Giulia Steingruber: Gerüstet mit einer Weltneuheit

Keine 2 Wochen mehr bis zum Start der Olympischen Spiele. Gemeinsam mit unseren Experten analysieren wir die Schweizer Medaillen-Kandidaten. Heute: SRF-Co-Kommentator Roman Schweizer über Giulia Steingruber.

1. Der Formstand

Giulia Steingruber ist top fit. An der Heim-EM in Bern konnte sie mit Doppel-Gold (Boden/Sprung) brillieren. An diese Erfolge möchte sie anknüpfen. Ihren neu entwickelten «Steingruber»-Sprung übt sie täglich. Genau auf Rio sollte er wettkampfmässig parat sein. Aber auch der Mehrkampf ist für sie ein Thema. Sie ist eine Allrounderin und trainiert wöchentlich 30 Stunden an allen 4 Geräten. Darum ihr Ziel: 3 Finalqualifikationen.

2. Die grössten Konkurrentinnen im Sprungfinal

  • Simone Biles (USA): Biles ist das Mass aller Dinge im Frauen-Kunstturnen. Sie ist die amtierende Weltmeisterin im Mehrkampf. Am Sprung hat sie in diesem Jahr ein neues, schwierigeres Element im Programm. Für mich ist sie deshalb die erste Anwärterin auf Gold.
Oksana Tschussowitina nimmt Anlauf zum Sprung. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Oksana Tschussowitina Wirbelt auch mit 41 Jahren die Konkurrenz noch durcheinander. Keystone

  • Maria Paseka (Russ): Die Sprungspezialistin gewann bereits vor 4 Jahren in London Bronze. Sie beherrscht ihre zwei Paradesprünge und wird in Rio wieder eine Medaille anpeilen.
  • Oksana Tschussowitina (Usb): Sie ist bereits 41 Jahre alt und bestreitet in Rio ihre 7. Olympischen Spiele. Das ist Rekord. Sie ist nicht nur dabei, sondern hat am Sprung Chancen auf eine Medaille. Sie zeigt einen Dreifachsalto vorwärts gehockt (Produnowa). Falls sie diesen Sprung steht, reicht es aufs Podest.

3. Das stimmt mich zuversichtlich

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Giulia Steingruber (22)

  • Disziplinen: Geräte und Mehrkampf Einzel
  • Einsatz: Qualifikationen am 7.8.; evtl. Finals: 11.8. (Mehrkampf); 14.8. (Sprung); 16.8. (Boden)
  • Bisherige Erfolge an EM: 5 Mal Gold, 1 Mal Silber, 3 Mal Bronze
  • 2. Olympiateilnahme

Giulia Steingruber pausierte nach der erfolgreichen EM nur kurz. In Magglingen ist sie sofort wieder in die Halle gegangen und hat in Ruhe den neuen «Steingruber»-Sprung Training für Training dutzendfach wiederholt. Der Bewegungsablauf sollte sitzen. Mit einem Adrenalin-Kick in Rio wird sie diese Weltneuheit präsentieren. Sie hat keine Wettkampferfahrung mit diesem neuen Sprung. Sie verfügt jedoch über die Gabe, am Tag X über sich hinauswachsen zu können.

4. Das könnte schieflaufen

Zuerst muss Steingruber sich für die besten 8 qualifizieren. Die Konkurrenz ist unglaublich stark. Potenziell sehe ich 15 Turnerinnen, die in den Sprungfinal einziehen könnten. Im Sprungfinal selber gilt es, volles Risiko zu nehmen. Sollte die Ostschweizerin vor lauter Aufregung die ideale Einleitung der Drehung bei ihrem «Steingruber»-Sprung verpassen, wäre ein Sturz die Folge – und die Medaille weg.

5. Medaillenchance

50 Prozent.

Gewinnt Giulia Steingruber eine Medaille?

  • Ja

    87%
  • Nein

    12%
  • 1541 Stimmen wurden abgegeben

Video «Steingruber holt zwei Goldmedaillen» abspielen

Doppel-Gold an der Heim-EM Anfang Juni

3:27 min, aus sportpanorama vom 5.6.2016

Sendebezug: Laufende Berichterstattung Olympische Spiele