Sandra Stöckli nimmt kein Blatt vor den Mund, wenn sie ihre schwierigen letzten Jahre nach dem Zusammenbruch an der Weltmeisterschaft 2024 beschreibt: «Es war ein sehr schwieriger, steiniger Weg. Eine Achterbahnfahrt mit vielen Tiefs.» In Zürich hatte die Handbikerin im Strassenrennen das Bewusstsein verloren, danach wurde eine endokrinologische Erkrankung festgestellt.
«Viel Verzweiflung, viele Rückschläge, viel Geduld», erzählt Stöckli weiter von den vergangenen zwei Jahren. Zwischenzeitlich sei alltägliches, wie der Weg vom Schlafzimmer ins Badezimmer, zur Herausforderung geworden. An ein Comeback im Leistungssport war lange gar nicht zu denken.
Die Frage, die sich Stöckli immer wieder stellte: «Kommt es wieder gut?» Das kam es tatsächlich. Die 40-Jährige kämpfte sich zurück und wird am Wochenende an den Europameisterschaften in Italien teilnehmen.
Rücktritt kein Thema
Ein Rücktritt war während der Leidenszeit nie ein ernsthaftes Thema: «Ich wollte auf keinen Fall meine Karriere auf dem Asphalt in Zürich an der Heim-Weltmeisterschaft beenden.» Das Ziel sei es immer gewesen, noch ein Rennen zu fahren – auf welcher Stufe auch immer.
Es wurde die höchste Stufe. Mit den Titelkämpfen in Maniago und Montereale Valcellina steht für Stöckli nun ein Highlight an. Doch bereits ihre Teilnahmen an den vergangenen Rennen haben ihr viel bedeutet: «Die Gefühle, die ich hatte, als ich zum ersten Mal wieder an die Startlinie bin, sind nicht in Worte zu fassen.»
Kein Rang-Ziel
Nach dieser Geschichte sind die Ziele für die EM bei Stöckli selbstredend anders definiert als an den vergangenen Grossanlässen. «Ziel ist es, meinen ‹Schutzmantel›, den ich in den vergangenen Rennen noch hatte, abzulegen. Und dann wirklich Vollgas zu geben.»
Rangierungen sind für die zweifache Gesamtweltcupsiegerin also vorerst nebensächlich. Doch wenn ihr Steigerungslauf so weitergeht, wird sie bald wieder ganz vorne mitfahren können.