Ricardo Rodriguez ist eine Institution in der Schweizer Nati. Seit seinem Debüt im Oktober 2011 sind 140 Länderspiele zusammengekommen. Nur Captain Granit Xhaka, mit dem er 2009 den WM-Titel bei der U17 feierte, übertrifft diese Zahl.
Das Duo Rodriguez/Xhaka hat jeweils 14 WM-Spiele auf dem Buckel – kein Schweizer hat mehr. Der linke Aussenverteidiger verpasste dabei nur gerade 2 WM-Minuten, just jene, in denen Katar im Auftaktspiel den Ausgleich erzielen konnte.
Er will immer spielen
Und doch wird dieser Ricardo Rodriguez noch immer unterschätzt. Auch an dieser WM wird die Frage aufgeworfen, ob der 33-Jährige noch genüge. Der Zürcher nimmt es mit der ihm eigenen stoischen Gelassenheit zur Kenntnis und antwortet mit entwaffnender Ehrlichkeit.
Auch er sei überrascht gewesen, als er im Test gegen Jordanien nicht von Anfang an auf dem Platz gestanden habe, sagt er zum Beispiel, schliesslich «habe ich ja immer gute Leistungen gebracht».
Xhaka tickt anders als er
Gleichzeitig ist Rodriguez keiner, der für Unruhe sorgen will. «Ich sage in der Mannschaft schon meine Meinung, wenn es nötig ist. Aber ich bin keiner, der die Kritik öffentlich macht, ich will keine Konflikte», erklärt er. Xhakas Aussagen nach den schwachen Leistungen gegen Australien und Katar will Rodriguez nicht weiter kommentieren, sein bester Kumpel im Team wolle halt einfach immer das Maximum für das Team erreichen.
Rodriguez erlebt in den USA gerade seine 4. WM. Wie lange es für ihn in der Nati noch weitergeht, weiss er selbst nicht. «So lange, wie mein Körper mir noch sagt, dass es geht.»
Der «ewige Rodriguez» geht viral
Apropos Körper: Dieser sorgt dafür, dass der 33-Jährige auf Social Media gerade einen Hype auslöst. Er sehe noch gleich aus, wie vor 12 Jahren bei seinem WM-Debüt in Brasilien, wird behauptet. «Ich passe halt auf mich auf, ich weiss, was ich brauche und was mir guttut. Keine Ahnung, weshalb ich noch gleich aussehe. Ich mache immer das Gleiche, habe eine gute Familie hinter mir und nicht so viel Stress. Immer entspannt zu sein, ist das Wichtigste», versucht er seine ewige Jugendlichkeit zu erklären.
Und doch geht auch an ihm die Zeit nicht vorbei. Ende Juni läuft sein Vertrag bei Betis Sevilla aus, wie es danach für ihn weitergeht, ist noch unklar. Aktuell wolle er sich nur auf die WM konzentrieren, danach sei «alles offen». Selbst eine Rückkehr in die Schweiz will er nicht ausschliessen – den FCZ-Fans lässt er auf Nachfrage ein «Fünkchen Hoffnung».
So weit ist es jedoch noch nicht. Rodriguez und seine Teamkollegen befinden sich an der WM in der unmittelbaren Vorbereitung auf das Kanada-Spiel. Und auch da zeigt sich die Bedeutung von Rodriguez: Beim Lattenschiessen von der Mittellinie sorgt er am Sonntag dafür, dass das Training beendet wird. Gleich mit dem ersten Schuss trifft er den Querbalken – «und dann war das Training halt vorbei», sagt er dazu in der ihm eigenen Art.