«Er kann einer der besten Mittelfeldspieler der Welt werden», sagte Cristiano Ronaldo nach der WM 2014. Gemeint war James Rodriguez. Der damals 22-Jährige war die grosse Entdeckung des Turniers, in dem Kolumbien erst im Viertelfinal an Gastgeber Brasilien scheiterte. In der Runde zuvor war Rodriguez gegen Uruguay ein Tor der Marke Sonderklasse gelungen. Ballannahme mit der Brust, das Tor im Rücken, eine schnelle Drehung – und dann mit links per Volley hinein ins Glück.
Wenig später wurde Rodriguez Teamkollege von Ronaldo bei Real Madrid. Die «Königlichen» überwiesen 75 Millionen Euro nach Monaco. Von 2014 bis 2017 spielten die beiden zusammen, zunächst lief es auch gut – doch dann liess Rodriguez im dritten Jahr nach. 2017 gewann Real die Meisterschaft und die Champions League, doch der Kolumbianer blieb in den entscheidenden Momenten aussen vor.
Viele Klubwechsel
Rodriguez wechselte zu Bayern München und erlebte dort noch einmal einen Aufschwung. Dann begannen die Wanderjahre. Seit sechs Jahren wechselt der Torschützenkönig der WM 2014 (6 Treffer) ständig die Vereine. Er spielte in England, Katar, Griechenland, Brasilien, Spanien, Mexiko und landete zuletzt bei Minneapolis United. Mittlerweile 34-jährig, in seiner neuen Wahlheimat, hofft er noch einmal auf ein bisschen Glanz bei seiner dritten und letzten WM. «Die Zeit vergeht», sagte Rodriguez vor Turnierbeginn. «Aber ich behalte mein Lächeln.»
Cristiano ist eine glatte Zehn von Zehn.
Beim Duell zwischen dem noch makellosen Kolumbien und Portugal in der Nacht auf Sonntag in Miami (ab 01:30 Uhr live auf SRF zwei und in der Sport App) kommt es zum Wiedersehen mit Ronaldo. Es geht um den Gruppensieg. «Cristiano ist hervorragend – sowohl auf als auch neben dem Platz», sagte Rodriguez einmal über den 7 Jahre älteren Superstar: «Er ist eine glatte Zehn von Zehn.»
Auch Ronaldo ist längst nicht mehr unbestritten, aber an guten Tagen können beide immer noch den Unterschied ausmachen. «CR7» mit seinem unbändigen Willen und seinem Killerinstinkt, Rodriguez mit seiner Übersicht und seinen Pässen. Auch wenn er nicht mehr die Dynamik von 2014 besitzt, ist Captain Rodriguez weiter das kreative Herz Kolumbiens. «Es gibt Spieler, die in 20 Minuten mehr bringen als andere in einem ganzen Spiel», sagt sein Trainer Nestor Lorenzo.