Die Schweiz will in Nordamerika die beste WM der Geschichte absolvieren. Neben den sportlichen Ambitionen ist das Abschneiden auch für die finanzielle Situation des Schweizer Fussballverbands wichtig. Erst mit dem Erreichen des WM-Achtelfinals wird man die WM-Kampagne mit einem Gewinn abschliessen.
Wie gross dieser sein wird, ist noch offen. Der Grund dafür: Es ist nach wie vor nicht klar, ob die USA die ausbezahlten Löhne während der WM besteuern werden – und wenn ja, wie stark. Der Hintergrund der Steuerthematik: In den USA erhebt jeder Bundesstaat einen anderen Steuersatz auf die Löhne. Kalifornien, wo die Nati während 28 Tagen (mit kurzen Unterbrüchen) logierte, weist mit 12% den höchsten in den ganzen USA auf.
WM wird kein Verlustgeschäft
Für die WM-Quali hat der Verband von der Fifa 9 Millionen US-Dollar erhalten. Dazu kommt ein Festbetrag von 1,5 Millionen für die Vorbereitung. Mit dem Achtelfinal-Einzug kommen weitere 6 Millionen dazu. Wo und wie dieses Geld versteuert werden muss, steht noch immer in den Sternen.
So sagte SFV-Kommunikationschef Adrian Arnold am Samstag im National Soccer Development Center in Vancouver: «Die Steuerthematik ist noch immer offen. Aber mit der Achtelfinal-Quali ist klar, dass wir keine roten Zahlen schreiben werden. Bis jetzt wäre es ein Nullsummenspiel gewesen.»
Die Ausgaben sind enorm
Denn eine WM kostet auch. Die Ausgaben für Reisen, Ernährung, Unterbringung etc. sind enorm. Zwar beteiligt sich die Fifa an den Kosten für die 65 Spieler und Staff-Mitglieder, doch Arnold rechnet vor, dass ein Charterflug in die USA den Verband bis zu 1 Million gekostet hätte. Weil man für die Hinreise indes einen normalen Linienflug habe nehmen können, sei man billiger davongekommen.
Trotzdem: Das Erreichen der Achtelfinals ist wichtig. Nicht nur für das Selbstverständnis der Nati-Cracks, sondern auch für den Schweizer Fussball. Denn mit dem Gewinn – nach der WM in Katar hatte dieser knapp 3 Millionen betragen – finanziert der SFV zahlreiche Projekte im Breiten- und Spitzensport.
Wir sind alle noch hungrig, wollen mehr erreichen
Mit einer Quali für die Viertelfinals kämen weitere 4 Millionen dazu. Doch um Geld geht es nicht. So sagt Nati-Direktor Pierluigi Tami: «Bis jetzt gab es für die Spieler nicht so hohe Prämien. Wenn wir weiterkommen, werden die Zahlen andere sein. Für den Verband könnten das grosse Summen sein. Für die Spieler sind sie nicht so hoch.»
Die Motivation liegt im sportlichen Ehrgeiz: «Ich bin froh, wie wir bis jetzt gespielt haben und uns als Team entwickelt haben. Aber ich spüre auch: Wir sind alle noch hungrig, wollen mehr erreichen», führt Tami aus.
Respekt vor Kolumbien
Gegen Kolumbien wartet nun ein Gegner auf die Nati, der vielleicht nicht den ganz grossen Namen hat, aber dennoch ein harter Brocken wird. «Kolumbien wurde in der WM-Quali hinter Argentinien und Ecuador – aber vor Brasilien – Dritter. Sie sind physisch, technisch und taktisch ein sehr interessantes Team», sagt Tami. «Aber auch wir haben gezeigt, dass es nicht einfach ist, gegen uns zu spielen.»
Tami ist zuversichtlich, dass der erstmalige Vorstoss in einen WM-Viertelfinal in der modernen Ära des Fussballs gelingt. Man habe nach dem Out gegen Portugal vor vier Jahren an der WM in Katar die richtigen Schlüsse gezogen und entscheidende Sachen verbessert. Die EM 2024 mit dem unglücklichen Viertelfinal-Out gegen England habe ihm gezeigt, dass man auf dem richtigen Weg sei. Auch die Buchhalter beim SFV würden sich auf weitere Einkünfte freuen.