Nicht wenigen dürfte es am Sonntagabend vorgekommen sein, als hätten sie diesen Film schon einmal gesehen. Spanien holte dank einem 1:0-Sieg nach Verlängerung den 2. WM-Titel. Bereits beim 1. Triumph vor 16 Jahren in Südafrika hatte «La Roja» nach einem 1:0 n.V. gegen die Niederlande erstmals triumphiert.
Damit aber noch lange nicht genug der Parallelen:
- Der EM-Triumph als Vorgeschichte: Wie 2010 reiste Spanien auch heuer als amtierender Europameister an die WM. 2008 hatten die Iberer beim Turnier in der Schweiz und Österreich reüssiert, vor 2 Jahren gelang die kontinentale Krönung in Deutschland.
- Fehlstart in das Turnier: Wie könnte man das in der Schweiz vergessen: Völlig überraschend unterlag Spanien zum WM-Auftakt 2010 der Schweiz 0:1. Gelson Fernandes krönte einen heroischen Kampf mit dem goldenen Tor zum Sieg. In den USA startete Spanien mit einem biederen 0:0 gegen den krassen Aussenseiter Kap Verde ins Turnier. Passend dazu: Fernandes hat kapverdische Wurzeln.
- Der Steigerungslauf: Nach dem Fehlstart 2010 reihte Spanien 6 Siege aneinander. Auch 2026 sollte das 0:0 zum Auftakt der einzige Punktverlust der Spanier bleiben, nun brauchte es aber 7 Siege in Folge für den WM-Titel.
- Das Defensiv-Bollwerk: Nebst der Schweiz war es 2010 einzig noch Chile vergönnt, einen Treffer gegen Spanien zu erzielen. Dieser fiel bei der 1:2-Niederlage der Südamerikaner in der Gruppenphase. In der K.o.-Phase gewann dann Spanien sämtliche Spiele mit dem Minimal-Resultat von 1:0. 2026 hielt das Bollwerk noch besser: Spaniens Keeper Unai Simon musste einzig im Viertelfinal gegen Belgien (2:1) hinter sich greifen – nach einem Kopfball von Charles De Ketelaere.
- Platzverweis gegen den Gegner im Final: 2010 war es der Niederländer John Heitinga gewesen, der in der Verlängerung des Finals mit Gelb-Rot vom Platz flog. Und auch damals hatte sich Spaniens Gegner nicht gerade zurückhaltend in den Zweikämpfen gezeigt – man erinnere sich an Nigel de Jongs Kung-Fu-Tritt gegen Spaniens Xabi Alonso. 2026 erwies Enzo Fernandez seinem Team mit dem Platzverweis kurz vor Ende der regulären Spielzeit einen Bärendienst. Der Argentinier sah ebenfalls Gelb-Rot, während andere wie zum Beispiel Leandro Paredes mit zahllosen Attacken fast darum bettelten, ebenfalls vom Feld gestellt zu werden.
- 1:0-Sieg nach Verlängerung im Final: Sowohl 2010 als auch 2026 wussten die Spanier schliesslich die Überzahl in der Verlängerung in einen Final-Triumph umzumünzen. War in Südafrika Mittelfeldstratege Andres Iniesta der umjubelte Siegtorschütze in der 116. Minute, erlöste Joker Ferran Torres «La Roja» 2026 in New Jersey in der 106. Minute.