Hinten links ist Ricardo Rodriguez seit seinem Debüt im Herbst 2011 nicht mehr aus der Schweizer Nati zu verdrängen. 141 Länderspiele hat der 33-Jährige mittlerweile totalisiert, nur Captain Granit Xhaka hat mehr auf dem Konto. Ein Ende ist bei beiden kaum in Sicht.
Ganz anders sieht es auf der anderen Seite der Abwehrreihe aus. Dort scheint Nati-Trainer Murat Yakin seine Idealbesetzung auch nach bald 5 Jahren im Amt noch nicht gefunden zu haben. Besonders augenfällig wurde dies 2022, als er mit Silvan Widmer nur einen Rechtsverteidiger ins WM-Kader aufbot. Nachdem dieser wie die halbe Mannschaft vor dem Achtelfinal krank geworden war, hatte man ein Problem. Mittelfeldspieler Edimilson Fernandes war die Lösung; die Nati ging (sicher nicht nur aufgrund dieser Personalie!) mit 1:6 gegen Portugal unter.
Zwar setzte Yakin in seiner Zeit als Nationaltrainer meist auf Widmer. Nur fünf Spieler spielten unter dem 51-Jährigen öfter als der Aargauer. Dessen ungeachtet testete Yakin in seiner Amtszeit auf dieser Position besonders viel. So durften sich neben Fernandes wahlweise auch schon Kevin Mbabu, Jordan Lotomba, Leonidas Stergiou, Becir Omeragic oder Isaac Schmidt zeigen.
Von Blondel bis Zakaria
Besonders wild mutet heute das Experiment aus dem letzten Jahr an, als Yakin für die USA-Reise in Argentinien Lucas Blondel «ausgrub» und dem damals 28-Jährigen aus dem Nichts zum Nati-Debüt verhalf.
Seitdem schien sich Widmer wieder als Stammkraft etabliert zu haben. Doch just an der WM 2026 scheint sich hinten rechts erneut eine Baustelle aufgemacht zu haben: Yakin wechselt in allen drei bisherigen Partien die Stammkraft aus. Denis Zakaria, Widmer und Luca Jaquez durften schon beginnen.
Nur eine Verwirrtaktik?
Vor dem WM-Achtelfinal stellt sich nun also die Frage, welcher aus dem Trio gegen Algerien das Vertrauen erhält. Kommt hinzu, dass im Vorfeld der Partie zunächst Widmer am Sonntag mit Hüftproblemen das Training auslassen musste, am Dienstag Jaquez wegen muskulärer Beschwerden.
Denkbar aber auch, dass Widmer und Jaquez gar nicht angeschlagen sind und Taktikfuchs Yakin damit bloss eine «Nebelkerze» gezündet hat, um seinem Antipoden und Vorgänger Vladimir Petkovic eine Denkaufgabe zu stellen. Denn auf keiner anderen Position ist Yakins Plan offener als hinten rechts. Wer am Ende wirklich gegen Algerien beginnen wird, wird so oder so erst kurz vor dem Spiel definitiv feststehen.