«Bei den meisten wäre es eine Wasserverschwendung, wenn sie ihr Bike selber waschen würden», meint Gavin Black lachend. Entgegen der Erwartung mag der Mechaniker auch diesen Teil seiner Arbeit: Das vollgespritzte und schlammverkrustete Mountainbike der Athletinnen und Athleten nach getaner Arbeit wieder zu reinigen.
Noch lieber steht Black aber in der «Tech Zone» auf der Strecke, in diesen Tagen südwestlich von Paris’ Stadtkern beim Colline d'Élancourt. Es ist Samstag, das letzte Training vor dem Showdown an den Olympischen Spielen steht für «seine» Athletin Alessandra Keller an.
Die nachnominierte zweite Schweizerin Sina Frei wurde noch vom Mechaniker ihres Weltcup-Teams SD Worx betreut und kommt für das Rennen in die Obhut des zweiten Schweizer Mechanikers, Yanick Gyger.
Sein Kollege Black hat eine ruhige Schicht. Keller kommt ohne Defekte durch und will am Tag vor dem Olympia-Rennen auch nicht mehr gross neues Material testen – einzig ein paar verschiedene Varianten an Reifen werden durchprobiert.
Schotte verteilt auch Bier
Intensiv geübt wird dafür die Getränke-Übergabe, denn auch dafür sind die Mechaniker zuständig. Black hat seine ganz eigene Technik, wie er die Flasche der Athletin präsentiert. «So kann ich sie länger festhalten und sie wird mir nicht so leicht aus der Hand geschlagen», erklärt er.
Es herrscht eine entspannte Stimmung in der «Tech Zone». Black scherzt mit seinen Pendants der anderen Nationen. Beim Thema «feeden» (Staff-Slang für das Verpflegen) meint der gebürtige Schotte spasseshalber, dass er Keller für die letzte Runde vielleicht noch ein Bier hinhalte.
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Bild 1 von 3. Das Timing ist der Schlüssel. Black versorgt Keller mit einer frischen Ration Isostar. Bildquelle: SRF/Tobias Wüst.
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Bild 2 von 3. Pole Position. Die Schweizer «Tech-Zone» steht ganz zuvorderst. Bildquelle: SRF/Tobias Wüst.
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Bild 3 von 3. Trainingsbesprechung. Black, Keller und Teammanager Ralph Näf (v.l.n.r.) tauschen sich nach dem Training aus. Bildquelle: SRF/Tobias Wüst.
Bereits vor dem 2. Training am Samstag (am Donnerstag hatten die Athletinnen den Élancourt-Hügel ein erstes Mal erkundet) hat sich Black mit Keller ausgetauscht und die technischen Details wie den Reifendruck oder die Gummihärte besprochen. «Am Ende entscheidet immer die Athletin», so der Mechaniker. «Ich gebe aber meine Inputs, und meistens sind wir uns sowieso einig.»
Ein Platten ist immer der Fehler des Athleten.
Dass Black mit seiner Arbeit eine grosse Mitverantwortung trägt, ist dem 34-Jährigen bewusst. Seit 2019 ist er im Cross Country tätig, davor hat er 6 Jahre Downhill-Athletinnen und -Athleten betreut. Ein richtiger «Bock» ist ihm noch nie unterlaufen – und für ihn ist klar: «Ein Platten ist immer der Fehler des Athleten.»
Oft werde der Athlet oder die Athletin mit Dauer des Rennens und der Ermüdung fahrlässiger und würde nicht mehr den technischen Einstellungen entsprechend fahren – und damit den Defekt riskieren.
Mit Physis zur Medaille?
Für das Olympia-Rennen der Frauen vom Sonntag hofft Black natürlich auf so wenig Einsatzzeit wie möglich. Keller traut er viel zu: «Die Strecke ist einfacher als normalerweise im Weltcup, aber trotzdem physisch. Das mag Alessandra.»
Die Gesamtweltcupsiegerin von 2022 im Cross Country sei bereit, so Black. «Es kann für alles reichen ...»