Über Pro und Contra einer Weltmeisterschaft mit 48 Teams lässt sich endlos diskutieren. Was indes Fakt ist: Der Modus ist nicht für alle gleich fair, das zeigt der Blick auf die Paarungen im Sechzehntelfinal. Während die einen Gruppenzweiten gegen einen anderen Zweitplatzierten antreten dürfen, gibt es auch Gruppenzweite, welche sich mit einem Gruppensieger duellieren müssen. Zu letzterer Kategorie gehört Japan.
Schlechter Lohn für gute Vorrunde
Die Japaner machten in der Vorrunde eine äusserst erfrischende Figur und holten in der durchaus komplizierten Gruppe F mit den Niederlanden, Schweden und Tunesien 5 Punkte, was für Rang 2 genügte. Die Auslosung meinte es jedoch nicht sehr gut mit dem vierfachen Asienmeister.
Bereits in der ersten K.o.-Runde wartet mit Brasilien der Rekord-Weltmeister. Zum Vergleich: Australien holte als Zweiter der Gruppe D weniger Punkte als Japan und trifft im Sechzehntelfinal mit Ägypten ebenfalls auf einen Gruppenzweiten – und einen auf dem Papier deutlich schwächeren Gegner als Brasilien.
Ein Team ohne Egos
Trotz der grossen Herausforderung darf sich Japan gegen Brasilien durchaus valable Chancen aufs Weiterkommen ausrechnen. Das Team von Trainer Hajime Moriyasu ist der «Seleçao» individuell zwar unterlegen, ist aber klar die homogenere der beiden Mannschaften. Brasilien lebte in der Vorrunde von der Extraklasse von Vinicius Junior, als Einheit konnte die Equipe Carlo Ancelottis aber nicht restlos überzeugen.
Bei den Japanern fehlen die ganz grossen Namen. Mit Wataru Endo und Kaoru Mitoma mussten zwei Schlüsselspieler bereits vor dem Turnier verletzungsbedingt Forfait geben. Dass Japan es geschafft hat, diese beiden Ausfälle zu kompensieren, zeigt, wie geschlossen die Ostasiaten auftreten. Jeder Spieler auf dem Platz weiss ganz genau, was zu tun ist. Daizen Maedas 1:0-Führungstreffer gegen die Schweden im letzten Gruppenspiel steht symptomatisch für das Auftreten Japans. Egos haben keinen Platz, der Star ist das Team.
Unterschiedliche Ansätze, gleiches Ziel
Wenn es Japan gelingt, Vinicius Junior in Schach zu halten, ist eine Überraschung möglich. Allerdings dürfte genau das nicht ganz einfach werden. Der Angreifer von Real Madrid zeigte sich im bisherigen Turnier von seiner besten Seite und steht vor dem Start zur K.o.-Phase bereits bei 4 Treffern.
Man darf gespannt sein, welcher Spielstil sich am Montag in Houston durchsetzt. Jener Brasiliens, welcher auf der individuellen Klasse seiner Schlüsselakteure basiert. Oder doch der kollektive Ansatz der Japaner. So oder so: Brasilien vs. Japan ist ein Duell, das ohne Weiteres auch erst in einem Achtel- oder Viertelfinal seine Berechtigung hätte. Nun muss sich eines der beiden Teams aber bereits in der Runde der letzten 32 verabschieden.