hiesse der Gegner in einem potenziellen Achtelfinal.