Eine Fussball-Weltmeisterschaft so gross wie noch nie, neue Regeln, einige Überraschungen – doch um den Titel kämpfen dann doch wieder die Favoriten. SRF-Fussballexperte Fabian Frei hat vor dem Final die WM unter die Lupe genommen und zu folgenden Punkten Stellung genommen:
- Gianni Infantino hat schon vor dem Final gesagt, das sei nicht nur die beste WM aller Zeiten gewesen, sondern auch das grossartigste Ereignis, das die Menschheit je erlebt habe. Einverstanden?
«Ob es das grösste Ereignis der Menschheit war, darüber lässt sich streiten. Es war auf jeden Fall die grösste WM mit den meisten Mannschaften. Auf die absolute Eins würde ich das Turnier nicht setzen.»
- Wie sah es mit dem Sammeln von Panini-Bildern aus?
«Wir haben in der Familie gesammelt. Meine Mädchen waren fleissig auf dem Pausenplatz am Zocken und haben das Album direkt zum Turnierstart vollgebracht.»
- Erstmals nahmen 48 Teams teil. Bald könnten es gar deren 64 sein …
«Es war interessant. Auch Mannschaften, die man zum ersten Mal bei einer WM gesehen hat, haben sich sehr gut verkauft. Ich hatte vor dem Turnier das Gefühl, es werde mehr deutliche Ergebnisse geben. Es lässt sich darüber streiten, ob die WM immer noch bedeutet, dass sich nur die besten Teams der Welt dafür qualifizieren können. Bei einer weiteren Erhöhung auf 64 Teams wäre dann einfach jeder dabei. Der Exklusiv-Status einer WM, den es meiner Meinung nach braucht, ginge verloren. Aber die Spiele waren alle sehr interessant, insofern positiv.»
- Hat das Turnier bezüglich spielerischer Qualität überzeugt?
«Spätestens ab den Viertel- und Halbfinals waren die Mannschaften dabei, die man erwartet hatte. Es gab keine grossen Überraschungen mehr. Wir wissen ja, was diese Teams spielerisch abliefern können. Es war für mich nicht überraschend, dass die grossen Mannschaften ‹ihren Stiefel› herunterspielen können.»
Bei den neuen Regeln fehlt mir noch die Konsequenz bei ihrer Durchsetzung.
- Neue Regeln und Hydration Breaks: Sinnvoll oder Unsinn?
«Es ist bei jeder Regel dasselbe: Je länger es sie gibt, desto weniger wird darüber diskutiert. Auch die Hydration Breaks: Im Eishockey sind diese kein Thema mehr, ich glaube, das wird auch im Fussball so kommen. Ich bin kein grosser Fan davon, dass man in die Werbung schaltet, kaum hat der Schiedsrichter gepfiffen. Für den Trainer gibt es die Möglichkeit, mit seinen Spielern zu reden. Das sehe ich grundsätzlich positiv. Doch nötig ist diese Regel für mich nicht, auch wenn man sich dran gewöhnen wird.
Den Ansatz bei neuen Regeln wie der Countdown-Regel oder dem verbotenen Reden mit der Hand vor dem Mund finde ich völlig okay. Aber mir fehlt noch die Konsequenz bei der Durchsetzung. Sonst werden Spieler verunsichert. Die Idee, das Spiel mit Countdowns schnell zu machen, finde ich positiv und cool.»
- Wie hat er die Stimmung in der Schweiz wahrgenommen?
«Ich finde, dafür, dass die Nati zum Teil zu ganz komischen Uhrzeiten Schweizer Zeit spielen musste, war die Stimmung extrem cool. Spätestens in der K.o.-Phase, als man mitten in der Nacht aufstehen musste, um die Matches zu sehen, erkannte man in der Bevölkerung grossen Support. Doch auch in den Gruppenspielen: Ich hätte nicht gedacht, dass es nach der Eishockey-WM, wo die Nati so abgeliefert hat, die Fussballer ihr gleichtun können.»