Geht es darum, in der Nati die Namen der wichtigsten Spieler aufzuzählen, hört man andere: Jenen von Captain und Leaderfigur Granit Xhaka etwa, von Abwehrchef Manuel Akanji, von Dauerbrenner Ricardo Rodriguez oder von Sturmspitze Breel Embolo – der aktuell noch auf seine Einreise in die USA wartet.
Nico Elvedi fehlt in einer solchen Aufzählung oft. Und das, obwohl der Zürcher bislang 66 Mal für die Nati auf dem Rasen stand und seit 2016 an jedem Grossanlass teilnahm. Nur: Oft standen ihm andere vor der Sonne. Von möglichen 2100 Spielminuten an Welt- und Europameisterschaften absolvierte der 29-Jährige bloss 690.
- EM 2016: Als 19-Jähriger ist er hinter Johan Djourou und Fabian Schär nur Backup und kommt nicht zum Einsatz.
- WM 2018: Diesmal heissen die Stammkräfte Manuel Akanji und Schär.
- EM 2020: In einer Dreierkette kommt Elvedi beim Viertelfinal-Vorstoss immer zum Einsatz.
- WM 2022: Erst gesetzt, dann aber krank, muss der er das Achtelfinal-Out gegen Portugal von der Bank aus mit ansehen.
- EM 2024: Weil Schär seinen dritten Frühling erlebt, verliert Elvedi seinen Stammplatz aus der EM-Vorbereitung wieder.
Selbst auf dem Weg zur Gladbacher Legende
Heuer sieht die Situation anders aus. Trotz einer durchzogenen Gladbacher Saison ist Elvedi mit seiner persönlichen Spielzeit zufrieden. Er durfte beim Bundesligisten zeitweise Captain Rocco Reitz vertreten und schob sich mit nun 364 Partien für die «Fohlen» auf Rang 9 der vereinsinternen Rekordspieler.
En passant überholte er dabei die Legende Günter Netzer. In der Nati scheint er an der Seite von Akanji gesetzt; seinen nächsten Einsätzen an einem Grossanlass scheint wenig im Weg zu stehen.
Gesünder, schneller, wohler
Dabei geholfen, dass Elvedi wieder gesetzt ist, haben ihm auch zwei Umstellungen: Vor zwei Jahren begann er, mit einem Ernährungscoach zusammenzuarbeiten, seit letztem Sommer tut er dies mit einem Sprintcoach. «Ich habe mich vor zwei Jahren nicht mehr total wohlgefühlt, bin nicht mehr über 32 km/h hinausgekommen. Deshalb war es mir wichtig, etwas zu ändern.»
Der Erfolg stellte sich schnell ein, auf dem Papier, aber auch daneben: Sein Top-Wert, was die Geschwindigkeit angeht, ist wieder auf 34,5 km/h gestiegen, viel wichtiger aber: «Ich fühle mich auf und neben dem Platz 10 Mal wohler. Das spiegelt sich dann in der Leistung wider», erzählt Elvedi am Donnerstag in San Diego.
Pasta zum «Zmorge»
Eine Umstellung erwartet ihn mit der Nati auch an der WM in den USA, Kanada und Mexiko. Anders als in Europa gewohnt, wird die Schweiz in der Gruppenphase sämtliche Partien am Mittag absolvieren.
Getestet wird der Ernstfall am Samstag gegen Australien – ebenfalls um 12:00 Uhr Ortszeit (ab 21:00 Uhr Schweizer Zeit bei SRF). Für Elvedi enorm wichtig: «Dieses Spiel ist gut, um die Abläufe kennenzulernen. Wir müssen schon am Morgen Pasta oder Reis essen, das wird spannend. Auch das Klima ist anders als am Abend.» Wobei der letzte Punkt aktuell kaum eine Rolle spielen wird, in San Diego herrschen auch am Mittag kaum mehr als 20 Grad.