Mit dem WM-Ball verbindet Gregor Kobel eine Hassliebe, denn sein Arbeitsgerät macht es ihm gerade nicht einfach: Weil für jedes Spiel an der WM in den USA, Kanada und Mexiko ein nigelnagelneuer Ball verwendet wird, muss der Nati-Goalie zu einem besonderen Trick greifen.
«Auf den neuen Bällen ist ein Plastikfilm drauf, das sorgt in Kombination mit dem gewässerten Rasen dafür, dass sie extrem glitschig sind», erzählt er am Freitag im Nati-Camp in San Diego. Der Trick: Vaseline auf die (neuen) Handschuhe auftragen.
Bedeutung der Defensive nimmt zu
Denn auch da legt Kobel Wert auf Neues. Er hat 8 Paar an die WM mitgenommen. Für jedes Spiel der Nati eines – bis in einen möglichen Final. «Man muss daran glauben, auch wenn es unrealistisch scheinen mag. Wir streben nach dem maximalen Erfolg», sagt er dazu, schränkt dann aber ein: «Ich bin keiner, der grosse Ansagen macht. Es ist wichtig, dass wir uns auf das konzentrieren, was wir beeinflussen können. Dann schauen wir, wie wir im Flow sind.»
Mit Beginn der K.o.-Phase dürfte auch die Bedeutung der Verteidigungslinien und Goalies steigen. Nicht umsonst heisst es im US-Sport gerne: «Offense wins matches, defense wins titles.» Davon lässt sich Kobel nicht aus der Ruhe bringen. Ihm, der in der Bundesliga vom Fachmagazin kicker schon fünf Mal als bester Goalie einer Halbserie ausgezeichnet wurde, gehe es nicht darum, sich auszeichnen zu können. «Ich will so weit wie möglich kommen. Und wenn ich nur drei Ballkontakte habe, bin ich der glücklichste Mensch.»
Intuition vor Statistik
Auf mögliche Penaltyschiessen, die ab jetzt drohen könnten, bereitet sich der Zürcher natürlich vor. Er lässt bei der Vorbereitung darauf neben der Statistik – «mittlerweile hat man von jedem Schützen jede Info» – aber auch Intuition zu. «Und wenn ich mich entscheiden müsste, würde ich mich eher auf die Intuition verlassen.» So würde er wohl auf einen Sticker auf der Getränkeflasche mit Anweisungen verzichten, «denn das habe ich noch nie gemacht».
So weit ist es indes noch nicht. Bis zum WM-Sechzehntelfinal dauert es noch fast eine Woche. Zeit genug, um vor der Anspannung in der unmittelbaren Vorbereitung auch noch einmal durchzuschnaufen. «Sonst würde man überpacen», warnt Kobel. Es ist die letzte Gelegenheit, danach würde es Schlag auf Schlag weitergehen. An genügend Handschuhen bis in den Final würde es auf jeden Fall nicht mangeln.