- Spanien ist zum 2. Mal nach 2010 Weltmeister!
- Der Europameister bezwingt das dezimierte Argentinien im Final in New York dank Ferran Torres 1:0 nach Verlängerung.
- 80'663 Fans sehen, wie die Titelverteidiger um Lionel Messi offensiv komplett enttäuschen.
Unten malträtierte Torschütze Ferran Torres die Eckfahne, oben hielt es Spaniens WM-Helden von 2010 um Xavi und Iniesta nicht mehr auf ihren Sitzen. Lange waren die Spanier im zähen Final gegen das argentinische Bollwerk angelaufen. Nach 105 Minuten war es so weit: Eine lange Flanke legte Nico Williams per Kopf zurück. Der ebenfalls eingewechselte Torres drosch den Ball ins Netz und erlöste überlegene Spanier. Es war sein 25. Treffer im 65. Länderspiel, mit Sicherheit sein wichtigster.
Zuvor war das vermeintliche 1:0 durch Williams (95.) wegen einem Foul annulliert worden, Torres' zweiter Streich wegen einem Abseits (113.). Weil ein enttäuschendes und ab der 93. Minute dezimiertes Argentinien im New-York-New-Jersey-Stadion zu keiner Reaktion in der Lage war, bejubelte das Team von Luis de la Fuente kurze Zeit später den 2. WM-Titel des Landes.
Argentinien enttäuscht – Messi hinter Mbappé
Der Finalsieg war hochverdient. Ein destruktives Argentinien kam erst in der 117. Minute (!) zum ersten Schuss in Richtung Tor von Unai Simon. Hätte Giuliano Simeone in der Schlussminute mit seiner Chance noch ausgeglichen, es wäre zu viel des Guten gewesen. «La Roja» hätte sich ihrerseits den Umweg beinahe gespart: Lamine Yamal zwang Goalie Emiliano Martinez in der 8. Minute der Nachspielzeit per Freistoss zu einer Glanzparade. Spanien agierte zu diesem Zeitpunkt nach einem Platzverweis gegen Enzo Fernandez (93.) in Überzahl.
Das 104., letzte und wichtigste Spiel der XXL-WM gehörte bezüglich Spektakel nicht zu den Aushängeschildern des Turniers. Schlicht, weil nur Spanien gewillt war, Fussball zu spielen. Das Endspiel war im Vorfeld zum Duell zwischen Shootingstar Yamal und Fussballlegende Lionel Messi hochstilisiert worden. Während ersterer auffällig, letztlich aber glücklos agierte, fand Messi gar nicht erst statt. Mit 21 Toren (8 davon an diesem Turnier) bleibt er im Kampf um die meisten WM-Tore hinter Kylian Mbappé (22). Wohl für immer.
Wenn sich der Fussballfan auf die Halftime-Show freut
Hätte man der ersten Hälfte ein Attribut zuordnen müssen, es wäre «Vorsicht» gewesen. Fehlervermeidung stand beiderseits im Fokus. Ausnahmen: Yamal, der früh (4.) in Argentiniens Strafraum auftauchte, jedoch zu wenig Kraft hinter den Ball brachte, Mikel Oyarzabal (39.) per zentralem Distanzversuch. Sowie Marc Cucurellas flacher Schuss (43.), der von links am langen Pfosten vorbeizischte.
Der gemeine Fussballfan konnte nur hoffen, dass die Stars der Halftime-Show – Shakira, Madonna, Justin Bieber, BTS, Coldplay – in der 27 Minuten dauernden Pause etwas Rhythmus in der Arena hinterlassen würden. Es schien zunächst so: Alex Baena scheiterte direkt nach Wiederanpfiff. Die spanischen Kombinationen gewannen an Kontur. Dani Olmo (64.), Pedri (76.) und Pau Cubarsi (77.) waren aus der Distanz zu ungenau, Torres dazwischen per Kopf (67.).
Argentinien beschränkte sich – wie schon in den Runden zuvor bei diesem Spielstand – weitgehend aufs Zerstören. Das ging lange gut. Ausgerechnet der erste scheue Angriff der «Albiceleste» nach über 90 Minuten mündete in einen Gegenangriff. Doch Williams konnte den Konter nicht verwerten. Momente später flog Fernandez nach einem Foul mit Gelb-Rot vom Feld. Er bescherte Spanien so den grossen Vorteil in der Verlängerung, ebnete Torres den Weg zum Tor der Karriere. Und brachte allen Fussball-Ästheten den Glauben an Karma zurück.