Hinter Fussball ist Cricket weltweit gesehen die zweitgrösste Sportart. In der Schweiz ist Cricket eine Randsportart – noch. Denn wenn es nach den Verantwortlichen von Cricket Switzerland geht, soll hierzulande die Aufmerksamkeit für das im 16. Jahrhundert in England erfundene Spiel in den kommenden Jahren exponentiell wachsen.
Langersehnte Premiere
Um genau dies zu erreichen, unternahm der nationale Verband grosse Anstrengungen. Vor zwei Jahren wurde ein Frauen-Nationalteam gegründet. Und nun findet vom 27. bis 31. Juli in Embrach/ZH erstmals überhaupt ein international anerkanntes Cricket-Turnier auf Schweizer Boden statt.
Mit von der Partie sind neben den Schweizerinnen auch die Auswahlen aus Brasilien, Spanien und Jersey, einer Insel im Ärmelkanal. Ihr Auftaktspiel hat die Schweiz am Montag gegen Jersey verloren. Das Resultat spielt dieser Tage jedoch nur eine untergeordnete Rolle. Vielmehr geht es um die Signalwirkung, welche dieser Event auslösen kann.
Heimturnier als Schaufenster
Ashvin Lakkaraju, der Geschäftsführer von Cricket Switzerland, spricht im Interview mit SRF von einem «historischen Moment für uns». Man habe sehr lange auf diese Gelegenheit gewartet. «Wir wollen Frauen-Cricket bewerben. Das Turnier bietet uns nun endlich die Chance dazu», so Lakkaraju.
Lakkaraju ist überzeugt, dass das Turnier in der Schweiz helfen wird, junge Menschen für Cricket zu begeistern. «Es ist schwierig, Leute aus dem Ausland für den Sport in die Schweiz zu holen. Deshalb ist es so wichtig, dass wir dieses Heimturnier als Schaufenster nutzen können.»
Viele Expats in der Nati
Das Schweizer Nationalteam ist gespickt mit Expats, die ihre Wurzeln in jenen Ländern haben, in denen sich Cricket einer grossen Beliebtheit erfreut. Dazu gehören vor allem Indien, England und Australien. Spielerinnen mit Schweizer Pass sind klar in der Unterzahl. Auch das soll sich unter anderem dank des Vierländer-Turniers in Zürich aber bald ändern.
Meghna Rajan gilt als grösste Nachwuchshoffnung der Schweiz. Die 17-Jährige ist für ihren Traum nach England gezogen. Dort spielt sie in einer U-Auswahl von Nottingham. «Das Ziel ist, in zwei oder drei Jahren Profi zu werden», erzählt die gebürtige Schweizerin.
Cricket ab 2028 olympisch
Rajan ist nicht die Einzige im Schweizer Nationalteam, die gross denkt. Auch Franziska Kuenburg hat durchaus ambitionierte Ziele. «Ich hoffe, dass wir Jersey in fünf Jahren auf jeden Fall schlagen. Und dass wir uns für eine WM qualifizieren. Das wäre ein riesiger Meilenstein», meint die Österreicherin, die für die Schweiz aufläuft.
Eine zusätzliche Motivation für die aktuellen und zukünftigen Cricket-Spielerinnen ist die Tatsache, dass die Sportart ab den Sommerspielen 2028 in Los Angeles zum olympischen Programm gehört. Für Kuenburg eine logische Entwicklung: «Es ist höchste Zeit, dass Cricket olympisch wird. Ob wir als Schweiz in zwei Jahren mit dabei sind, wage ich aktuell noch zu bezweifeln. Aber träumen darf man ja.»