Daniel Munoz ist dieser Tage ein gefragter Mann. In den Strassen von Bogota grüsst er als Posterboy von den Wänden – und nutzte seine neue Popularität gar zur Gründung einer eigenen Kleidermarke. Denn nicht die Stars wie Luis Diaz oder James Rodriguez setzen bislang die Ausrufezeichen für die Lateinamerikaner, vollkommen unerwartet nimmt der «Goldjunge» aus Amalfi diese Rolle ein.
Munoz spielte sich mit einer herausragenden Vorrunde bei der Weltmeisterschaft ins Rampenlicht, schoss als Rechtsverteidiger bei den Siegen gegen Usbekistan sowie die Demokratische Republik Kongo jeweils das 1:0 – und führte sein Team damit zum Gruppensieg vor Portugal.
Munoz' bisherige Tore
«Wir sind eine Familie, und hier ist der einzige Star die kolumbianische Mannschaft», betonte Munoz: «Nichts kommt von allein, niemand schenkt uns etwas.» Das gelte auch für Sechzehntelfinal-Gegner Ghana in Kansas City. Bislang gewannen die Südamerikaner in ihrer Geschichte erst ein K.o.-Spiel bei einer WM, diese Schreckensbilanz soll sich nun ändern.
Niemand wollte ihn
Dabei trägt mit Munoz jemand die Hoffnungen, der lange Zeit Welten entfernt war vom Profifussball. Geboren in Amalfi, wo sich einige der grössten Goldminen Kolumbiens befinden, wurde er im Alter von 18 Jahren von sämtlichen Vereinen der Topligen abgelehnt. Deshalb wollte er in die USA auswandern, um dort einem «normalen» Job nachzugehen. Weil sein Visumsantrag abgelehnt wurde, blieb Munoz in der Heimat und ging seiner grossen Leidenschaft im Amateurbereich nach.
«Es war nicht einfach, an einen neuen Ort zu kommen und zu wissen, dass einige der Teamkollegen bereits Profis waren.» Dies gelang ihm erst im Alter von 21 Jahren, als ihn der Erstligist Aguilas Doradas in Rionegro entdeckte. Mit seinen dortigen Leistungen zog er das Interesse seines Traumvereins Atletico Nacional auf sich. Von dort wechselte er nach Genk in Belgien und schliesslich weiter zu seinem jetzigen Klub Crystal Palace.
In der Premier League gilt er als «Pferdelunge», stellte bereits einige Laufrekorde auf. Er trug einen bedeutenden Anteil zu den Titeln in der Conference League, im FA Cup und im Supercup bei. Und wer weiss, wie weit Munoz im Schatten der Stars wie Diaz und Rodriguez sein Kolumbien bei der WM führen wird.