Zum Inhalt springen
Inhalt

Ledeckas Sieg bewegt Mit Shiffrins Ski zur Sensation

Am Tag nach dem Frauen-Super-G liefert SRF-Experte Michael Bont erstaunliche Analysen zum Rennen.

Legende: Video Billeter und Bont können es nicht fassen abspielen. Laufzeit 00:37 Minuten.
Aus PyeongChang 2018 vom 17.02.2018.

Es war die Sensation der Olympischen Spiele in Pyeongchang, wenn nicht gar der Ski-Geschichte überhaupt: Mit der Tschechin Ester Ledecka triumphierte im Super-G nicht nur eine Fahrerin, die zuvor als Siebte im Weltcup erst einmal in die Top Ten vorgestossen war (im Super-G konnte sie als Bestergebnis einen 19. Rang vorweisen). Mit der 22-Jährigen jubelte völlig überraschend eine Sportlerin, die als Snowboarderin bekannt geworden war.

In einem Hundertstel-Krimi verpasste Lara Gut Edelmetall um einen Wimpernschlag. «Sie musste die bitterste Pille schlucken mit dem 4. Rang», sagt Michael Bont. Der SRF-Experte kann sich an kein ähnlich verrücktes Rennen erinnern.

Am Tag nach dem Super-G hält er fest: «Der Wind hatte ein Stück weit einen Einfluss auf das Rennen.» Doch der Bündner sagt auch, dass er bei der Analyse der einzelnen Zeiten nicht glaube, dass der Wind «der absolute Spielverderber für die Favoritinnen war». Seine Schlussfolgerung ist einfach: «Die Topfavoritinnen haben auch aufgrund von Fahrfehlern gepatzt.»

Ledeckas beeindruckende Konstanz

Auf der anderen Seite streicht er die starke Leistung Ledeckas und vor allem deren Konstanz heraus: «Sie hatte nirgends eine Abschnittsbestzeit. Aber sie fuhr konstant und ohne Fehler.» Überhaupt überzeuge die Tschechin fahrerisch. «Sie ist extrem weit», sagt Bont über das Multitalent.

Die Topfavoritinnen sind fahrerisch gescheitert. Dadurch wurde das Podest offener für viele mehr.
Autor: Michael Bont

Auffallend bei der Analyse der einzelnen Abschnittszeiten ist, dass sowohl Gut als auch die direkt vor ihr platzierte Tina Weirather auf dem zweitletzten Streckenabschnitt viel Zeit einbüssten. «Wie sehr der Wind bei ihnen in diesem Abschnitt ein Faktor war, werden wir nie genau beantworten können», sagt Bont.

Unten konnte Gut aufdrehen und stellte trotz nicht optimalem Zielsprung die Bestzeit auf dem letzten Abschnitt auf. Doch das reichte bekanntlich nicht. Anders verhielt es sich bei Michelle Gisin, die bis kurz vor dem Ziel «eine perfekte Fahrt» zeigte, so Bont. Doch auf dem letzten Abschnitt verspielte sie wegen einem Linienfehler eine mögliche Medaille.

Die Schlussfolgerung Bonts ist einfach: Favoritinnen wie Lindsey Vonn, die bei der letzten Zwischenzeit «nur» auf Zwischenrang 5 war, oder Sofia Goggia seien fahrerisch gescheitert. «Dadurch wurde das Podest offener für viele mehr», sagt der Experte.

Schnell dank Shiffrins Ski

Ledecka wusste die Gunst der Stunde bekanntlich zu nutzen. Und was bei ihrem Coup nebst einer guten Fahrt taktisch auch aufgegangen ist: Die Tschechin war nicht mit ihren eigenen Ski unterwegs, sondern mit denjenigen von Mikaela Shiffrin.

«Wir wissen ja, dass Shiffrin in den Speeddisziplinen extrem schnell war. Das gute Material hat sicher einen Teil zu Ledeckas Triumph beigetragen», sagt Bont. Gerade, weil das Rennen so eng war. Dies ist auch ein Coup für die Skifirma von Ledecka und Shiffrin. Denn auf den Rängen 2, 3 und 4 lagen mit Anna Veith, Weirather und Gut allesamt Markenkolleginnen der Konkurrenz.

So schnitten die Fahrerinnen in den einzelnen Sektoren ab.
Legende: Die Analyse der Zwischenzeiten So schnitten die Fahrerinnen in den einzelnen Sektoren ab. SRF

Sendebezug: Laufende Olympia-Berichterstattung

9 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Hansueli Lehner (Hansueli Lehner)
    Das war echt ein genialer Streich den die Snowborderin Ledecka den Skicracks geboten hat. Ich hoffe dass dadurch die so genannte Skistars endlich realisieren dass ihnen Snowborderinnen und Snowborder ebenbürtig sind. Es ist auch kein Zufall dass Esther Ledecka gewonnen hat. Auf einem Snowboard brauch es viel mehr Gefühl wie auf Skiern. Das kann ich aus eigener Erfahrung sagen. Bis 40ig fuhr ich Ski und bin dann aufs borden. Herzliche Glückwünsche an Esther Ledecka zur Goldmedalie..
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Patrik Müller (P.Müller)
    Hey, Lara Gut und Wendy Holdener: Zieht doch mal ein Snowboard an und fegt diese lahmen Boarder in Grund und Boden!!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Steff Stemmer (Steff)
      Das sollten sie unbedingt tun, ich bin fest davon überzeugt, dass die Ernüchterung riesig wäre. Mit anderen Worten: Die Skifahrer hätten keine grossen Changen, gegen die lahmen Snowboarderinnen...
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Pius Wihler (Pius Wihler)
    Esther Ledecka hat den Snowboarderinnen und Snowboardern eine riesen Dienst erwiesen mit dem Gewinn dieses Rennens. Sie zeigt damit eindrücklich, was die Snowboarderinnen und Snowboarder können und hebt sie damit endlich auf die selbe Stufe wie die Skifahrer, auch wenn das vermutlich viele bis anhin nicht wahrhaben wollten! Ich ziehe den Hut vor der Snowboardweltmeisterin und nun auch Super-G Olympiasiegerin!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen