Der Tenor rund um das spanische Nationalteam war in der heimischen Presse auch schon positiver als aktuell. Der amtierende Europameister sicherte sich in der Gruppe H zwar letztlich ungefährdet den 1. Platz. Der Eindruck, welchen die Spanier dabei hinterliessen, war aber in keinster Weise furchteinflössend.
Diverse Baustellen
Die mit Ausnahme der ersten Halbzeit im zweiten Spiel gegen Saudi-Arabien schwache Vorrunden-Performance der «Roja» liess in der Heimat Zweifel aufkommen. Zweifel daran, dass Spanien zu den Favoriten auf den WM-Titel zählt. Und mehr noch: Die Skepsis reicht mancherorts so weit, dass bereits ein Weiterkommen im Sechzehntelfinal gegen Österreich in Frage gestellt wird. Die Bedenken haben verschiedene Gründe:
- Fehlende Fitness: Diverse Spieler im spanischen WM-Aufgebot kehrten erst kürzlich von Verletzungen zurück und sind entsprechend noch nicht bei 100 Prozent. Zu ihnen gehört Hoffnungsträger Lamine Yamal. Zu allem übel zog sich der linke Flügelstürmer, Nico Williams, im letzten Gruppenspiel eine Verletzung zu und steht vorerst nicht zur Verfügung.
- Schwächelnde Form: In der letzten Ausgabe der Nations League und in der WM-Qualifikation waren die Spanier eine Macht, traten äussert dominant und selbstsicher auf. Davon ist an der WM (noch) nichts zu sehen. Besonders das Prunkstück der Mannschaft von Coach Luis de la Fuente, das Mittelfeld, schwächelt. Schlüsselspieler wie Pedri, Rodri oder Fabian Ruiz suchen nach ihrer Form.
- Mangelnde Effizienz: Es ist nicht so, dass sich Spanien in der Gruppenphase gegen Kap Verde (0:0), Saudi-Arabien (4:0) und Uruguay (1:0) Torchancen im Minutentakt erspielt hat. Der eine oder andere Treffer mehr wäre aber sicher drin gelegen. Im Abschluss fehlte bisher die letzte Konsequenz, etwa bei Ferran Torres oder Dani Olmo.
Während extern vieles im spanischen Team in Frage gestellt wird, bleibt man intern ganz ruhig und vertraut auf die eigene Stärke. Yamal etwa mahnt zur Geduld: «Die Gruppenphase hat nichts mit der K.o.-Phase zu tun. Die WM beginnt jetzt», so der 18-jährige Shootingstar.
Österreichs zweite Chance
Trotz den bisher enttäuschenden Auftritten steigt Spanien als amtierender Europameister als Favorit in das Sechzehntelfinal-Duell mit Österreich. Ralf Rangnick nimmt seinen Schützlingen denn auch jeglichen Druck von den Schultern: «In diesem Spiel können wir tatsächlich nur gewinnen», betonte der ÖFB-Coach.
Nach dem Drama von Kansas City, bei dem sich Österreich in extremis doch noch für die K.o.-Phase qualifizierte, ist die Rede im österreichischen Lager von einer «zweiten Chance». Der Underdog ist sich bewusst, dass am Donnerstag alles passen muss, um die Spanier aus dem Turnier zu werfen: «Das ist das nächste Endspiel», betonte Rangnick. Es brauche eine Leistung im «obersten Level», um in diesem Spiel eine Chance zu haben. Doch nach dem aberwitzigen Gruppenfinale gegen Algerien (3:3) ist die Lust auf den Einzug in den Achtelfinal gross.