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Trainer der WM-Halbfinalisten Grandseigneur, Mysterium, No Name und Nerd

Frankreich, Spanien, England und Argentinien spielen noch um den WM-Titel. Das sind die vier Trainer an der Seitenlinie.

Didier Deschamps (Frankreich):

Der 57-Jährige führt die «Équipe Tricolore» seit 2012 und hat mit der aktuellen Mannschaft um Superstar Kylian Mbappé ein wahres Offensiv-Monster erschaffen. Deschamps, der im Halbfinal am Dienstag gegen Spanien (21:00 Uhr) mit seinem 26. WM-Spiel den legendären Helmut Schön als Rekordtrainer ablösen wird, hat ein gutes Gespür dafür, seine Stars bei Laune zu halten. Er moderiert klug, hält Kritik von der Mannschaft fern und lebt intern Loyalität vor. Dabei hilft ihm die Erfahrung als Spieler, so führte er «Les Bleus» 1998 schon als Captain zum Titel.

Nun steht Deschamps zum dritten Mal in seiner Amtszeit als Trainer im Halbfinal einer WM. Nach dem Triumph 2018 und dem Finaleinzug 2022 könnte er sich mit einem weiteren Titel unsterblich machen. Zwei WM-Triumphe als Trainer gelangen bislang nur Vittorio Pozzo mit Italien 1934 und 1938. Stemmt Deschamps am kommenden Sonntag tatsächlich den Weltpokal noch einmal in die Höhe, wäre es zudem ein perfekter Abschied, denn nach 14 Jahren übergibt der Grandseigneur des französischen Fussballs sein Amt nach dem Turnier an Zinédine Zidane.

Mann in Anzug steht im Freien mit Menschen im Hintergrund.
Legende: Didier Deschamps Keystone/EPA/Will Oliver

Luis de la Fuente (Spanien):

De la wer? Luis de la Fuente ist ein Mysterium. Seit der 65-Jährige die Mannschaft nach der enttäuschenden WM 2022 übernahm, geht es steil bergauf, doch einer breiteren Öffentlichkeit wirklich bekannt ist de la Fuente noch immer nicht. Spanien gewann unter dem langjährigen Nachwuchscoach auf Anhieb die Nations League, wurde im Jahr darauf Europameister und eilt auch bei dieser WM ziemlich unaufgeregt von Sieg zu Sieg. Dabei agiert de la Fuente stets ruhig und sachlich, grosse Selbstdarstellung liegt ihm fern. Mit seiner Art geniesst er innerhalb des Teams grosses Vertrauen.

Ein älterer Mann im Anzug steht und schaut nachdenklich, mit verschwommenen Menschen im Hintergrund.
Legende: Luis de la Fuente Keystone/EPA/Ronald Wittek

Auch dass der frühere Linksverteidiger viele seiner Spieler aus deren Jugendjahren kennt, ist von Vorteil. Die Spielweise, mit der Spanien inzwischen seit 36 (!) Spielen unbesiegt ist, kann als Tiki-Taka 2.0 beschrieben werden. Wie bei der Weltmeister-Elf um die begnadeten Xavi Hernandez und Andres Iniesta 2010 ist Ballbesitz das Markenzeichen, doch das aktuelle Team um Jungstar Lamine Yamal agiert deutlich direkter, vertikaler und aggressiver als noch vor einigen Jahren. Mit seiner Mischung aus technisch anspruchsvollem Kombinationsspiel und konsequentem Pressing will Spanien den Thron erklimmen. Es wäre wohl auch zu einem grossen Anteil de la Fuentes Titel.

Lionel Scaloni (Argentinien):

Als ein unscheinbarer junger Mann namens Lionel Scaloni 2018 die «Albiceleste» übernahm, zweifelten nicht wenige Argentinier an seiner Eignung. Ein weitgehend unbekannter Trainer, der bislang einzig als Assistent seines wenig erfolgreichen Vorgängers Jorge Sampaoli Erfahrungen gesammelt hatte, soll das stolze Land wieder zu einer Fussball-Weltmacht machen? Oh, ja! Mit Scaloni, der es als Spieler lediglich auf sieben Länderspiele gebracht hatte, kamen plötzlich die Erfolge zurück. Der Gewinn der Copa America 2021 war der erste Titel seit 1993 – und der Beginn von etwas Grossem. Es folgten der WM-Titel 2022 und die Copa 2024, nun giert Argentinien nach der erfolgreichen Titelverteidigung.

Ein Mann in Sportkleidung steht vor einem unscharfen Hintergrund.
Legende: Lionel Scaloni imago images/NurPhoto/Ayman Aref

Scaloni verzichtet bewusst auf grosse Gesten und öffentliche Inszenierungen. Von Beginn an baute er ein inniges Verhältnis zu seinen Spielern auf, die es ihm mit bedingungsloser Leidenschaft zurückzahlen. Vor allem Mentalität zeichnet das argentinische Spiel aus. Auch Lionel Messi profitiert von Scalonis ruhiger Führung und dem engen Vertrauensverhältnis zwischen beiden. Der zurückhaltende Trainer stellt (bis auf Messi) konsequent das Kollektiv über einzelne Stars und geniesst deshalb innerhalb der Mannschaft hohes Ansehen. Wie Deschamps könnte auch Scaloni mit WM-Titel Nummer 2 Historisches vollbringen. Und das mit 48 Jahren.

Thomas Tuchel (England):

Ausgerechnet ein Deutscher hat England innerhalb kurzer Zeit zu einem ernsthaften WM-Titelkandidaten geformt. Tuchels Verpflichtung hatte zunächst für kontroverse Diskussionen gesorgt, doch spätestens mit dem Einzug in den Halbfinal hat der 52-Jährige viele Kritiker überzeugt. Die «Three Lions» präsentieren sich unter Tuchel, dem ersten deutschen Nationaltrainer in der Geschichte Englands und einzigem nicht einheimischen Coach im Feld der Halbfinalisten, defensiv stabiler und taktisch variabler als in den vergangenen Jahren. Zudem vertrauen ihm die Stars, vor allem Jude Bellingham blüht dieser Tage regelrecht auf und brilliert wie nie im Nationalteam.

Ein Mann in einem blauen Hemd steht auf einem Sportplatz, andere Personen im Hintergrund.
Legende: Thomas Tuchel Keystone/EPA/Ronald Wittek

Mit seiner Detailversessenheit und mitunter schrullig-nerdigen Art trifft der Coach, der 2021 mit dem FC Chelsea die Champions League gewann, ganz offensichtlich einen Nerv und lässt das Königreich vom ersten englischen Weltmeistertitel seit Wembley 1966 träumen. Die Spielweise ist nicht immer attraktiv, aber höchst effektiv. Das zeigte schon die makellose Qualifikation. Sollte England am Ende dieser Woche tatsächlich den Pokal auf die Insel holen, wäre Tuchel der erste ausländische Trainer überhaupt, der eine Nationalmannschaft zum WM-Triumph führt.

FIFA WM 2026

SRF zwei, sportlive, 11.7.2026, 22:30 Uhr ; 

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