«Man hat gesehen, dass Argentinien in den letzten beiden Spielen auch verwundbar war», sagte Murat Yakin bereits nach dem überstandenen Achtelfinal über den nächsten WM-Gegner der Schweiz.
Der amtierende Weltmeister hat nach einer mehrheitlich souveränen Gruppenphase im Sechzehntel- und Achtelfinal tatsächlich nicht wie gewohnt überzeugt. Gegen den krassen Aussenseiter Kap Verde setzte man sich erst in der Verlängerung durch, gegen Ägypten gelang nach 0:2-Rückstand die späte Wende.
Martinez und Alvarez neben Messi blass
«Vor der WM habe ich gesagt, Argentinien sei ein Titelkandidat. Aber von Spiel zu Spiel merkt man, dass etwas fehlt. Das Spiel über die Flügel findet kaum statt. Sie hängen viel zu sehr von Lionel Messi ab», sagt Nestor Clausen. Der argentinisch-schweizerische Doppelbürger ist hierzulande aus seiner Zeit als Spieler und Trainer beim FC Sion bekannt. 1986 stemmte der heute 63-Jährige an der Seite von Diego Armando Maradona den Weltmeisterpokal in die Höhe.
Die Abhängigkeit von Messi ist offensichtlich. Der 39-Jährige hat über die Hälfte der argentinischen Tore erzielt. Ansonsten lahmen die Offensivkräfte: Lautaro Martinez ist der einzige andere Stürmer, der schon ein persönliches Erfolgserlebnis vorzuweisen hat. Julian Alvarez, beim Titel vor vier Jahren noch kaum zu bremsen, hat noch kein Tor auf dem Konto.
Lionel Scaloni baute in den ersten vier Spielen jeweils auf Martinez in der Startelf. Gegen Ägypten schenkte er Alvarez das Vertrauen. Der Trainer scheint noch auf der Suche nach der perfekten Formation zu sein.
Schnelle Konter als Schlüssel für die Nati?
Clausen ortet die grössten Probleme der «Albiceleste» indes in der Defensive. «Entscheidend ist, was die Schweiz nach Balleroberungen macht. Genau dann muss sie das Tempo anziehen, denn Argentinien ist defensiv nicht schnell», sagt er. Die Anfälligkeit auf Konter zeigte sich zuletzt beim 2:0 Ägyptens, bei dem Lisandro Martinez keine gute Figur machte.
Sein Namensvetter Emiliano erhielt im Tor noch nicht viele Gelegenheiten, sich wirklich auszuzeichnen. Von den 8 WM-Viertelfinalisten hat zwar nur Spanien (5) weniger Schüsse aufs Tor zugelassen als Argentinien (9). Argentinien kassierte jedoch 5 Gegentore aus diesen Versuchen (56 Prozent). Die Schweiz hat im Turnierverlauf erst 3 Gegentore hinnehmen müssen, dafür aber auch weniger geschossen (9 gegenüber 14 von Argentinien).
Viele späte Tore
In der Favoritenrolle bleibt trotz allem die Scaloni-Elf. Nur schon die jüngste WM-Bilanz ist respekteinflössend: Seit dem 1:2 gegen Saudi-Arabien zum Auftakt in Katar hat Argentinien kein WM-Spiel mehr verloren. In jeder der letzten 11 WM-Partien erzielte das Team jeweils mindestens 2 Tore. Besonders gegen Ende zeigen sich Messi und Co. gefährlich: 6 Treffer fielen in der Schlussviertelstunde der regulären Spielzeit, 2 in der Verlängerung.