Sowohl für Katar als auch für Kanada hatte das 1. Gruppenspiel an der WM 2026 historischen Charakter. Beide Teams sicherten sich erstmals einen Zähler an einer Endrunde, Kanada beim 1:1 gegen Bosnien-Herzegowina, Katar mit dem gleichen Resultat gegen die Schweiz.
Kanada hatte zuvor 6 Spiele verloren (1986, 2022), Katar war als WM-Gastgeber 2022 ebenfalls punktelos geblieben.
Von Toronto nach Vancouver
Klar, soll in Vancouver nun der nächste Schritt folgen: der 1. WM-Sieg. Kanada zählt dabei auf den Heimvorteil. Die Welle der Begeisterung soll von Kanadas Ost- an die Westküste schwappen. Der Auftakt gegen Bosnien-Herzegowina in Toronto war äusserst stimmungsvoll gewesen.
«Ich weiss, dass Vancouver eine Fussball-Stadt ist. Ich erwarte ein volles Stadion in roten Trikots. Wir brauchen die Zuschauer, um das Team zu pushen», appellierte Trainer Jesse Marsch und versprach: «Ich konzentriere mich ganz darauf sicherzustellen, dass wir ein Team auf dem Platz haben werden, das sein Bestes gibt und auf das die Menschen stolz sein können.»
Seit 2024 im Amt
Der 52-jährige US-Amerikaner ist seit Mai 2024 für die Auswahl des Co-Gastgebers verantwortlich – und hat dem Team seither Eigenschaften aus seiner Heimat eingepflanzt.
«In dem, was ich tue, steckt definitiv eine gewisse amerikanische Arroganz und dieses Selbstbewusstsein», sagte Marsch kurz vor Turnierbeginn in einem Interview des TV-Senders CBC über sich selbst.
Bescheidenheit und Freundlichkeit machen noch lange keine Champions.
In der kanadischen Gesellschaft würden Freundlichkeit, Grosszügigkeit und Aufrichtigkeit geschätzt. Und auch grosse Bescheidenheit. «Aber Bescheidenheit und Freundlichkeit machen noch lange keine Champions», sagte Marsch.
Die Mannschaft habe daher jemanden wie ihn gebraucht: «Jemanden, der etwas forscher ist, etwas selbstbewusster und der an das glaubt, was wir tun – das gibt uns bessere Chancen, als Sieger hervorzugehen.» Typisch amerikanisch eben.
Gegen Kanada zu spielen soll «die Hölle» sein
Die Arbeit der vergangenen zwei Jahre soll nun bei der XXL-Endrunde Früchte tragen und die Kanadier bei ihrer dritten WM-Teilnahme erstmals in die K.-o.-Phase bringen. Seine Schützlinge haben Marschs Mindset längst verinnerlicht.
«Wir hatten so einen Fragebogen zur Identität. Eine der Fragen, die ich ihnen gestellt habe, lautete: ‹Wie sollte es sich anfühlen, gegen uns zu spielen?› Und die Antwort darauf war: ‹Die Hölle›», berichtete Marsch. Das soll nun Katar zu spüren kriegen.
Kanada mit Davies gegen Katar
Gute Neuigkeiten gab es für Kanada zudem von der Kaderseite. Captain und Bayern-Star Alphonso Davies soll nach seiner Oberschenkel-Verletzung erstmals zum Einsatz kommen.
«Er war im Training diese Woche und wird zur Verfügung stehen. Wir werden sehen, wie das Spiel läuft und wie wir ihn einsetzen», sagte Marsch bei der Medienkonferenz am Mittwoch vor dem Spiel. Klar ist, dass die Chancen, Historisches zu erreichen, mit Davies sicher nicht kleiner werden.