Baustellen – so weit das Auge reicht

In einem Jahr werden in Rio de Janeiro die 31. Olympischen Sommerspiele eröffnet. Falls die Organisatoren bis dann die massiven Verzögerungen im Zeitplan aufholen können.

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1 Jahr vor Olympia: Rio hat noch viel zu tun

4:12 min, aus sportaktuell vom 5.8.2015

Ein Augenschein vor Ort vermittelt nicht die gelassensten Eindrücke. Vielmehr weckt er Fragen. Die dringendste lautet: «Wie soll dies alles fertig gestellt werden bis zur Eröffnung am 5. August 2016?»

Entsprechend berichtet SRF-Sportredaktor Herbert Zimmermann aus der Stadt am Zuckerhut: «Alles ist eine riesige Baustelle.» Zu den Verspätungen gesellen sich lokale Probleme wie Korruption, Vetternwirtschaft und durchaus auch Grössenwahnsinn.

Thomas Bach trägt ein T-Shirt mit der Aufschrift «#1YearToGo» auf dem Rücken. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Thomas Bach Der IOC-Boss zeigt sich nicht beunruhigt. Reuters

Keine Hektik und mehr Zuspruch

Von offizieller Seite her besteht kein Grund zur Beunruhigung. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) um Präsident Thomas Bach ist «zufrieden» mit dem Stand der Vorbereitungen. Auch beim Veranstalter ist Hektik Fehlanzeige, man beharrt auf folgender Einschätzung: «Wir sind gut im Zeitplan.» Und verweist auf die steigende Tendenz, dass inzwischen 67 Prozent der Bürger die Spiele in der Karnevalstadt befürworten.

Trotzdem ist nicht zu leugnen, dass ein grosser Teil der Wettkampfstätten noch nicht steht. Zum geplanten Schwimmstadion und Velodrome sagt Zimmermann: «Hier stehen alle Lichter auf rot.» Und er schliesst daraus: «Sie müssen jetzt in den verbleibenden 365 Tagen grausam Gas geben.»

Kein Plan B für die verschmutzte Bucht

Ralph Stöckli, der in Brasilien die Schweizer Delegation zum ersten Mal als Chef de Mission anführen wird, beruft sich lieber aufs Reissbrett – und beurteilt dieses sehr wohlwollend. «Ich bin überzeugt, dass die Infrastruktur top sein wird.» Erfreulich sei vor allem das Vorhaben, dass es in Rio ein einziges olympisches Dorf gebe. «Dies ist etwas, was man sich als Nationales Olympisches Komitee wünscht. Man hat alle Athleten beisammen, was bezüglich Logistik vieles vereinfacht.»

Eine Sorge allerdings bleibt, und diese beunruhigt grossflächig. Die Gewässer in der Guanabara-Bucht, wo die Ruder- und Segelwettbewerbe stattfinden, gleicht einem Abwassertümpel. Das IOC will im Vorfeld von Olympia selbst die Wasserqualität messen lassen. Einen Plan B, eine Verlegung in saubere Gefilde, besteht (noch) nicht.

Sendebezug: Radio SRF 3, Morgenbulletin, 05.08.2015 07:20 Uhr