Der 400-m-Sprinter Haydn Brotschi hat über 400 m das EM-Ticket für Birmingham gelöst. Als Meisterschafts-Zweiter (46,10) im Zürcher Letzigrund begleitet er den Sieger Lionel Spitz (45,34) und den drittplatzierten Ricky Petrucciani (46,13) nach England.
Brotschi ist amerikanisch-schweizerischer Doppelbürger und lief die 400 m Mitte Mai in 45,20 Sekunden. Als hierzulande völlig Unbekannter meldete er sich bei den verdutzten Funktionären von Swiss Athletics mit der Frage, was er tun müsse, um für die Schweiz an der EM starten zu können.
Tickets für Rosamilia und Vancardo
Da der 21-Jährige nie international für die USA angetreten war, ging es schnell. Brotschi besitzt seit Mitte Juni die Startberechtigung für die Schweiz und wird vom Weltverband als Schweizer geführt. Der Kalifornier, dessen Vater aus Bolken im Kanton Solothurn stammt, bleibt nun in der Schweiz und reist in knapp zwei Wochen nach England. Ab September wird Los Angeles seine Heimat sein. Dort will er das Masterstudium in Datenwissenschaften und Biomedizin abschliessen.
Über die 400 m der Männer hätten die drei Startplätze für Birmingham eigentlich im Trials-System vergeben werden sollen. Weil Vincent Gendre verletzungsbedingt passen musste, blieben jedoch nur noch drei Athleten für drei Startplätze. Brotschi hatte die Limite ebenso erfüllt wie Spitz und Petrucciani.
Im 800-m-Lauf der Frauen gingen die EM-Tickets an Audrey Werro, die in 1:57,21 Minuten siegte, sowie Valentina Rosamilia (1:58,74) und Veronica Vancardo (1:59,11). Werro hatte am Samstag als Härtetest zusätzlich den Vorlauf über 400 m bestritten und verpasste in 50,80 Sekunden den Schweizer Rekord von Lea Sprunger (50,52) nur knapp.
Kälin siegt in Abwesenheit von Kambundji
Im Hürdensprint der Frauen gewann Annik Kälin in Abwesenheit der Weltmeisterin Ditaji Kambundji in starken 12,67 Sekunden. Bei den Männern holte sich Jason Joseph (13,30 über 110 m Hürden) sein neuntes SM-Gold in Serie.
Stabhochspringerin Angelica Moser überquerte im dritten Versuch 4,70 m. Die Zürcherin gewann damit sogar ihren zehnten Titel in Folge. Beflügelt vom 100-m-Gold am Samstag liess William Reais über 200 m erneut den Europameister Timothé Mumenthaler hinter sich. Der Bündner gewann bei Windstille in 20,37 Sekunden.