Der traditionelle Berchtold-Schwinget in der Saalsporthalle in Zürich eröffnete am 2. Januar die Schwingsaison, die im Kilchberger Schwinget vom 5. September gipfelt. Dazwischen stehen neben zahlreichen Regionalfesten auch 38 Kranzfeste an, ein Grossteil davon bereits im Mai. Zum Start der Kranzfestsaison mit dem Ob- und Nidwaldner Kantonalen in Hergiswil folgt eine Einschätzung zu den Kräfteverhältnissen.
Sorgenkind aus der Innerschweiz
Als grosser Aussenseiter startet der Innerschweizer Verband in die neue Saison. Zu schwer wiegen die Rücktritte von König Joel Wicki und dem Zuger Hünen Pirmin Reichmuth. In die Bresche springen sollen die routinierten Marcel Bieri und Sven Schurtenberger sowie der talentierte Urner Neueidgenosse Lukas Bissig. Ob das jedoch reicht, um der Konkurrenz Paroli zu bieten, darf zumindest bezweifelt werden.
Zwei Powertruppen
Mit Samuel Giger und Werner Schlegel standen sich zwei Nordostschweizer im Schlussgang des Eidgenössischen Schwing- und Älplerfests im vergangenen Jahr in Mollis gegenüber. Dass nach einem Gestellten zwischen den beiden mit Armon Orlik ein Athlet aus dem Nordostschweizer Verband den Königstitel erbte, zeigt die enorme Dichte an Spitzenschwingern in diesem Teilverband.
Auch in diesem Jahr dürfte bei Festen mit Ostschweizer Beteiligung kein Weg an Orlik & Co. vorbeiführen. Denn mit Damian Ott, Domenic Schneider und Marcel Räbsamen lässt sich auch die zweite Garde mehr als sehen.
Der einzige Teilverband, der es sowohl in der Breite als auch in der Spitze mit den Nordostschweizern aufnehmen kann, ist jener aus Bern. In Mollis holte kein anderer Teilverband so viele Kränze (12) wie die Berner, die den Nordostschweizern mit dem Power-Trio Fabian Staudenmann, Michael Moser und Adrian Walther dagegenhalten.
Hinzu kommen Matthias Aeschbacher und Curdin Orlik, die an jedem Fest den Sieg holen können. Zwischen den Nordostschweizern und den Bernern darf ein Kampf auf Augenhöhe erwartet werden.
Ein Emporkömmling und ein Aussenseiter
Nicht verstecken müssen sich die Nordwestschweizer. Nebst den arrivierten Nick Alpiger, Adrian Odermatt und dem derzeit noch am Knie verletzten Joel Strebel haben sie in Sinisha Lüscher und Marius Frank zwei hoffnungsvolle Talente, die in Mollis den Eidgenössischen Kranz holten und mit ihrer spektakulären Schwingart weiter für Aufsehen sorgen können.
In der Aussenseiterrolle sind auch in dieser Saison die Südwestschweizer. In Mollis holten sie durch Benjamin Gapany lediglich einen Kranz – Romain Collaud und Lario Kramer verpassten das angestrebte Eichenlaub. Eine schlechtere Ausbeute gab es für den SWSV an einem Eidgenössischen lediglich zweimal.
Der Saisonhöhepunkt am Zürichsee
Grosser Höhepunkt der diesjährigen Saison ist der Kilchberger Schwinget am 5. September. Seit 1927 wird er im Sechsjahres-Rhythmus durchgeführt. Nur 60 Schwinger geniessen Startrecht, womit die Dichte an Spitzenathleten deutlich höher ist als beim ESAF (274 Schwinger) oder am Unspunnen (120).
Beim letzten Kräftemessen oberhalb des Zürichsees, das aufgrund der Corona-Pandemie um ein Jahr nach hinten verlegt worden war, schwang ein Trio obenaus – ein Novum in der bald 100-jährigen Geschichte des Festes mit eidgenössischem Charakter. Die Nordostschweizer Giger und Ott teilten sich den Sieg mit dem Berner Staudenmann. Alle drei gehören auch dieses Jahr zu den Favoriten.