Wie schon gegen Katar musste Johan Manzambi auch gegen Bosnien-Herzegowina zunächst auf der Ersatzbank Platz nehmen. Als er nach mühseligen 72 Minuten endlich von Natitrainer Murat Yakin erlöst wurde, sorgte der Shootingstar für kollektives Aufatmen in der Schweiz. Der Genfer schoss zwei Tore und hatte auch beim 2:0 von Ruben Vargas seine Füsse im Spiel.
«Es ist ein Traum. Dass ich an der WM spielen kann, dass ich zwei Tore schiesse und dass ich Player of the Match bin», so ein überglücklicher Manzambi nach dem Schlusspfiff. «Heute Abend kann ich sicher nicht schlafen.» Die Nati hätte nach dem enttäuschenden Katar-Spiel eine Reaktion zeigen müssen. Er selbst wolle immer das Beste geben, egal ob er von der Bank komme oder in der Startelf stehe. Die Fans seien nach dem letzten Spiel nicht glücklich gewesen. «Ich hoffe, dass sie jetzt stolz sind.»
Akanji als indirekter Vorbereiter
Innenverteidiger Manuel Akanji blieb zwar ohne Skorerpunkt, hatte aber trotzdem entscheidenden Anteil an einem der vier Schweizer Treffer. Gemeinsam mit Torschütze Vargas hätte er am Vortag in der Physiotherapie den Match zwischen Kolumbien und Usbekistan geschaut. Beim 2:1 von Luis Diaz meinte er zu seinem Teamkollegen: «Genau so musst du das auch machen. Er hat ihn noch besser getroffen, das freut mich sehr für ihn.»
Geduld sei heute der Schlüssel zum Erfolg gewesen. «Wir haben das Spiel dominiert, aber das letzte Stück hat gefehlt. Dann tendiert man dazu, zu offensiv zu spielen. Ich habe allen gesagt, sie sollen den Kopf nicht verlieren. Wir sind dran geblieben. Die, die angefangen haben, haben den Gegner müde gemacht. Die Einwechslungen haben dann den Unterschied gemacht.»
Xhaka mit eindeutiger Geste
Captain Granit Xhaka hatte seine Teamkollegen nach dem Katar-Spiel hart kritisiert, und auch nach dem zweiten Gruppenspiel war der 33-Jährige etwas angefressen. Mit einer eindeutigen Geste gegen seine Kritiker hatte er sein Tor zum 4:1-Endstand bejubelt. «Es kommt immer anders rüber, wenn ich etwas sage. Aber es ist okay, ich kenne das. Wichtig ist, dass die Mannschaft hinter mir steht, alles andere hat mich noch nie interessiert.»
Und doch gibt er zu, dass die kritischen Stimmen nicht spurlos an ihm vorbeigegangen sind. «Ich kann nur das auf dem Platz beeinflussen. Ich bin für den Erfolg da. Solange ich da bin, werde ich den Erfolg suchen.»
Lobende Worte, wenn auch nur auf Nachfrage, gab es indes für die Joker: «Wenn du ein solches Kader hast, mit solcher Qualität, dann braucht es manchmal ein wenig Geduld. Dann musst du genau dann bereit sein, wenn der Trainer dich bringt. Heute haben die Spieler, die eingewechselt wurden, den Unterschied gemacht.»