72 der 104 Partien der WM in den USA, Kanada und Mexiko sind absolviert. Von den 48 Teams sind nach Abschluss der Vorrunde noch 32 im Rennen um die begehrteste Trophäe im Fussball überhaupt.
Darunter befinden sich auch alle Länder, denen man vor Turnierbeginn den Titel zugetraut hatte. Während einige der «Grossen» in der Gruppenphase ihre Ambitionen anmeldeten, konnten andere nicht restlos überzeugen. Wir haben die Favoriten anhand des bisher Gezeigten in verschiedene Kategorien eingeteilt.
Souverän
- Frankreich: Die «Équipe Tricolore» verfügt zweifelsohne über die durchschlagskräftigste Offensive. Kylian Mbappé (4 Tore, 2 Vorlagen), Ousmane Dembélé (4/1) und Michael Olise (0/3) sind bestens aufgelegt und in der Lage, jede gegnerische Defensive ins Wanken zu bringen. Frankreich beendete die auf dem Papier schwierigste Gruppe mit 9 Punkten und 10:2 Toren diskussionslos auf Rang 1.
- Argentinien: Die Aktien der «Albiceleste» sind nach der Gruppenphase definitiv gestiegen. Dass Lionel Messi das Fussballspielen seit der letzten WM nicht verlernt hat, war klar. Dass der «Zauberfloh» aber auch im Alter von 39 Jahren noch so unglaublich dominant und effizient auftritt, war so nicht zu erwarten. Die Titelchancen Argentiniens stehen und fallen mit Messi.
Überzeugend
- Brasilien: Nach einer wackligen 1. Halbzeit gegen Marokko hat sich die «Seleçao» immer besser gefunden. Die Auftritte gegen Haiti (3:0) und Schottland (3:0) waren sehr gut. Dass die Brasilianer vor allem dank Vinicius Junior in der Offensive stark sind, ist nicht neu. Oft geht aber vergessen, dass das Ancelotti-Team mit Marquinhos (PSG) und Gabriel Magalhaes (Arsenal) auch in der Verteidigung zwei der Weltbesten ihrer Zunft in den eigenen Reihen weiss.
- Niederlande: «Oranje» hat zusammen mit Deutschland und Frankreich die meisten Treffer in der Vorrunde erzielt (10). Vorne überzeugten die Niederländer mit ihrem temporeichen Angriffsfussball. Hinten allerdings war die «Elftal» nicht immer sattelfest unterwegs. Die Koeman-Equipe kassierte in jedem Gruppenspiel mindestens ein Gegentor.
Minimalistisch
- Spanien: Beim Europameister wusste man schon im Vorfeld, dass die WM für einige Leistungsträger aufgrund von noch nicht vollständig auskurierten Verletzungen zum Wettlauf gegen die Zeit werden würde. Die WM-Vorstellungen der Iberer stehen in keinem Vergleich zu jenen vor zwei Jahren an der EURO. Die Spanier wirkten bisher schwerfällig, ineffizient und uninspiriert. Zu Rang 1 in der Gruppe hat es dennoch locker gereicht. Trotzdem muss sich Spanien bedeutend steigern, um ein Wort um den Titel mitreden zu können.
- Portugal: Bisher wurde der amtierende Nations-League-Champion den Vorschusslorbeeren nicht gerecht. Einzig gegen das inferiore Usbekistan (5:0) vermochte die hochklassige Offensive um Cristiano Ronaldo sich zu entfalten. Auf dem Papier ist das Potenzial der Portugiesen riesig. Aber bringen die Lusitaner den Sand aus dem Getriebe?
Unberechenbar
- Deutschland: In der Partie gegen die Elfenbeinküste taten sich die Deutschen lange schwer, ehe Super-Joker Deniz Undav die Kohlen doch noch aus dem Feuer holte. Gegen Ecuador verzichtete der Trainer auf Rotationen – und dennoch ging der Match verloren. Das verletzungsbedingte WM-Aus von Nico Schlotterbeck könnte schwer wiegen. Und doch: Deutschland als Gegner wünscht sich in der K.o.-Phase wohl niemand.
- England: Die «Three Lions» begeisterten mit einem spektakulären 4:2-Auftaktsieg gegen Kroatien, verfielen dann aber mit einem trägen Auftritt gegen Ghana (0:0) in alte Muster. Auch gegen Panama (2:0) mühte sich das Tuchel-Team lange ab, ehe die Tore doch noch fielen. Die Engländer haben ihre Qualität angedeutet, noch fehlt aber die Konstanz.
- Marokko: Vor 4 Jahren in Katar ermöglichte eine schier unüberwindbare Defensive den Marokkanern den Halbfinal-Vorstoss. Heuer zeigte sich der Afrikameister in der eigenen Hälfte durchaus verwundbar, dafür ist man vorne für das eine oder andere zusätzliche Tor gut. Will Marokko den Coup von 2022 wiederholen oder gar toppen, muss die Defensive aber wieder stabiler werden.