Denis Zakaria hatte in der Nati bislang oft einen schweren Stand. Auch wenn er mittlerweile auf 67 Länderspiele kommt, konnte er bislang nur selten überzeugen. Murat Yakin hob seine Wichtigkeit dennoch immer wieder hervor, suchte Wege, um den Genfer irgendwie ins Team zu hieven.
Zum WM-Auftakt gegen Katar durfte Zakaria auf der für ihn ungewohnten Position des Rechtsverteidigers beginnen – und er machte seine Sache nicht schlecht. Yakin lobte zuletzt gar, «Zak» hätte Spieler der Partie werden können, wäre die Schweiz bloss effizienter gewesen. Doch der letzte Eindruck blieb bei vielen hängen: Zakaria war es, der zu weit von seinem Gegenspieler entfernt stand und die Flanke zum späten Ausgleich ermöglichte.
Widmer und Jaquez angeschlagen
Und weil in den letzten beiden Spielen danach Silvan Widmer und Luca Jaquez den Vorzug erhielten, schien das «Zakaria-Experiment» vorbei. Doch dann profitierte der 29-Jährige davon, dass in der Vorbereitung auf den Algerien-Match die Konkurrenz reihenweise ausfiel.
Am Sonntag musste zunächst Widmer das Training wegen Hüftproblemen auslassen, erst im Verlaufe der Woche konnte er wieder voll mittrainieren. Am Dienstag und Mittwoch laborierte dann Jaquez, der gegen Kanada sein Startelf-Debüt mit einer starken Leistung gefeiert hatte, an Muskelbeschwerden. Für den Sechzehntelfinal stand er nicht einmal auf dem Matchblatt.
«Zak» omnipräsent
Und so rutschte Zakaria nach zuletzt null Spielminuten in zwei Spielen unverhofft wieder in die Startformation – und zeigte eine seiner wohl stärksten Partien im Dress der Schweizer Nati. Nach leichten Startproblemen steigerte er sich mit zunehmender Dauer, bis er nach 87 Minuten entkräftet vom Platz musste.
- Der 1,91-Meter-Mann überzeugt mit seiner Körperlichkeit, drückt seine Gegenspieler immer wieder im entscheidenden Moment weg.
- Mit seinen langen Beinen erobert er nach der Pause mehrfach den Ball und behauptet ihn danach.
- Und auch in der Offensive beteiligt sich Zakaria rege. Vor dem 2:0 macht er die Situation noch einmal scharf.
Neben Topwerten auf dem Statistikblatt – keiner totalisierte mehr als die drei Tacklings, die vier Balleroberungen und die vier Flanken Zakarias – holte sich der 29-Jährige auch ein Sonderlob seines Coaches ab: «Je länger es ging, desto besser wurde er. Er hat in jeder Phase sauber verteidigt und kaum Angriffe zugelassen», sagte dieser nach dem Spiel.
Für Yakin könnte sich vor dem WM-Achtelfinal aus einer Baustelle unverhofft ein Luxusproblem ergeben haben: Denn sind auch Widmer und Jaquez am nächsten Dienstag wieder fit, hat er auf der Position des Rechtsverteidigers plötzlich die Qual der Wahl. Doch wie sagte der Nati-Trainer zuletzt schon nach dem Kanada-Spiel: «Ich bin happy für mich, dass ich all diese Optionen habe.»